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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Niedersachsen zahlen mehr für Strom
Zwischenüberschrift:
Netzentgelte im Norden teils doppelt so hoch wie in Süd- oder Westdeutschland
Artikel:
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Originaltext:
Stromkunden in Niedersachsen zahlen weit höhere Netzentgelte als in Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg. Dabei berappen sie dafür, dass die Leitungen zu den Industrieregionen im Süden ertüchtigt werden.

Hannover. Auseinanderdriftende Netzentgelte benachteiligen Niedersachsen im bundesweiten Vergleich. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Martin Bäumer hervor. Demnach berechnet der für Niedersachsen zuständige Netzbetreiber Tennet seinen Kunden teils doppelt so hohe Preise wie die Anbieter in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg . Tennet begründet den Preisanstieg mit den Folgekosten der Energiewende und dem schleppenden Ausbau der Netze. Da die regionalen Netzentgelte in den jeweiligen Strompreis einfließen, müssen sich Kunden auf höhere Preise einstellen.

Für den ganzjährigen Bezug eines Kilowatts in Höchstspannung fallen demnach bei Tennet aktuell mehr als 120 Euro an. Damit hat sich der Preis im Vergleich zu 2016 etwa verdoppelt. Zum Vergleich: Bei Amprion in Nordrhein-Westfalen liegt der Preis bei 60 Euro. Zwar hatten Ministerpräsident Stephan Weil und Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies im Dezember und Januar beim damaligen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (alle SPD) auf bundesweite Vereinheitlichung gedrängt. Doch das Bundeskabinett verabschiedete am 25. Januar einen Gesetzentwurf, aus dem diese herausgestrichen war.

Mit einem Versorgungsgebiet von Schleswig-Holstein bis nach Bayern fallen Tennet in Sachen Energiewende große Aufgaben zu: Ein Großteil der geplanten Südlink-Trasse, die Windstrom aus Norddeutschland in den Süden transportieren soll, soll auf dem Gebiet des Betreibers errichtet werden. Zudem seien im Tennet-Netz 2015 etwa 70Prozent der bundesweiten Kosten für Netzstabilisierung angefallen obwohl der Stromabsatz nur 31 Prozent betrug, rechnet Bäumer vor. Ein Drei-Personen-Haushalt zahlt Bäumer zufolge 20 Euro im Jahr zu viel.

Das sieht auch Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel so: Es ist nicht zu akzeptieren, dass die Kosten gerade in den Vorreiterländern für die erneuerbaren Energien besonders hoch sein sollen″, sagt der Grünen-Politiker.

Energiewende im Blick: Mehr unter noz.de / energie

Bildtext:
Der Strom muss fließen nicht zuletzt von den Ökoenergie-Regionen im Norden in die Industriezentren im Süden. Das hat Folgen für die Kunden.

Foto:
dpa

Kommentar:

Die Ursachen liegen im Süden

Das Energiewende-Land Niedersachsen hat in Berlin offenbar keinen guten Stand: Zuerst bremst der Bund im vergangenen Sommer den Ausbau der Offshore-Windkraft an der Nordsee mit der EEG-Reform aus, dann streicht er eine bundesweite Angleichung der Netzentgelte aus dem entsprechenden Gesetzentwurf.

Damit werden die windreichen Regionen Norddeutschlands gleich doppelt für ihr schnelles Handeln im Sinne der politisch beschlossenen und gesellschaftlich gewollten Energiewende bestraft. Ausgerechnet dort, wo man dem Ausbau der Windkraft keine Steine in den Weg legte, sollen die Menschen nun weitere Opfer bringen.

Dabei liegen die Gründe sowohl für die Ausbaubegrenzung als auch für den Preisschub bei den Netzentgelten weiter südlich: Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg wehrte und wehrt sich die Politik gegen den Bau von Windrädern und Energiespeichern. Und Bayern sträubte sich gegen den Bau bezahlbarer Überlandleitungen, die den Windstrom von der Küste zu den industriellen Verbrauchern im Freistaat bringen könnten. Mangels Transport- und Speicherkapazitäten verengte sich der Flaschenhals zwischen Produzenten und Abnehmern immer weiter. Dass nun die Norddeutschen die Zeche für süddeutsche Dickköpfigkeit zahlen müssen, ist schlicht grotesk.
Autor:
Klaus Wieschemeyer


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