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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bauernhof mit Kartoffel-Automat und Eiscafé
Zwischenüberschrift:
Landwirtschaftlicher Strukturwandel auch auf Göslings Hof in Osnabrück-Pye
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Landwirt Bernhard Gösling hat seinen Hofladen in Osnabrück-Pye geschlossen und verkauft Gala und Linda seit Kurzem aus einem Kartoffelautomaten.

Osnabrück. Belana, Gala, Regina, Rote Laura, Leyla und Linda die Damen machen sich gut in den Schaufenstern. Ihr Outfit darf als sackartig bezeichnet werden, was aber nicht ihrem Umfang geschuldet ist. Hinter den weiblichen Namen verstecken sich Kartoffelsorten, die erstmals im Osnabrücker Land im Automatenverkauf sind. Bernhard Gösling hat die Sorten zwar schon länger im Angebot. Der Landwirt aus Pye ist einer der Kartoffelbauern, die ihre Produkte im Direktvertrieb an die Verbraucher bringen. Auf Göslings Hof gab es nach der Herbsternte 2016 einen Schnitt. Der Hofladen wurde geschlossen. Damit die beliebten Kartoffelsorten dennoch ihren Weg zum Kunden finden, hat Gösling sich zum Automatenverkauf entschlossen. Nicht mehr dabei ist allerdings die Heideniere, die Kartoffel des Jahres 2015, die als Saatgut nicht mehr verfügbar ist. Kartoffelbauer Bernhard Göslings und sein Mitarbeiter Robin Kupp bedauern das: Das war eine Gourmetkartoffel″, schnalzt der junge Mann mit der Zunge.

Mit diesem Vermarktungssystem hat Gösling gute Erfahrungen gesammelt. 2015 eröffnete er seine Milchtankstelle, an der die Kunden Rohmilch von den Hofkühen selbst zapfen können. Kurz danach bot er ein Teilsortiment aus dem Hofladen in einem sogenannten Regiomaten an. Seither können Kunden regionale Produkte wie Säfte und Mineralwasser, Honig, Marmelade und Pumpernickel und auch Essig, Öl und Eier aus dem Automaten ziehen. Dieser Verkaufsautomat ähnelt stark den Spendern von Süßigkeiten, Snacks und Getränken in den Bahnhöfen. Die Waren sind zwar sehr verschieden, doch eines haben sie gemeinsam: Sie sind 24 Stunden geöffnet, und das an sieben Tagen. Das Angebot nutzen viele Kunden nach Ladenschluss und am Wochenende, hat Bernhard Gösling festgestellt.

Als Kartoffelbauer suchte er einen vergleichbaren Vertriebsweg für seine dollen Knollen, die vorher nur über den Tisch verkauft wurden. Es zeigte sich aber, dass der Verkauf auf Vertrauensbasis nicht perfekt funktionierte, weil wenige Kunden das System nicht verstanden. Sie fuhren vor, luden die bereitgestellten Kartoffelsäckchen ein und vergaßen zu bezahlen. Der Kartoffelautomat mit 32 Fächern, in denen gleichbleibend eine Temperatur von 5 Grad herrscht, lässt sich nicht überlisten: Erst das Geld, dann die Ware, ist die Devise, denn die investierten 9000 Euro müssen ja wieder eingespielt werden. Der Verkaufsstand mit Milchtankstelle, Regiomat und Kartoffelautomat ersetzt nun den Hofladen bei Göslings. Die Entscheidung fiel Bernhard und Dagmar Gösling schwer, doch den rückläufigen Kundenzahlen wollten sie nicht tatenlos zusehen. Viele ältere Stammkunden blieben aus, weil sie dem Alter Tribut zollen müssen. Viele werden nun von Kindern oder Enkel mit Lebensmittel versorgt. Und die kommen immer häufiger aus dem Supermarkt, weil′s schneller geht und weil die Lebensmittelketten selbst die Regionalität als Verkaufsargument entdeckt haben.

Hinzu kommt, dass sich auch das Essverhalten besonders bei jungen Familien verändert hat. Kartoffeln zu schälen dauert länger als Pommes und Puffer aus dem Supermarkt mitzunehmen. Auch Fertiggerichte spielen bei dieser Veränderung eine Rolle. Für Bernhard und Dagmar Gösling ist es keine Frage, warum sich heutzutage viele Paare für eine teure Küche entscheiden: Küchen sind zum Statussymbol geworden, egal ob darin und wie viel gekocht wird.″ Zurzeit gibt es auf dem Pyer Hof, ganz in der Nähe der Wander- und Radwege etwa entlang des Stichkanals zwei Zukunftsbaustellen. Der alte Hofladen wird herausgeputzt und umgebaut zu einem Eiscafé mit etwa 45 Plätzen. Es entsteht eine kleine, feine Konditorei, in der demnächst hofeigener Kuchen gebacken und Bauernhof-Eis angerührt wird. Milcheis natürlich, denn der Rohstoff wird ja nur wenige Schritte nebenan von 100 Milchkühen produziert. Erdbeeren, Blau- und Himbeeren, die den Fruchtgeschmack liefern werden, kommen aus der Region, auf künstliche Zusatzstoffe wird verzichtet, verspricht Dagmar Gösling.

Der Start in die Eissaison klappt vermutlich zwar erst im Juli, doch für Göslings ist es auch ein Start in die Erweiterung ihrer Erwerbsmöglichkeiten. Wir Landwirte hatten ein schweres Jahr mit der Milchkrise und haben leider keine Lobby″, sagt Bernhard Gösling: Für uns geht es darum, wie wir uns zukunftsträchtig aufstellen können.″

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Serie Mit Stallgeruch

Bildtext:
Bernhard Gösling und Robin Kupp demonstrieren, wie einfach Kartoffelkauf per Automat funktioniert.

Foto:
Harald Preuin
Autor:
Harald Preuin


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