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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Augenzeugin fotografiert Bärin beim Ausbruch im Osnabrücker Zoo
 
Sind die Gehege niet- und nagelfest?
 
„Fassungslos und geschockt″ vor dem Bären geflohen
 
Tierschützer will Zoo verklagen
Zwischenüberschrift:
Tod des Hybridbären Tips ist für den Zoo ein „bitterer Lernprozess″
 
Augenzeugin fotografiert den Ausbruch
 
Tötung des ausgebrochenen Raubtiers kritisiert
Artikel:
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Originaltext:
Eine Augenzeugin hat die Hybridbärin Tips bei ihrem Ausbruch aus dem Gehege des Osnabrücker Zoos fotografiert. Ich war fassungslos und geschockt″, schildert die Hobby-Fotografin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Sie beobachtete, wie sich Tips von hinten einer Familie näherte. Diese reagierte genau richtig und entfernte sich in aller Ruhe. In einer Pressekonferenz am Montag lobte Zoodirektor Michael Böer das Verhalten der wenigen Besucher″, die Tips plötzlich gegenüberstanden. Zudem berichtete die Zooleitung von Sicherheitsmaßnahmen, die nun ergriffen werden, um Situationen wie diese künftig zu verhindern.

Wie konnte Tips ausbrechen? Diese Frage beschäftigte den Zoo Osnabrück, seit die Hybridbärin am Samstagnachmittag ausgebüxt ist und schließlich erschossen werden musste. Nun gilt es, ähnliche Situationen zu vermeiden.

Osnabrück. Wir waren heute eigentlich sehr entspannt im Zoo unterwegs und haben uns nicht unsicher gefühlt″, sagte Mark Ziethen am Sonntagnachmittag, nachdem er mit seiner Familie dort seinen Tag verbracht hatte. Wie ihm ging es wohl vielen: Trotz der Ereignisse am Vortag, bei denen Hybridbärin Tips gegen 14 Uhr zunächst ausgebrochen war und nach etwa zehn Minuten vom zoobiologischen Team erschossen wurde, waren zahlreiche Gäste da.

Trotzdem: Der Zoo Osnabrück ist auch mit sich selbst ins Gericht gegangen, das wurde bei der Pressekonferenz am Montagmorgen deutlich: Wir befinden uns in einem steten Lernprozess″, sagt Zoodirektor Michael Böer. In diesem Fall sei es ein bitterer Lernprozess″.

Denn anhand von Fährten konnten die Zoomitarbeiter die Ereignisse rekonstruieren. Dabei kam es zu drei unglücklichen Zufällen″, wie Böer erläuterte. Zunächst überwand Tips einen Stromzaun, hinter dem Stromzaun kam es zu einem zweiten völlig unerwarteten″ Ereignis: Denn die während des Winterschlafs schlank gewordene Bärin zwängte sich durch die Fuchsklappe in die benachbarte Anlage. An dieser Stelle hätte ihr Weg eigentlich endgültig zu Ende sein müssen: Denn das gesamte Areal ist mit einem hohen Gehege umzäunt, der laut Zooleitung bärensicher″ sei. Wie Tips ein Teil des Gitters aufdrücken konnte, ist bislang noch nicht geklärt.

Taps geht es gut

Am Montag war ein Team vor Ort, das aus externen und internen Experten bestand: Handwerker und Biologen sowie der Zooinspektor unseres Zoos, ein Architekt, eine externe Sicherheitsfirma und die Polizei sind dabei″, berichtete Zoo-Geschäftsführer Andreas Busemann. Sie prüften, wie sich das Gitter unter Druck verändert. So sollen ähnliche Situationen in Zukunft vermieden werden.

Bis abschließend geklärt ist, wie Tips das Gitter aus seinen Angeln drückt, Sicherheitsmängel beseitigt und die Anlage repariert wurde, muss Taps, der zweite Hybridbär des Zoos, in seinem Stall bleiben. Er würde natürlich schon gerne raus″, sagt Michael Böer. Dennoch geht es Taps gut, er frisst und verhält sich normal. Wahrscheinlich wird er in der ersten Zeit nach seiner Kameradin suchen″, vermutet der Zoodirektor. Doch Bären seien Einzelgänger, sie reagieren daher anders als Rudeltiere auf das Alleinsein. Taps wird daher voraussichtlich im Zoo bleiben. Eine abschließende Entscheidung sei noch nicht getroffen worden.

Denn im Moment ist die Zooleitung vollauf damit beschäftigt, alle Anlagen einer genauen Prüfung zu unterziehen. Dies geschehe wie auch vor dem Ereignis durch den Kontakt mit anderen Zoos, internen Experten, möglicherweise jedoch auch über externe Firmen. Zudem wird überprüft, ob genügend Lautsprecher auf dem Gelände sind, denn eventuell konnten am Samstag nicht alle Zoogäste die Durchsage zur Evakuierung hören. Zudem werden alle Schritte der Räumung des Geländes durchgegangen.

Insgesamt muss ich sagen, dass die Reaktionen der Mitarbeiter gut waren und wir schnell handeln konnten″, so Andreas Busemann. Für die Zukunft sei es jedoch wichtig, alle Prozesse einer strengen Überprüfung zu unterziehen. Die Sicherheit im Zoo schätzt Michael Böer dennoch als hoch ein: Statistisch gesehen passiert mehr auf dem Weg zum Zoo, etwa auf der Autobahn, als im Tierpark selbst.″

Keine Ermittlungen

Nicht nur die Betroffenheit der Zoomitarbeiter ist zwei Tage nach den Ereignissen deutlich zu spüren, auch die Stadtwerke Osnabrück sind traurig über Tips Tod. Der Energieversorger hatte direkt nach der Geburt die Patenschaft für Tips und Taps übernommen. Die beiden Hybridbären gelten als Klimabotschafter, weil sie als Kreuzung zwischen Braun- und Eisbär symbolisch für den Klimawandel stehen, der mittlerweile ein Aufeinandertreffen und damit auch die Paarung beider Bärenarten in der Natur möglich macht. Der Ausbruch und der Tod von Tips sind bei unseren Mitarbeitern heute das Thema Nummer eins″, sagte Stadtwerkesprecher Marco Hörmeyer am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Kollegen seien zutiefst betroffen und fühlten mit den Mitarbeitern im Zoo, die einen ihrer Schützlinge auf so tragische Art verloren hätten.

Gleichzeitig seien natürlich alle erleichtert, dass bei dem Ausbruch der Bärendame keine Menschen verletzt worden seien. An unserem Engagement für den Zoo Osnabrück wird sich nichts ändern″, so Hörmeyer weiter. Natürlich müsse die Kommunikation des Unternehmens in den Bereichen, in denen Tips und Taps involviert sind, an die neuen Gegebenheiten angepasst werden, die Stadtwerke würden aber die Zusammenarbeit mit dem Zoo ohne Einschränkungen fortsetzen.

Für Polizei und Staatsanwaltschaft spielt der Ausbruch von Tips in juristischem Sinne keine Rolle. Ermittlungen von Amts wegen finden nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft nicht statt, da bei dem Ausbruch niemand zu Schaden gekommen ist.

ra Osnabrück. Beim Ausbruch des Hybridbären Tips im Osnabrücker Zoo hat es am Samstag offenbar nur durch viel Glück keine Verletzten oder gar Toten gegeben.

Nach der Schilderung einer Augenzeugin, die das Entweichen des Tieres aus nur wenigen Meter Entfernung miterlebt und sogar fotografiert hat, haben die Zoobesucher zunächst ungläubig, dann aber fassungslos und geschockt reagiert. Ich bin zufällig am Bärengehege vorbeigekommen, als ich ganz in meiner Nähe den Bären unter mir entdeckte″, schilderte die Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte, ihre Erlebnisse vom Samstag.

Sie hielt sich auf einer Besucherbrücke oberhalb des Bärengeheges auf und wollte ein Foto von dem Raubtier machen. Ich habe jedoch nie im Leben damit gerechnet, dass die Gitterstäbe dem Druck des Tieres nachgeben würden. Das Tier drückte sich auf einmal durch das Gitter und entschwand.″ Die Frau und ihre Begleiter vermuteten zunächst, der Bär sei von einem Gehege in ein anderes gelaufen.

Als sie erkannt habe, dass das Tier nur noch getrennt durch ein normales Seil zwei Meter von anderen Zoobesuchern mit Kindern und Bollerwagen entfernt gewesen sei, habe sie lauthals rufend auf die Gefahr aufmerksam gemacht. Die nichts ahnenden Zoobesucher standen mit ihrem Rücken zum Bären, die Kinder tobten herum, und die Eltern haben dummerweise den Bären gar nicht wahrgenommen″, erinnert sich die Frau.

Auch als sie laut rufend auf die Gefahr aufmerksam gemacht habe, habe die Familie zunächst einige Sekunden verständnislos reagiert. Der Vater hat dann jedoch allmählich die Lage gecheckt und den Bollerwagen gewendet und sich die Kinder geschnappt″ berichtet die Frau weiter: Wir sind dann fassungslos und geschockt geflohen und haben das Zoopersonal hierüber informiert.″ Ein Zoowärter habe die Flüchtenden ins Tapier- Haus gelotst, weil auf einmal auch von der anderen Seite aus Menschen angekommen seien, und der Bär sei hinter ihnen her gewesen.

Im Tapier-Haus haben viele Zoobesucher nach Angaben der Augenzeugin in drangvoller Enge Zuflucht gesucht. Selbst den Zoowärtern merkte man ihre Nervosität an″, beschreibt die Frau die beängstigende Situation. Einer der Zoowärter im Tapier-Haus sei ständig von einer Tür zur anderen gelaufen und habe die Besucher dazu aufgefordert, die Türen unbedingt geschlossen zu halten. Aber das ist nach Angaben der Frau gar nicht möglich gewesen, weil immer mehr Menschen nachströmten. Nach nur zehn Minuten hätten dann alle Zufluchtsuchenden das Tapier-Haus wieder verlassen können.

Osnabrück. Tierschützer Colin Goldner will den Zoo Osnabrück verklagen. Er kritisiert die Tötung von Hybridbärin Tips. Diese musste am Samstagnachmittag von Zoomitarbeitern erschossen werden, nachdem sie aus dem Gehege ausgebrochen war.

Nach Angaben des Zoodirektors Michael Böer habe der Zoo keine andere Wahl gehabt. Denn Tips, die zuvor einen der Zoomitarbeiter umgerannt und leicht verletzt hatte, sei am Kletteraffenhaus zum Angriff gegen sein Team übergegangen. Zudem waren so nah am Eingang noch Zoobesucher unterwegs, die gerade evakuiert wurden. Wir hatten auch Betäubungsgewehre dabei″, betont der Zoodirektor. Doch schließlich schossen die Mitarbeiter scharf. Auch zwei Tage später ist ihre Betroffenheit darüber groß.

Wissenschaftsjournalist und Tierschützer Colin Goldner stimmt mit der Ansicht des Zoodirektors Michael Böer nicht überein: Er glaubt, ein tödlicher Schuss sei abwendbar gewesen. Seiner Ansicht nach hätte zumindest versucht werden müssen, das Leben des Tieres zu retten. Er ist überzeugt davon, dass in ein bis zwei Minuten eine bestimmte Form der Narkose erste Wirkungen zeige und den Bären zumindest ruhiger werden lasse. Das ist nicht einmal versucht worden. Ich denke, der Zoo Osnabrück hat hier gegen Tierschutzrichtlinien verstoßen″, so der Tierschützer. Er kündigt gegenüber unserer Zeitung an, den Zoo Osnabrück verklagen zu wollen.

Michael Böer spricht hingegen von etwa zehn bis 20 Minuten, die es gedauert hätte, bis der Narkoseschuss seine Wirkung entfalte. Denn das Mittel muss zunächst den ganzen Blutkreislauf des Tieres passieren, ehe es das Gehirn sowie das Herz-Lungen-System erreicht. Erst dann würde der Bär einschlafen und das, obwohl in den dafür bereitgehaltenen Gewehren eine starke Überdosis steckt. Wir hätten die dreifache Menge an Narkosemitteln im Vergleich zu normalen Situationen genutzt, in denen die Tiere schlafen gelegt werden″, so der Direktor auf Anfrage der Redaktion. Überlebt hätte das der Bär, da sofort ein Gegenmittel verabreicht worden wäre.

Diese Möglichkeit hatten die Zoomitarbeiter jedoch ausgeschlossen, nachdem der Bär bereits zum Angriff übergegangen sei. Diese Entscheidung wäre auch gefallen, wenn die Wirkung des Betäubungsschusses schneller einsetzen würde. Denn nach Angaben des Zoodirektors würden einem ausgewachsenen Bären auch ein bis zwei Minuten reichen, um Menschenleben in Gefahr zu bringen. Zumal der Schuss aus einem Betäubungsgewehr auch schmerzt.″ Tips wäre damit unberechenbar gewesen. Da sich neben den Zoomitarbeitern auch Zoobesucher in einer Entfernung von 50 Metern befanden, habe sich der Zoo entschieden, Menschenleben zu schützen und den Bären zu töten. Goldner spricht sich auch gegen die Haltung von Tieren in Zoos aus.

Bildtexte:
Gutachter untersuchten gestern das Bärengehege, aus dem Tips am Samstag ausgebrochen war.

Kurz vor dem Ausbruch des Hybridbären Tips″ aus dem Bärengehege hat eine Zoobesucherin am Samstag dieses Foto von dem Raubtier gemacht.

Fotos:
NOZ, David Ebener, apa

Kommentar:

Vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit

Wie managt man eine Krise? Ein Lehrstück im Umgang mit der Presse und der Öffentlichkeit nach einem Störfall″ hat in den vergangenen Tagen der Osnabrücker Zoo geliefert.

Nach einem öffentlichkeitsrelevanten Zwischenfall reagieren Unternehmen und öffentliche Institutionen höchst unterschiedlich. Nicht immer verläuft die Kommunikation vor allem mit der Presse und damit der Öffentlichkeit in geordneten Bahnen, vor allem aber ist das, was verkündet wird, oftmals von Wirklichkeit und Wahrheit weit entfernt.

Anders beim Ausbruch der Bärin Tips. Von Beginn an haben sich die Verantwortlichen auf dem Schölerberg für eine glasklare, offene und nachvollziehbare Linie im Umgang mit diesem für einen Zoo durchaus als schwerwiegend und möglicherweise auch imageschädigenden Ausbruch entschieden. An keiner Stelle haben sie den Verdacht aufkommen lassen, durch Vertuschen eigene Fehler verdecken oder den Zwischenfall herunterspielen zu wollen. Dazu gehört die minutiöse Schilderung des Tathergangs″, soweit er in dem jeweiligen Moment nachvollziehbar war, als auch die offen eingestandene Schwäche der Lautsprecherdurchsagen, die offensichtlich nicht überall gehört werden konnten. Das wurde ohne Zögern eingeräumt und eine schnellstmögliche Überarbeitung zugesagt. Und wenn der Zoo sagt, nun sämtliche Sicherheitsvorkehrungen auf den Prüfstand zu stellen und die Ergebnisse öffentlich machen zu wollen, so besteht kein Anlass, an dieser Aussage zu zweifeln.

Das Team rund um Geschäftsführer Andreas Busemann, Direktor Michael Böer und Sprecherin Hannah Rickert spielte jederzeit mit offenen Karten. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass der Zoo nur über einen kleinen Stab verfügt, der diese Herkulesaufgabe stemmen musste, und das auch noch an einem Wochenende, kann und muss die eine oder andere Verzögerung einfach verziehen werden. Umso unverständlicher sind die in den sozialen Netzwerken zu lesenden Kommentare, die in vielen Fällen von Häme bis hin zu Bösartigkeit, vor allem aber von kaum zu glaubender Unkenntnis geprägt sind. Das hat der Zoo nicht verdient. Die Verantwortlichen sollten sich daher an das Lob halten, das ihnen aus den Netzwerken ebenfalls entgegengebracht wird. Das haben sie sich redlich erarbeitet.
Autor:
Andrea Pärschke, Dietmar Kröger, ra, apa


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