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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wie im Mittelalter
Zwischenüberschrift:
Zweiter „Osnabrücker Umschlag″ lockt viele Besucher zur Halle Gartlage
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der zweite Osnabrücker Umschlag″ hat am Wochenende wieder zahlreiche Besucher zur Halle Gartlage gelockt. Am Samstag und Sonntag erwachte das Mittelalter dort zu neuem Leben mit Schwertkampf, Gauklern und einem großen, zeitgenössischen Markt.

Osnabrück. Bei Veranstaltungen dieser Art macht die Hingabe der Mittelalter-Fans immer einen großen Teil des Reizes aus. Viele werfen sich stilecht in Schale, um über die Märkte zu flanieren, zwischen Gauklerinnen, Metverkäufern und Musikanten. Der Osnabrücker Umschlag war da keine Ausnahme, wie man sofort sah: Unsere Klamotten sind detailgetreu nachgeschneidert und bestehen aus authentischen Stoffen″, sagte ein Krieger in Fellkleidung mit Klinge am Gürtel.

Der Krieger heißt eigentlich Achim Gottwald, aber dieses Wochenende war er unterwegs als Thorkell″, und zwar zusammen mit seinen Mitstreitern von der Gruppe Sax Notus (Berüchtigte Sachsen). Diese besteht aus neun Mitgliedern, und ihr Spezialgebiet ist die Hochphase der Sachsenkriege gegen die Christianisierung durch Karl den Großen.

Ihre Künstlernamen waren in dieser Ära verbreitet in unserer Region: Achim Gottwald ist Thorkell, Wolfgang Hochheim wird zu Gangolf, Sonja Weise zu Ingfridr (gesprochen Ingfrida″). Sie verbindet das historische Interesse und die Begeisterung für Kleidung, Waffen, Sagenwelt, Religion der Sachsen. Ihre Vorliebe führt die Osnabrücker von Sax Notus zu Mittelaltermärkten in ganz Deutschland. Das ist einfach eine Leidenschaft″, erklärte Gangolf alias Wolfgang.

Aber auch die härtesten Mittelalter-Fans können bei den Profis nicht mithalten, was die Anzahl der besuchten Spektakel angeht. Wir spielen das ganze Jahr über jedes Wochenende, in ganz Deutschland, teilweise auch in Frankreich″, sagte Jongleur Fin de Filou von der Gauklertruppe Luscinia Obscura, offiziell zuständig für Gaukeley, Tanz und Musica″. Während einer Pause übte er hinter den Kulissen Jonglieren mit Bällen und Hut. Eben noch hatte er auf der Bühne eine Marionette gespielt, die zum Leben erwacht zu den Flötenklängen seiner Gefährtin, der Roten Füchsin.

Luscinia Obscura war eine von mehreren reisenden Künstlergruppen vor Ort: Im Außenbereich der Halle Gartlage war das eindrucksvolle Klanggerät der Dudelzwerge″ aufgebaut; im Inneren spielten De Truwanten″ aus Holland auf mittelalterlichen Instrumenten. Ich spiele ein Dulzian″, erläuterte Musiker Sjoerd, das ist der Vorläufer des heutigen Fagotts.″ Die Lieder der Truwanten begeisterten ein breites Publikum, das selbst bunt gemischt war: Normale″ trafen auf Mittelalter-Fans, Gothics auf Steampunks, und Kinder kamen genauso auf ihre Kosten wie Erwachsene.

Der Verein Schwertkampf Osnabrück war mit eigenem Stand vertreten. Mitglied Daniel Suarez gab dort Auskunft über historische, europäische Kampfkünste. Wir veranstalten keine Showeinlagen, wir leisten eher Quellenarbeit und gucken, wie früher tatsächlich gekämpft wurde.″ So erfuhren die Besucher beispielsweise, dass Duelle einst zwar häufig mit stumpfen Schwertern geführt wurden, aber auch solche Kämpfe leicht tödlich ausgehen konnten.

Beim Osnabrücker Umschlag″ wurde vieles von dem angeboten, was bereits zu Zeiten der Reformation hierzulande gehandelt wurde bei den Markttagen: Kleidung, Stoffe, Borten, Felle, Wolle, Hüte und Mützen, Schmuck, Haushaltgegenstände aus Metall, Holz oder Keramik, Kosmetik wie Düfte und Seifen, Spielwaren, Werkzeuge, selbst Ritterrüstungen und deren Zubehör gingen über die Ladentische.

Alles und noch mehr

Das Sortiment gleicht einem Gemischtwarenhaus″, sagte Marktvogt Thomas Zierfuß von der Veranstaltungsagentur Sündenfrei (Torgau). „ Hier wird fast alles angeboten, was unsere Vorfahren einst gebraucht haben und ein bisschen mehr.″ Mit den Epochen nehme man es beim Umschlag nicht so genau, schließlich sei die Szene riesig und reiche von der Wikingerzeit bis ins späte Barock. Schwerpunkt war aber die Zeit zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert.

Bildergalerie
auf www.noz.de

Bildtexte:
Luscinia Obscura: Zu den Flötenklängen der Roten Füchsin erwachte eine Marionette namens Fin de Filou und entledigte sich der lästigen Fäden.

Stilecht verkleidet, verwandelten Besucher und Aussteller die Halle Gartlage in einen mittelalterlichen Umschlagplatz.

Fotos:
David Ebener
Autor:
Markus Strothmann


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