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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Vehrter Metzger Clemens Wessel hört auf
Zwischenüberschrift:
Für seine Fleischerei und sein Fleischmobil auf dem Markt hat er keinen Nachfolger gefunden
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Jetzt brauche ich erst mal einen Schnaps.″ So reagierte ein Kunde auf die Ankündigung von Clemens Wessel, sein Fleischmobil auf den Osnabrücker Märkten aufzugeben. Am 30. März macht der Besitzer der Fleischerei Wessel in Belm-Vehrte Schluss sehr zum Bedauern seiner Kunden.

Belm/ Osnabrück. Ich hätte mein Wissen gerne weitergegeben″, sagt Clemens Wessel. Doch er hat vergeblich nach einem Nachfolger gesucht. Mit 70 Jahren muss man aufhören″, findet er. Auch wenn dieser Schritt dem Metzger schwerfällt.

Mehr als 50 Jahre lang ist Clemens Wessel Fleischer. Sein Vater hatte selbst in der Dodesheide eine Fleischverkaufsstelle. Seine Lehre begann Clemens Wessel im Alter von 14 Jahren aber in einer Metzgerei an der Knollstraße in Osnabrück. Von 6 bis 19 Uhr hat er gearbeitet. Für fünf D-Mark in der Woche″, erinnert er sich. Mit 16 Jahren konnte er alleine auf der Diele ein Schwein schlachten. Nach der Lehre bildete er sich weiter und bestand mit 21 Jahren die Meisterprüfung. Im Alter von 23 Jahren stieg er in den Laden seines Vaters ein und führte ihn mit seiner Frau neun Jahre lang weiter.

Doch die Konkurrenz durch die Supermärkte wurde zu groß. Deshalb übernahm der Metzger 1978 eine Geflügelschlachterei, die bereits ein Schlachtband hatte. Sechs Jahre lang schlachtete er dort Hühner und Hähnchen. 1978 begannen seine Frau und er außerdem, ihre Produkte auf dem Markt zu verkaufen. Das änderte sich auch nicht, als Wessel die Geflügelschlachterei aufgab und wieder Schweine und Rinder schlachtete. 1992 schließlich eröffnete er seine eigene Fleischerei in Vehrte am jetzigen Standort.

Wer den Weg vom lebenden Tier bis zur fertigen Wurst, die über die Ladentheke verkauft wird, selbst verfolgt, der habe auch einen Bezug zum Tier, erklärt Wessel. Für den 70-Jährigen ist das ein wichtiger Teil seiner Arbeit. Gerne hätte er seine Fleischerei an einen Nachfolger übergeben. Doch das Berufsbild hat sich verändert. Was Wessel alleine beherrscht, dafür gebe es heute im Grunde drei Berufe.

Wessels Arbeitstage sind lang, freie Tage gibt es kaum. Sonntags fährt er das Vieh zu seiner Schlachterei. Montagmorgens wird morgens ab 6 Uhr geschlachtet vier Schweine, fünf Lämmer und alle zwei Wochen ein Rind. Dienstags wird das Fleisch zerlegt. Mittwochs und donnerstags wird Wurst gemacht. Ungefähr 50 Sorten stellt er her, schätzt der Metzgermeister.

Freitags wird das Rind zerlegt. Samstags ist Markttag am Dom: Vom Beladen des Fleischmobils bis zum Saubermachen am Abend ist er von 3.30 Uhr bis 17.30 Uhr auf den Beinen. An den beiden anderen Markttagen, Dienstag in der Dodesheide und Donnerstag am Ledenhof, übernehmen seine Angestellten den Verkauf, dann fährt er nicht mit. Freitagnachmittags gibt es noch einen Hofverkauf. Seine Frau und seine Tochter unterstützen ihn im Verkauf, doch ohne weitere Mitarbeiter geht es nicht. Wessel ist froh, dass bis auf eine Aushilfe alle bereits eine neue Stelle gefunden haben. Als bekannt wurde, dass er schließt, waren seine Fleischereifachverkäuferinnen sehr gefragt. Wessel ist überzeugt, dass auch seine Aushilfe einen neuen Job findet. Sein Fleischmobil wird er verkaufen. Auch seinen Posten als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Osnabrücker Wochenmarktbeschicker gibt er nun auf.

So ganz kann Clemens Wessel allerdings nicht von seinem Handwerk lassen. Für einen Biobauern werde er noch weiter schlachten, sagt er und langweilig werde ihm sonst ebenfalls nicht. Denn auch wenn er bislang viel gearbeitet hat, hat er sich immer die Zeit für sein Hobby genommen: Er züchtet vom Aussterben bedrohte Haustierarten.

Die Tiere sterben aus, weil wir sie nicht essen″, erklärt er. Das klinge nach einem Widerspruch, sei aber keiner. In der Industrie würden Hochleistungstiere gebraucht: viel Eier, viel Fleisch, viel Milch. Rassen, die diese Leistung nicht bringen, werden nicht mehr gezüchtet und sterben so aus.

Der Hobbyzüchter ist Mitglied der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH). Wessel besitzt jeweils zwei verschiedene Puten- und Entenarten sowie jeweils eine Gänse- und Kaninchenrasse. Die Tiere seien zwar kleiner, bräuchten länger bis zur Schlachtreife und würden nie so schwer wie die Hochleistungstiere, aber sie hätten einen besonderen Geschmack, sagt der Experte. Für seine Tiere, aber vor allem für seine Familie will er in Zukunft mehr Zeit haben.

Weitere Berichte und Interviews aus Belm finden Sie im Ortsportal unter www.noz.de/ belm

Bildtext:
Clemens Wessel gibt sein Fleischmobil auf dem Wochenmarkt auf.

Foto:
Jörn Martens
Autor:
Nina Strakeljahn


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