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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Warum steigt die Zahl der Drogentoten?
Zwischenüberschrift:
Studenten der Hochschule analysieren Ursachen und befragen Fachleute
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
In Stadt und Landkreis Osnabrück sind von Juli 2015 bis Juli 2016 insgesamt 22 Personen nach Drogenmissbrauch gestorben fast dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Studenten der Hochschule Osnabrück haben die Ursachen für den dramatischen Anstieg erforscht.

Osnabrück. Mit 22 Drogentoten haben wir leider einen traurigen Höhepunkt erreicht. Seit Erfassung der Daten sind nie zuvor so viele Abhängige in der Region Osnabrück verstorben″, erklärte Uwe Schwichtenberg, Leiter des suchtmedizinischen Zentrums der Ameos-Klinik, im vergangenen Sommer. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Um welche es sich im Einzelnen handelt, haben die Studenten in einer halbstündigen Hördokumentation zusammengetragen, die sie jetzt in der Hochschule vorstellten. Darin kommen mehrere Fachleute aus der Region zu Wort.

Auch Schwichtenberg. Suchtkranke werden immer älter, gleichzeitig wird der Mischkonsum immer größer″, stellt der Ameos-Chef im Interview mit den Studenten fest. Nicht zu vernachlässigen seien die verunreinigten Substanzen, die häufig mit Sand, Salz, Blei oder sogar Quecksilber gestreckt würden, sowie die unhygienischen Zustände, in denen Abhängige die Drogen konsumierten. Jürgen Rogowski, ebenfalls Arzt am Osnabrücker Ameos-Klinikum, pflichtet bei: Viele Patienten sind von mehreren Substanzen gleichzeitig abhängig. Wenn man Alkohol, Medikamente und Drogen mischt, dann kommt es häufiger zu Überdosierungen.″

Zunehmend missbraucht werde das Arzneimittel Lyrica, laut Hördoku Schwarzmarkt-Medikament Nummer eins″. Es wird normalerweise bei Erkrankungen des Nervensystems, bei Epilepsie oder Angststörungen eingesetzt (siehe auch den weiteren Bericht auf dieser Seite). Besonders gefährlich seien jedoch die frei verfügbaren Legal Highs″: Substanzen, die sich auf die Psyche des Menschen auswirken und in Form von Kräutermischungen, Badesalzen oder Ecstasy auf dem Markt erscheinen.

Aber was bedeutet der sprunghafte Anstieg der Drogentoten in Osnabrück für die Zukunft? Möglicherweise nicht viel. So meint etwa Jens Kirchhoff von der Caritas-Suchtberatung, der traurige Rekord aus dem Jahr 2016 sei ein Ausrutscher″, der sich durch den Konsum multipler Substanzen sowie durch Folgeerkrankungen erklären lässt. In diesem Jahr wird es wahrscheinlich wieder weniger Drogentote geben.″ Ähnlich denkt Norman Zipplies vom Café Connection, einem niedrigschwelligen Drogenhilfe-Angebot des Diakonischen Werks. Durchschnittlich würden zwischen 10 und 13 Personen pro Jahr wegen Drogenkonsums sterben, erklärte er.

Anderer Ansicht ist hingegen Ameos-Arzt Rogowski, der den plötzlichen Anstieg der Drogentoten nicht als einmaliges Ereignis betrachtet und eine Veränderung der Drogenpolitik erwartet. Es wird noch einiges auf uns zukommen gerade mit Substanzen, die eher im Osten hergestellt werden, wie zum Beispiel Crystal Meth.″

Um dem Negativtrend entgegenzuwirken, plädieren die Experten in der Hördoku für einen Ausbau von Präventionsmaßnahmen, damit langjährige Drogenabhängige aufgeklärt und unterstützt werden. Dazu zählen die Fachleute eine Reha sowie Wohnangebote und Rückzugsorte. Ich halte die Einrichtung von Konsumräumen für äußerst sinnvoll, da sie die Möglichkeit von Überdosierungen im öffentlichen Raum reduzieren″, sagt Wolfgang Schneider vom Institut zur Förderung qualitativer Drogenforschung (Indro) in Münster. Dadurch könne der Konsum unter hygienischen Bedingungen gewährleistet werden.

Außerdem sei es notwendig, über die Legalisierung bestimmter Substanzen nachzudenken. So könnten Anbau, Abgabe und Konsum von Drogen staatlich kontrolliert und entkriminalisiert werden. Wenn jemand Schmerzen hat und es ihm hilft, soll er doch einen Joint rauchen″, findet Ameos-Arzt Rogowski. Voraussetzung dafür, ergänzt Indro-Experte Schneider, seien allerdings eine Kennzeichnung des Wirkstoffgehalts sowie die Einrichtung von Abgabezentren, die nach dem Coffeeshop-Modell in den Niederlanden umgesetzt werden könnten.

Die Audiodokumentation kann auf der Internetseite der Hochschule unter der Adresse hs-osnabrueck.de angehört werden (Suchbegriff: Drogenschicksale″).

Bildtext:
Suchtmediziner Uwe Schwichtenberg (rechts) vom Ameos-Klinikum und Conrad Tönsing vom Osnabrücker Caritasverband erklärten die Gründe für den Negativtrend in der Hasestadt.

Foto:
David Ebener
Autor:
André Pottebaum


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