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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Politiker-Streit über neue Straßennamen
 
Frauen vor bei neuen Straßennamen?
Zwischenüberschrift:
Keine Einigung im Kulturausschuss über Vorschlagsliste
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Nach welchen Kriterien werden Osnabrücks Straßen benannt? Der Kulturausschuss stritt jetzt über die Bevorzugung von Frauen- oder Männernamen. Dabei ging es noch nicht einmal um konkrete Straßen, sondern nur um den grundsätzlichen Umgang mit den Namen. FDP und CDU/ BOP hatten beantragt, dem 2011 verstorbenen Alt-Oberbürgermeister Carl Möller und dem 2011 verstorbenen Osnabrücker Hochschulprofessor Hans-Albrecht Dicke eine höhere Priorität zu geben. SPD und Grüne konterten mit zwei Frauen, die schon seit 1999 auf der Liste stehen: der ehemaligen Landtagsabgeordneten und Ratsfrau Alwine Wellmann und der deutschen Pädagogin Anna Siemsen. Bei weniger als zehn Prozent der nach Personen benannten Osnabrücker Straßen stehen Frauen Pate.

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Nach welchen Kriterien werden Osnabrücks Straßen benannt? Seit etlichen Jahren gibt es eine Vorschlagsliste mit rund 20 Namen und außerdem einen alten Grundsatzbeschluss, die Namen von Frauen zu bevorzugen, da sie auf Straßenschildern klar unterrepräsentiert sind. Doch die Praxis sieht oft anders aus.

Osnabrück. Wie sich über Straßennamen streiten lässt, demonstrierten die Osnabrücker Ratsfraktionen in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses und dabei ging es noch nicht einmal um konkrete Straßen, sondern nur um den grundsätzlichen Umgang mit Frauen und Männern, die schon auf der Liste stehen. Auf diese Liste setzt der Kulturausschuss regelmäßig Vorschläge, die von Parteien, Kirchen, Bürgervereinen oder Privatleuten in der Stadtverwaltung eingehen.

CDU/ BOB und FDP hatten jetzt beantragt, dem 2011 verstorbenen Landespolitiker und Alt-Oberbürgermeister Carl Möller und dem ebenfalls 2011 verstorbenen Osnabrücker Hochschulprofessor Hans-Albrecht Dicke eine höhere Priorität zu geben. SPD und Grüne konterten mit zwei Frauen, die schon seit 1999 auf der Liste stehen: der ehemaligen Landtagsabgeordneten und Ratsfrau Alwine Wellmann und der deutschen Pädagogin Anna Siemsen. Bei weniger als zehn Prozent der nach Personen benannten Osnabrücker Straßen stehen Frauen Pate, betonen sie in ihrem Änderungsantrag.

2006 hatte der Kulturausschuss beschlossen, Frauen deshalb bevorzugt zu behandeln, wenn Straßen benannt werden. Und schon 1999 hatte der Rat vorgegeben: Frauen, Mösermedaillengewinner und friedenspolitisch bedeutsame Personen sollten Vorrang bekommen. Und jetzt? Einigen konnten sich die Parteivertreter im Kulturausschuss nicht. Sie vertagten eine Beschlussfassung.

Über Vorschläge streiten ist das eine sie umsetzen das andere. Werden im Stadtgebiet neue Straßen gebaut, heißt das noch lange nicht, dass die Vorschlagsliste zum Tragen kommt. Der zuständige Fachdienst Geodaten und Verkehrsanlagen überlegt in solchen Fällen, was inhaltlich passen würde, und greift auch mal auf alte Flurbezeichnungen oder auf Flora und Fauna zurück. Es gibt diverse Vogel- und Blumensiedlungen im Stadtgebiet, und im Stadtteil Eversburg sind 1975 drei Straßen sogar nach alten Osnabrücker Backwaren benannt worden: Dort wohnt man Zum Piepenkerl, Zum Stutenkerl oder Zum Klaskerl.

Beim neuen Landwehrviertel, das zurzeit erschlossen wird, wurde die Vorschlagsliste links liegen gelassen. Der Kulturausschuss entschied sich im vergangenen Jahr für Namen wie Quebecallee oder Bristolring, die an die bis 2008 dort stationierte britische Rheinarmee erinnern.

Manchmal kann es aber auch schnell gehen: 2014 setzte der Kulturausschuss den 2013 verstorbenen Nelson Mandela auf die Vorschlagsliste zwei Jahre später wurde der Platz vor der neuen Hochschulbibliothek nach ihm benannt. Demnächst stehen etliche weitere Namensfindungen an, etwa am Limberg, aber auch bei der Umbenennung von drei Straßen, die an Männer mit NS-Vergangenheit erinnern.

Oxenstierna-Straße?

Der Ladenhüter auf der Vorschlagsliste heißt übrigens Johan Oxenstierna. Seit 1995 wartet der schwedische Gesandte aus der Zeit des Westfälischen Friedens im 17. Jahrhundert darauf, dass eine Osnabrücker Straße nach ihm benannt wird. Aber ob der Rat es den Anwohnern wohl jemals zumuten wird, jedes Mal ihren Straßennamen zu buchstabieren, wenn sie nach ihrer Adresse gefragt werden?

Welche Namen schlagen Sie vor? Wir sammeln Vorschläge: noz.de

Bildtext:
Osnabrücker Namensstreit: Der Kulturausschuss ist sich nicht einig, wem die Ehre zukommen soll, Namenspatron einer Straße zu sein. Dieses Schild ist nur ein virtueller Spaß.

Fotomontage:
Stefan Langer

Kommentar:

Der Wunsch nach Perfektion

Was ist eine Vorschlagsliste wert, wenn sie kaum berücksichtigt wird? Und was ein alter Grundsatzbeschluss, die in Osnabrück unterrepräsentierten Frauennamen künftig zu bevorzugen, wenn Gruppen und Fraktionen wie jetzt CDU/ BOB und FDP wieder zwei Herren vorziehen wollen? Natürlich haben Carl Möller und Hans-Albrecht Dicke es verdient, als Namenspatrone für Straßen und Plätze geehrt zu werden das gilt für die übrigen Vorschläge auf der Liste aber genauso, sonst stünden sie ja nicht drauf.

Es ist der Wunsch nach Perfektion, der die politischen Diskussionen über Straßennamen befeuert: Neue Straßennamen sollen möglichst einen Ortsbezug haben, ein Friedensbezug wäre auch schön, sie dürfen nicht zu lang sein für die Schilder und so weiter.

Über diesen Perfektionismus könnte man sich lustig machen und sehnsüchtig nach New York und Mannheim blicken: Da sind die Straßen einfach durchnummeriert.

Aber Osnabrück ist nun mal nicht New York. Und wie wichtig Debatten über Benennungen sind, zeigt aktuell das Beispiel der drei Straßennamen im Stadtgebiet mit NS-Vergangenheit, die in diesem Jahr endlich geändert werden sollen.

Die Namensgebung muss also immer gut durchdacht sein absolut überflüssig aber ist eine erneute Männer-versus-Frauennamen-Debatte.
Autor:
sdo


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