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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ein Opfer der „Stadtautobahn″
Zwischenüberschrift:
Das avantgardistische Haus Bartlitz stand von 1928 bis 1977
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Das Neue Bauen″ im Osnabrück der 1920er-Jahre hat einige bemerkenswerte Architektur-Beispiele mit Bauhaus-Stil-Anklängen hervorgebracht. Eines der wenigen, die den Krieg überstanden haben, fiel der Altstadt-Sanierung zum Opfer: das Haus Bartlitz Ecke Krahnstraße/ Dielingerstraße.

Osnabrück. Architekt war Justus Haarmann, der Sohn des Hüttendirektors und Stifters des Haarmannsbrunnens, August Haarmann. Justus Haarmann (1884–1968) gilt als konsequentester Verfechter des neusachlichen Baustils in Osnabrück. Seiner Feder entstammen unter anderem die Entwürfe für das Hansa-Haus in der Herrenteichsstraße, die Fassadenumgestaltung Leysieffer in der Krahnstraße, das Rathenau-Ebert-Erzberger-Denkmal und die Wohnhäuser von der Forst (Bismarckstraße) und ter Meulen (Kirchstraße). 1928 beauftragte ihn Fleischermeister Carl Bartlitz, das abgängige alte Ackerbürgerhaus Krahnstraße 12/ 13 durch einen modernen, funktionalen Neubau zu ersetzen.

Die Herausforderung war, dass die Bauflucht zur Dielingerstraße um 2, 30 Meter zurückspringen musste, weil die Dielingerstraße schon damals als zu eng erkannt wurde. Gleichwohl waren Betriebsräume der Großschlachterei, Laden und Wohnungen auf dem Restgrundstück unterzubringen.

Haarmann stockte um ein viertes Geschoss auf. Die Osnabrücker Zeitung″ charakterisierte den Bau so: Einfach und schlicht, ohne irgendwelche Künstelei und unnützes Zierwerk, eine in sich abgewogene Baumasse, klar den Zweck der einzelnen Bauteile erkennen lassend, in allen seinen Teilen nur Sachlichkeit widerspiegelnd.″

Eine gewisse Anpassung an die vielgestaltige Altstadt-Architektur in der Nachbarschaft erreichte Haarmann durch eine mehrfarbige Gestaltung der glatten Putzfassaden, die auf dem Schwarzweißfoto leider nicht zur Geltung kommt, auf der Farbskizze dafür wohl etwas knalliger als in der Realität erscheint.

Jedenfalls wirkte der streng sachliche Neubau nicht wie ein Fremdkörper. Die Zeitung formulierte es so: Er will dem Beschauer sagen: Ich kann dich nicht durch Bildwerk und anderen teuren Schmuck erfreuen; ich entstand in einer Zeit wirtschaftlicher Not, aber einen Schmuck trage ich, und der ist von alter Echtheit und Wahrheit, die Farbe.′″ Das Haus mit den bunten Flächen″, wie es bald genannt wurde, entsprach mit seinen Blau-, Gelb- und Brauntönen dem Generalfarbenplan, den Stadtbaurat Friedrich Lehmann für die verschiedenen Stadtbezirke aufgestellt hatte.

Die gerundete Gebäudeecke sollte dem Bau etwas von seiner Massivität nehmen. Trotzdem drückte Haarmann sich nicht um die Situation der Hausecke herum. Das dritte Obergeschoss rundete er entgegen den unteren Geschossen nicht ab, sondern setzte es deutlich mit einer eckigen Auskragung ab. Ein durchgehendes Eckfenster unterstrich diese gestalterische Maßnahme.

Inge Frankmöller kommt in ihrer Schrift „‚ Neues Bauen′ in Osnabrück″ zu dem Ergebnis, dass es Haarmann gelungen ist, den Neubau unaufdringlich in die Umgebung einzupassen und dennoch eine Grundforderung des Neuen Bauens, nämlich dass Funktionalität das Entwurfskonzept bestimmen müsse, glasklar durchgehalten zu haben.

Die Geschichte der Fleischerei Bartlitz in Osnabrück begann im Jahre 1911. Der aus Eisleben stammende damals 25-jährige Fleischermeister Carl Bartlitz heiratete am 30. September seine Ida, geborene Dierking, und eröffnete am nächsten Tag ein eigenes Geschäft in der Möserstraße. Das war ein Jahr später schon zu klein, man zog zur Parkstraße 47 (Ecke Schnatgang).

In den Annalen wird berichtet, dass erstes Lieferfahrzeug ein Kastenwägelchen war, das von einem Bernhardinerhund gezogen wurde. 1923 ergab sich die Gelegenheit, die Fleischerei Essen in der Krahnstraße 12/ 13 zu übernehmen. Man schlachtete und wurstete dort direkt neben der Orientalischen Zuckerwarenfabrik″ von N. Neschitsch. Inwieweit die jeweiligen Geruchsentwicklungen miteinander harmonierten, ist nicht überliefert.

1928 kaufte Carl Bartlitz das Anwesen, um sodann mit Abriss und Neubau seine Vorstellungen von zeitgemäßen Betriebsabläufen verwirklichen zu können. Bartlitz war von 1933 bis 1946 Obermeister der Fleischerinnung Osnabrück und von 1952 bis 1956 Mitglied im Rat der Stadt, wo er den Wiederaufbau des kriegszerstörten Schlachthofs fachlich mitgestalten konnte. 1950 eröffnete der Senior mit seinen beiden aus dem Krieg zurückgekehrten Söhnen Karl-Heinz und Otto ein weiteres Geschäft in der Großen Straße 54 (heute Nordsee″), das nach Umbau 1958 das erste Fleischerei-Fachgeschäft mit Selbstbedienung war. Ebenfalls in den 1950er-Jahren kam eine Filiale an der Atterstraße in Eversburg hinzu.

Nach dem Tod des Seniors gingen Karl-Heinz (Große Straße) und Otto (Krahnstraße) geschäftlich getrennte Wege. Für das Geschäft Krahnstraße kam 1977 das vorzeitige Ende, als die Stadt beschloss, im Zuge der Altstadt-Sanierung Dielinger- und Lortzingstraße zu einer vierspurigen Stadtautobahn″ auszubauen. Dafür mussten im östlichen Teil der Dielingerstraße die nördliche Gebäudezeile und weiter zum Wall hin die südliche Gebäudezeile weichen.

Serie Zeitreise

So war es früher:

Berichte aus dem alten Osnabrück auf noz.de/ historisch-os

Bildtexte:
Fleischerei im Bauhausstil: Das Haus Bartlitz nahm von 1928 bis 1977 die Ecke von Krahn- und Dielingerstraße ein. Das Foto von Justus Haarmann entstammt dem Archiv Henning Haarmann und wurde wie auch die unten stehende Skizze veröffentlicht in: Inge Frankmöller, „, Neues Bauen′ in Osnabrück″, Bramsche 1984.

Die nördliche Häuserzeile der östlichen Dielingerstraße fiel 1977 der Innenstadtsanierung zum Opfer. Die alte Hausecke Bartlitz stand etwa in der Mittelachse der heutigen Dielingerstraße.

Fotos:
Justus Haarmann, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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