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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Störrische Bürger zur Räson gebracht
Zwischenüberschrift:
Befestigungsturm „Bürgergehorsam″ diente auch als Gefängnis
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Gemütlich geht es um 1939 am Bürgergehorsam zu. Niemand stört sich an Autos, die auf der Fahrbahn parken. Zwei Besucher werden von ihren Gastgebern verabschiedet und besteigen in aller Seelenruhe ihren Wanderer-Pkw.

Osnabrück. Davor steht am Straßenrand ein weißer Opel Kapitän in Cabriolet-Ausführung. Der Vorkriegs-Kapitän wurde wegen seiner eleganten Linienführung auch im Ausland zu einem Verkaufserfolg. Von 1938 bis zur Einstellung der zivilen Pkw-Produktion bei Opel im Herbst 1940 verließen 25 371 Exemplare die Produktionsbänder in Rüsselsheim. Das Kennzeichen VH″ verrät, dass der Wagen in Hessen zugelassen wurde. Möglicherweise handelt es sich um einen Werks-Vorführwagen auf Promotionstour.

Eine Straße, viele Namen: Der heutige Hasetorwall hieß im Kaiserreich und auch noch danach Kaiserwall. Nach 1938 wurde daraus der Kärntner Wall. Aber nicht etwa wegen Osnabrücks Städtefreundschaft mit Gmünd in Kärnten die wurde erst 1971 begründet. Nein, Anlass war der Anschluss″ Österreichs an das Deutsche Reich. Zeitgleich entstanden Wiener Wall (heute Natruper-Tor-Wall) und Braunauer Wall (Heger-Tor-Wall). Nach dem letzten Krieg waren weder die alten monarchischen Namen angesagt noch die Huldigungen an die Heimat Adolf Hitlers. Ein Rückgriff auf die Stadtgeschichte schien unverdächtig, und so benannte man den alten Kaiserwall nach dem Befestigungsturm Am Bürgergehorsam″. 1958 war auch dieser Name wieder passé. Seitdem trägt die westliche Fahrbahn den Namen Hasetorwall, während die östliche immer Hasemauer″ geblieben war.

Promenadenweg

Im Oktober 1935 musste das Stüve-Denkmal vor dem Rathaus weichen, weil es den häufigen Kundgebungen und Aufmärschen auf dem Marktplatz im Wege stand. Neuer Standort wurde der Grünstreifen des Kaiserwalls zwischen Bürgergehorsam und Hasetor (auf dem historischen Foto im Laub der Bäume verborgen). Im gleichen Zuge ließ die Stadtverwaltung einen Promenadenweg in der Mittelachse des Grünstreifens anlegen. Diese Maßnahme der Stadtverschönerung″ sollte im Interesse des Fremdenverkehrs dem Wanderer und Autowanderer″ einen vorteilhaften Eindruck vom Schmuckgürtel unserer Stadt″ vermitteln. Auf dem Foto ist der Promenadenweg, flankiert von frisch gepflanzten Bäumen, rechts vom Bürgergehorsam vor der Klosterkaserne zu entdecken.

Seinen markanten Namen trägt der 1517 bis 1519 errichtete Befestigungsturm, seitdem er auch als Gefängnis genutzt wurde. So etwa 1726, als der Rat die Vorsteher der Haselaischaft kurzerhand festsetzen und in den Bürgergehorsam stecken ließ. Sie hatten dem Rat in der Frage der Bepflanzung der Landwehr Widerstand entgegengesetzt und die wohlweisen Ratsherren dadurch offenbar mächtig geärgert. In einem summarischen Verfahren machte der Rat also von seinem Recht, störrische Bürger zur Räson zu bringen″, Gebrauch und ließ die widerspenstigen Laischaftsvorsteher einsperren.

Alles Bitten und Klagen der Familienmitglieder half nichts. Die schalteten sogar den Vorstand der Nachbar-Laischaft, der mächtigen Heger Laischaft, ein mit der Bitte um Vermittlung, ebenfalls vergebens. Deren Wort- und Buchhalter wurde verwarnt und an seinen Bürgereid erinnert, wonach eine Einmischung in Dinge des Rates nicht statthaft sei. Erst am nächsten Tag ließ man die Häftlinge frei, nachdem sie eine ordentliche Geldbuße gezahlt hatten.

Vorgelagerter Schutz

Doch zur Zähmung der Widerspenstigen war der Turm ursprünglich nicht gedacht. Er entstand 200 Jahre früher als vorgelagerter Schutz der Stadtmauern und des Natruper Tors. Diese Funktion erfüllte er gut. Als 1553 Philipp Magnus, Sohn des Herzogs Heinrich von Braunschweig, bereits die Iburg erobert hatte und im Zuge eines Streits mit dem Osnabrücker Bischof Franz von Waldeck nun auch die Stadt belagerte, beschoss er sie vom Gertrudenberg aus. Die Kugeln prallten von der kurz zuvor verstärkten Wallanlage und von den drei Meter dicken Mauern des Wehrturms wirkungslos ab. So konnte der Rat den Herzog wissen lassen, dass an eine Übergabe der Stadt nicht gedacht werde und Seine Fürstlichen Gnaden gegebenenfalls mit Osnabrücker Kraut und Lot″ (Pulver und Blei) Bekanntschaft machen würden. Der Herzog zog ab und verwüstete das Land. Die Stadt aber blieb, durch ihre starken Befestigungen geschützt, ungeschoren.

1843 wurde das Festungsgebot aufgehoben. Die Technik der Kriegsführung hatte sich in einer Weise entwickelt, die Stadtmauern entbehrlich machte. Nach und nach entfernte man die Stadtmauern und - tore, weil sie der Ausdehnung der Siedlungsflächen und dem Verkehr im Wege standen. 1876 fielen auch die Mauern zwischen Vitischanze und Natruper Tor. Barenturm und Bürgergehorsam durften als Reminiszenzen an die alten Zeiten stehen bleiben. Die abgetragenen Mauern und Wälle hinterließen genügend Freifläche, um darauf die promenadenartig gestalteten Wallstraßen, eben die neuen Wälle″, zu legen.

Serie Zeitreise So war es früher:

Berichte aus dem alten Osnabrück auf noz.de/ historisch-os

Bildtexte:
Vor dem Bürgergehorsam parkten um 1939 Autos, ohne den fließenden Verkehr″ zu behindern. Der Blick geht in Richtung Hasetor. Rechts vom Laternenmast erkennt man die später im Krieg zerstörten Häuser am Klingensberg und an der Neuen Straße. Ganz rechts die Gebäudeecke der Klosterkaserne.

Fünf Fahrspuren und einen Radweg umfasst heute der Aufstellbereich am Rißmüllerplatz.

Entfestung der Altstadt: 1876 wurden die Wallanlagen zwischen Bürgergehorsam und Vitischanze abgebrochen der Freiraum für die breiten Wallstraßen entstand. Am Horizont zeichnen sich Gebäude des Gertrudenklosters ab.

Fotos: Foto: August Rumbucher jr., Niedersächsisches Landesarchiv Standort Osnabrück, Otto Schulz, Archiv des Medienzentrums Osnabrück, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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