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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Selbstversuch: Unternehmer testet ÖPNV
 
„Abenteuerliche Verbindungen″
Zwischenüberschrift:
Bus trifft Business: Ein Geschäftsmann testet Osnabrücker ÖPNV
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
sst Osnabrück. Mit dem Auto zur Arbeit ja oder nein? Pendler aus dem Landkreis Osnabrück, die mit dem Bus in die Stadt fahren und auch dort unterwegs sind, brauchen mitunter viel Geduld und starke Nerven. Unsere Redaktion hat einen heimischen Unternehmer beim persönlichen ÖPNV-Test begleitet. Normalerweise wählt der Firmeninhaber für alle Fahrten das Auto. Was passiert, wenn er ausnahmsweise auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigt. Sein Fazit nach einem Tag: Zum Arbeiten bleibt wenig Zeit. Die Reisezeiten sind erschreckend hoch″, stellt der Unternehmer fest. Allein für die Strecke von Belm über Osnabrück nach Schledehausen braucht er 80 Minuten, fast fünfmal so viel wie im Auto. Da wäre ich mit dem Rad schneller.″

Mit dem Auto zur Arbeit ja oder nein? Pendler aus dem Landkreis Osnabrück, die mit dem Bus in die Stadt fahren und auch dort unterwegs sind, brauchen mitunter viel Geduld und starke Nerven. Unsere Redaktion hat einen heimischen Unternehmer beim persönlichen ÖPNV-Test begleitet.

Osnabrück. Ein typischer Arbeitstag im Kalender des Geschäftsführers aus Bissendorf: Morgens Bürozeit in Belm, mittags Termine in Osnabrück, danach wieder Meetings in Belm bis zum Abend. Normalerweise wählt der Unternehmer für alle Fahrten das Auto. Heute steigt er ausnahmsweise um auf öffentliche Verkehrsmittel. Ob der Bus fürs Business taugt?

Los geht die Probe aufs Exempel um 7.56 Uhr in Schledehausen, Haltestelle Schelenburg. Der Bus nach Osnabrück kommt pünktlich. Der Fahrer verkauft dem seltenen Gast ein Tagesticket für 6, 10 Euro. Nach einer knappen halben Stunde Ankunft an der Alten Poststraße. Hier ist ein Umstieg nötig. Im Stechschritt geht es um die Ecke zur Station Luisenstraße. Dann der erste Schreckmoment: Linie 72 Richtung Belm verschwindet plötzlich von der digitalen Anzeigetafel, ohne dass sie überhaupt vorgefahren ist. (Weiterlesen: 800 Minuten Wartezeit an Bushaltestellen in Osnabrück?)

Also warten. Wertvolle Zeit verrinnt. In spätestens zehn Minuten müsste die 71 kommen. Als zwischendurch der Expressbus nach Venne anhält, springt der Geschäftsmann rein. Um 8.40 Uhr eine Stunde nach seinem Aufbruch von Zuhause erreicht er die Haltestelle Belmer Heide. Fünf Minuten später sitzt er am Schreibtisch. Durchwachsene Zwischenbilanz: Hätte ich das Auto genommen, wäre ich schon eine Dreiviertelstunde hier.″

So bleibt nur wenig Zeit zum Arbeiten. Denn um 10 Uhr wartet bereits ein Auswärtstermin. Heißt für den ÖPNV-Tester: Rückfahrt nach Osnabrück nicht wie sonst mit dem eigenen Wagen um kurz vor knapp, sondern schon um 9.41 Uhr mit Linie 71 ab Belmer Heide. Zum Glück liegt dieser Bus im Fahrplan. Drei Minuten vor Ultimo ist der Unternehmer am Ziel Berliner Platz. (Weiterlesen: Grüne fordern Fahrverbote für Diesel in Osnabrück)

Nach drei Stunden in der Innenstadt dann das Ganze retour. Doch diesmal gibt es Probleme: Obwohl der Fahrgast mit dem hohen Zeitdruck rechtzeitig an der Haltestelle steht, scheint die 71 um 13.13 Uhr bereits weg, und die 72 um 13.23 hat Verspätung. Also warten bis 13.33 Uhr? Der Geschäftsmann wird ungeduldig. Erneut eilt ihm der Expressbus X275 zu Hilfe. Haarscharf schafft er es damit pünktlich zum nächsten Treffen um 14 Uhr in Belm.

Die Reisezeiten sind erschreckend hoch, für den täglichen Bedarf eigentlich indiskutabel″, stellt der Firmeninhaber fest. Dabei hat er den zeitraubendsten Teil seines Tagesausflugs in die Osnabrücker Welt des öffentlichen Nahverkehrs noch vor sich: die Heimfahrt. (Weiterlesen: Warum Busfahren in Osnabrück nur 1 Euro kosten dürfte)

Denn abends kennt der Fahrplan mit Pendlern aus dem Landkreis keine Gnade. Der Geschäftsführer aus Bissendorf muss unbedingt um 18.33 Uhr in Osnabrück an der Haltestelle Alte Poststraße stehen, um wie geplant den Bus nach Hause zu erwischen. Andernfalls wartet er unfreiwillig eine ganze Stunde auf die nächste Verbindung nach Schledehausen. Und wer verbringt schon gern seinen Feierabend an einer Bushaltestelle?

Ab 18 Uhr läuft der Countdown: Letztes Händeschütteln mit den Geschäftspartnern, Mantel an, Spurt zur Belmer Heide und rein in den nächsten, leicht verspäteten Bus, der um diese Zeit so voll ist, dass nur noch Stehplätze frei sind. Doch zunächst geht alles gut: Rechtzeitig erreicht der ÖPNV-Tester die Alte Poststraße. Anders Linie 393 Richtung Bissendorf. (Weiterlesen: Sutthauser Bahnhof wird Osnabrücks erste Park-and-Ride-Station)

Sie bleibt zur Rushhour irgendwo in der Stadt stecken und sammelt den Geschäftsmann neun Minuten später ein, als der Fahrplan es vorsieht. Neun Minuten, die ihm wie eine Ewigkeit vorkommen mögen, weil bei Wind und Wetter eine wildfremde Frau die gemeinsame Wartezeit am Unterstand ungefragt zur Lebensbeichte und Welterklärung nutzt. Dagegen erscheint der krankhaft hustende Hintermann im Bus auf der folgenden Heimfahrt beinahe wie eine Wohltat.

Um 19.21 Uhr die Erlösung: Der Unternehmer betritt sein Haus. Knapp 80 Minuten von Tür zu Tür hat allein der Rückweg von Belm über Osnabrück nach Schledehausen gedauert. Insgesamt verbringt er an diesem Tag als Fußgänger und Fahrgast dreieinhalb Stunden im Straßenverkehr – „ fast fünfmal so viel wie als Autofahrer″, stellt der Geschäftsführer ernüchtert fest. Selbst mit dem Fahrrad wäre ich teilweise doppelt so schnell gewesen.″ (Weiterlesen: Studie zum Nahverkehr Wie gut schneidet Osnabrück ab?)

Sein Experiment habe ihm klargemacht, dass sich Beginn, Dauer und Ende der Arbeitszeit in erschreckendem Umfang″ nach dem Fahrplan der Busse richten. Das ist sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber unzumutbar.″ Er möge sich gar nicht ausmalen, welch abenteuerliche Busverbindungen″ notwendig geworden wären, hätte er nach der Arbeit noch zum Sport gewollt, so der Geschäftsmann. Für ihn sei das Ergebnis des Selbstversuchs deshalb eindeutig: Der Bus ist keine Alternative zum Auto.

Doch wie lässt sich das ÖPNV-Angebot gerade für Pendler wie ihn verbessern? Einen Vorschlag hat der Unternehmer: Um die langen Reisezeiten mit dem Bus wenigstens etwas alltagstauglicher werden zu lassen, wären zum Beispiel Einkaufsmöglichkeiten in den Bussen für den Grundbedarf sehr gut: Brot, Butter, Bier und Beruhigungsmittel.″ (Weiterlesen: Bald Schnellbusse aus dem Landkreis nach Osnabrück?)

Weitere Berichte und Analysen zum Thema Verkehr und Kriminalität finden sie unter noz.de/ sicher-leben.

Bildtext:
Viel Geduld und mitunter auch starke Nerven brauchen Pendler aus dem Landkreis Osnabrück, die mit dem Bus zum Arbeiten in die Stadt fahren.

Foto:
Michael Gründel
Autor:
Sebastian Stricker


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