User Online: 1 | Timeout: 04:30Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zirkus Knie kommt mit wilden Tieren
 
Manege frei für Wildtierzirkusse
Zwischenüberschrift:
OVG bestätigt Rechtswidrigkeit eines kommunalen Verbots – Zirkus Knie kommt Ende Mai
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Trotz eines Ratsbeschlusses von 2015, der Wildtiernummern im Programm verhindern soll, schlägt auch in diesem Jahr wieder ein Wildtierzirkus in Osnabrück seine Zelte auf. Vom 27. bis 29. Mai gastiert der Zirkus Charles Knie an der Halle Gartlage und bringt unter anderem Zebras und Kängurus mit.

Beides Exoten, die eigentlich nie mehr eine Manege in der Stadt hätten betreten sollen. Doch Zirkus Knie erhielt die Zusage, bevor der Rat sein Wildtierverbot für Zirkusaufführungen verhängte. Das bestätigte die Osnabrücker Herdbuch-Gesellschaft als Pächterin der Halle Gartlage am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion. Außerdem hat der Zirkus das Gesetz auf seiner Seite: Denn auch das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hält ein kommunales Wildtierverbot für rechtswidrig.

Das Wildtierverbot für Zirkusaufführungen in Osnabrück erweist sich als Papiertiger. Mit Charles Knie kommt Ende Mai erneut ein Wildtierzirkus in die Stadt.

Osnabrück. Im Internet wirbt Zirkus Knie für fünf Vorstellungen an der Halle Gartlage vom 27. bis 29. Mai 2017. Außerdem soll es am Premierentag eine Tierschau geben: Zu sehen gibt es um die 100 Tiere aus 30 verschiedenen Arten, darunter Zebras und Kängurus.

Beides Exoten, die eigentlich nie mehr eine Manege in Osnabrück hätten betreten sollen. Ebenso wenig wie Affen, Antilopen, Amphibien, Bären, Elefanten, Flusspferde, Giraffen, Greifvögel, Krokodile, Nashörner, Raubkatzen, Reptilien, Robben und Strauße. Sie alle sind in der Hasestadt offiziell unerwünscht, seit der Rat am 8. Dezember 2015 (gegen die Stimmen von CDU, FDP und Oberbürgermeister und eine Warnung des Rechtsamts) entschied, jedem Zirkus ein Gastspiel auf öffentlichen Flächen zu verwehren, der solche Wildtiere präsentiert. Doch dieser Ratsbeschluss wackelt. Wie es aussieht, ist er sogar rechtswidrig.

So stellte das niedersächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg jetzt in einem vergleichbaren Fall aus Hameln fest, dass ein kommunales Wildtierverbot unzulässig in die Berufsfreiheit der Zirkusunternehmen eingreift. Mehr noch: Auch aus tierschutzrechtlichen Gründen könne eine Gemeinde ein Wildtierzirkus-Gastspiel auf öffentlichen Flächen nicht untersagen, wenn der Zirkus über die behördliche Genehmigung zum Mitführen von Wildtieren verfügt. Mit diesem unanfechtbaren Beschluss vom 2. März (Az. 10 ME 4/ 17) bestätigte das OVG eine im Januar getroffene Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts Hannover.

Ausgangspunkt der Prozesse war eine Klage von Zirkus Knie gegen die Stadt Hameln. Diese hatte dem Zirkus ein Anfang April geplantes Gastspiel zunächst untersagt. Ihre Ablehnung begründete die Rattenfängerstadt mit einem Ratsbeschluss, der im Juni 2016 ähnlich dem in Osnabrück gefasst worden war. Nun steht fest: Eine Kommune darf kein Wildtierverbot für Zirkusunternehmen verhängen. Dies kann einzig vom Bund gesetzlich geregelt werden.

Die Rechtslage ist eindeutig″, erklärt Dieter Seeger, Tourneeleiter von Charles Knie. Und ist überzeugt: Auch die Aufführungen in Osnabrück hätte er gerichtlich durchsetzen können. Doch das sei zum Glück nicht nötig″ geworden. Schließlich habe ihm von der Osnabrücker Herdbuch-Genossenschaft (OHG) als Pächterin der Halle Gartlage eine schriftliche Zusage vorgelegen, die aus der Zeit vor dem umstrittenen Ratsbeschluss stammt.

Halle Gartlage auf Linie

Die OHG in Sachen Wildtierzirkus von der Stadt einst auf Linie gebracht bestätigte das am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion. Und korrigierte damit ihre Aussage von Januar, als sie von einer alten Vereinbarung mit Zirkus Knie nichts wissen wollte. Ein irritierendes Geständnis: Denn vor nicht einmal einem Jahr hatte die OHG dem Rat noch versichert, dass beim damals anstehenden Gastspiel von Circus Probst letztmalig Wildtiere gezeigt″ würden. So steht es jedenfalls in einer Mitteilungsvorlage der Verwaltung vom 20. Mai 2016. War das etwa nur die halbe Wahrheit?

Wie dem auch sei: Der Vertrag mit der OHG ist unter Dach und Fach. Wir kommen!″, sagt Zirkus-Knie-Manager Seeger. Auch die Stadt habe eingewilligt. Bereits am 4. Mai werde es in Osnabrück zu einem Treffen zwischen ihm und Mitgliedern des zuständigen Ausschusses für Feuerwehr und Ordnung kommen. Eine solche Begegnung hatte Seeger in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Verbandes deutscher Circusunternehmen (VDCU) angeboten mit dem Ziel, von einer rein ideologisch und emotional″ geführten Diskussion über die Haltung und Dressur von Zirkustieren zu einer sachlichen Auseinandersetzung zurückzukehren.

Wir sind gesprächsbereit″, erklärt Ausschussvorsitzender Marius Keite (CDU). Das Osnabrücker Wildtierverbot für Zirkusaufführungen habe schon immer auf tönernen Füßen″ gestanden. Angesichts der jüngsten Urteile gehöre es möglicherweise wieder auf die politische Tagesordnung. Wenn der Ratsbeschluss offensichtlich rechtswidrig ist, muss das geändert werden.″

Weitere Nachrichten aus Osnabrück auf www.noz.de

Kommentar:

Publikum entscheidet

Von einer Hetzjagd gegen den deutschen Zirkus mit Tieren″ spricht der Verband deutscher Circusunternehmen (VDCU) in seinem Brief an die Stadt Osnabrück. Tatsächlich scheint es an der Zeit, die emotional aufgeladene Debatte um Wildtierverbote auf Sachargumente zu reduzieren. Haltung und Dressur von wilden Tieren in Zirkussen pauschal als Tierquälerei abzustempeln ist jedenfalls genauso unsinnig wie der Versuch, Kritiker der Branche als Verblendete und Fehlgeleitete einer vegan geprägten Ideologie hinzustellen, die zwischen Menschen und anderen Geschöpfen kaum noch Unterschiede macht.

Fest steht: Ein Verbot bedeutet auch immer Bevormundung. Warum überlassen die Politiker nicht dem Publikum die Entscheidung über Wohl und Wehe der Wildtierzirkusse? Die Zuschauer wenden sich doch von ganz alleine ab, sollten sie einst all der Elefanten, Löwen und Tiger überdrüssig werden, die auf Kommando durch die Manege tanzen, durch Reifen springen oder sogar mit dem Dompteur schmusen. Zirkus Knie hat seine bekannte Seelöwen-Nummer übrigens schon gestrichen.
Autor:
sst


Anfang der Liste Ende der Liste