User Online: 1 | Timeout: 08:38Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gemeinsch. Sitzung der städt. Collegien.
Zwischenüberschrift:
Dienstag den 25. Juni
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
1. Statut der Realschule und aufstellung von Lehrern an deeselben. Bei den neulich gefaßten Beschlüssen hat in zwei Puncten eine Meinungsverschiedenheit zwischen Magistrat und Bürgervorsteher-Collegium sich ergeben, und muß nun nach § 7 Städteortnung eine nochmalig Abstimmung stattfinden. Es handelt sich zunächst um die Zusammensetzung des Lehrer-Collgiums. Da ist seiten der Bürgervorsteher bei Stimmemgleichheit durch Entscheidung des Wortführers beschlossen worden, 1/ 3 der Lehrer an dieser consessionlosen Schule müsse einer bestimmten Consession angehören. Der magistrat hat dagegen gestimmt, und will freie Hand in der Wahl der Lehrer aus beiden Consessionen behalten, nur nach dem Maß der Tüchtigkeit sich richtend. Da zwei verreist gewesene Bürgervorsteher wieder zurückgekehrt und heute anwesend sind (Fr. Schultze und Dreyer); diese aber auf der Seite des Magistrats treten; so ist damit der Antrag wegen des Drittels abgelehnt.
Die zweite Meinungsverschiedenheit bezog sich aud die Zusammensetzung der Schul-Commission, und findet auch hier eine Einigung dahin statt, daß diese Commission aus drei Mitgliedern des Magistrats, drei Bürgervorstehern, dem Director der Anstalt und den Religionslehrern (1 Protestant, 1 Katholik, eventuell 1 Israelit) bestehen soll.
Zum Schluß ersucht Bürgermeister Miquel das Bürgervorsteher-Collegium um baldige Wahl einer Commission von Mitgliedern nach Maßgabe der zahl der Magistratspersonen, deren Aufgabe sein soll, in den nächsten 14 Tagen mit dem Magistrat gemeinschaftlich die Lehrer der Anstalt zu wählen, ohne die höhrern Orts nachzusuchende Genehmigung des Statuts abzuwarten.
2. Feststellung von Baulinien vor dem Hegerthore und Bausachen in der Feldmark. Maurermeister Geisler hat beantragt, am Fahrweg nach der Blumenhalle am vormals Blatzschen Garten in der Nähe der eisernen Hand eine Arbeiterwohnung für sechs Familien zu erbauen. Der Magistrat hat ihn´m die Baulinie vorgeschrieben, und die künftige Straße, falls eine solche entstehen sollte, nach Maßgabe der freilich nicht genehmigten Bauordnung zu 40 Fuß festgesetz. Der Bau wird genehmigt.
3. Verkauf von Bauplätzen auf der Augustenburg. Bürgermeister Miquel spricht über diesen Gegenstand mit großer Ausführlichkeit und im Interesse des Arbeiterstandes, dessen er sich mit aller Wärme annimmt. Es ist eben im Interesse dieses Standes schon früher von beiden Collegien beschlossen worden, daß Gesellschaften, welche sich aus Humanitätsgründen zum Bau von gefunden und billig zu vermiethenden Arbeiterwohnungen verpflichten wollen, der Grund und Boden auf der Augustenburg bis zu 5 .. abwärts für die Quadratruthe abgelassen werden soll. In der Thal hat das schon zu zwei Neubauten geführt, deren eine von der Lage, die andre von der Armen-Commission unternommnen worden ist: vielleicht wird die Freimauerloge auch noch ein zweites Gebäude ausführen lassen. Es ist unglaublich, wie groß die Noht der Arbeiter ist, wenn sie Wohnungen suchen, welche enorme Miethpreise sie zahlen müssen, und wie viele Bedürfnisse unbefriedigt bleiben. Erklären läßt sich dies aus dem mangelhaften Verhältnis der Neubauten zu dem raschen Anwachs der Bevölkerung Osnabrücks in den letzten jahren; während früher durchschnittlich 9 Personen auf ein Haus gerechnet wurden, ergibt der Durchschnitt gegenwärtig 19 Personen. Die Noth hat den Höhepunkt erreicht; es scheint daher eine Pflicht der städtischen Verwaltung zu sein, daß der Anbau von Arbeiterwohnungen ganz entschieden begünstigt werde, um wieder gut zu machen, was das frühere beklagenswerthe System verdorben hat, welches den Anbau in der Feldmark beschränkte. Nachdem dieses System zum Glücke aufgehört hat, ist dreierlei zu thun, um der vorhandenen Noth abzuhelfen: 1. es müssen stets Straßen in der Feldmark offengelegt werden; 2. der Magistrat muß auch in der Stadt durch neue Straßen die Erwerbung von Bauplätzen ermöglichen, wie das am Pottgraben bereits geschehen ist, vielleicht auch auf der Rosenbleiche und den Corsicaschen Gründen demnächst noch geschehen kann; 3. hat der Magistrat sich zur Aufgabe zu machen, daß der Anbau neuer Arbeiterwohnungen durch Herleihung aus der Sparkasse erleichtert werde.
Man hat wohl gefürchtet, die Augustenburg liege zu entfernt für Arbeiterfamilien; davon hat aber die Erfahrung das Gegentheil ergeben, da das von der Loge erbaute Haus sehr gut vermiethet ist (meist an Bauhandwerker, zuverlässige Miether) und das Capital sich mit 5% verzinst. Seitdem wird der Bürgermeister von Leuten überlaufen, die sich gern in das noch nicht fertige Haus der Armen-Commission einmiethen wollen, wohl wissend, daß sie nächsten Michaelis ohne Wohnung sein werden. Es scheint daher zweckmößig, den früheren Beschluß, wonach nur an Gesellschaften der Boden für 5 .. per .. R. verkauft werden sollte, wieder aufzuheben und ihn dahin zu erweitern, daß auch an Privatpersonen Bauplätze an der Augustenburg zu demselben Preise (d. h. bis auf 5 .. herunter) abgelassen werden. Der Versuch, durch eine Actiengesellschaft auf den Anbau neuer Wohnungen zu wirken, hat bis dahin wegen gar zu großer Meinungsverschiedenheiten ein Resultat nicht erzielen können, und doch muß etwas geschehen, wenn man bedenkt, daß z. B. jemand, der ein Haus für 1000 .. gekauft hat, jetzt in demselben frei wohnt und noch obendrein 100 .. Miethe aus dem Hause bezieht. Es muß etwas geschehen, wenn man bedenkt, daß aus schlechten, dumpfen, feuchten Wohnungen Krankheiten hervorgehen, wenn man bedenkt, daß in denselben die Arbeiterkinder mit ihren bleichen Gesichtern als lebendige Zeugen der groß gewordenen Wohnungsnoth zur Hülfe auffordern. Nachdem Bürgervorsteher Teincken an den feuchten Boden der Augustenburg erinnert, der Bürgermeister aber nachgewiesen hat, daß derselbe seiner hohen Lage wegen sich durch Drainirung sehr gut trocken legen lasse; nachdem Wortführer Graff ein Bedenken geäußert, ob durch den Verkauf des Bodens an Privatleute nicht der ursprüngliche Zweck, billige Wohnungen herzustellen, verloren gehe, der Bürgermeister aber, auf den Zusammenhang vo Angebot und Nachfrage sich stützend, aus dem Entstehen möglichst vieler Wohnungen eine Herabdrückung der Miethpreise mit Zuversicht erwartete; nachdem endlich Senator Dreinhöfer den magistratsseitigen Antrag durch den Hinweis befürwortet hatte, daß in naher Zukunft wieder drei bedeutende Etablissements in unsrer Stadt die Zahl der Arbeiter vermehren, Beamte und Millitärs aber die Nachfrage nach Wohnungen erhöhen würden: gab der Bürgermeister noch die Zusicherung, daß beim Verkaufe von Grundstücken der Augustenburg den Käufern die Verpflichtungauferleg: werden solle, bei Vermeidung einer Concentionalstrafe binnen bestimmter Frist geeignete Arbeiterwohnungen herzustellen, und wurde hierauf der Antrag des Magistrat einhellig genehmigt.
Eine kurze vertrauliche Sitzung unterbrach die öffendliche Verhandlungen, wonach denn eine evangelische Sitzung folgte. (Schluß folgt.)


Anfang der Liste Ende der Liste