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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Modellversuch Tempo 30 auch in Osnabrück?
 
Tempo-30-Versuch: Osnabrück will dabei sein
Zwischenüberschrift:
Land fördert Pilotprojekt mit wissenschaftlicher Begleitung für belastete Straßenabschnitte
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Stadt Osnabrück will dabei sein, wenn das Land Niedersachsen einen Modellversuch für Tempo 30 auf Hauptstraßen startet. Im Rat zeichnet sich eine knappe Mehrheit für die Teilnahme ab. An belasteten Straßenabschnitten soll untersucht werden, ob sich Lärm und Schadstoffe bei niedrigerer Geschwindigkeit reduzieren lassen. In Osnabrück will die sogenannte Regenbogen-Fraktion die Bewerbung mittragen, obwohl auch Vorbehalte zum Ausdruck kommen. CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde hält den Versuch dagegen für Geldverschwendung.

Soll sich die Stadt Osnabrück am Modellversuch für Tempo 30 beteiligen, den das Land Niedersachsen angekündigt hat? Im Rat deutet sich eine Mehrheit dafür an.

Osnabrück. 700 000 Euro will die Landesregierung bereitstellen, um an ausgewählten Straßenabschnitten die Wirkung von Tempo 30 auf die Lärm- und Schadstoffbelastung zu untersuchen. Der Modellversuch ist auf drei Jahre befristet und soll wissenschaftlich begleitet werden.

Im Osnabrücker Rat hat der Landtagsabgeordnete Volker Bajus von den Grünen schon seine Kontakte genutzt, um eine Mehrheit für das Tempo-30-Projekt zu organisieren. Von der sogenannten Regenbogen-Fraktion, die sich für einen autofreien Neumarkt ausspricht, kann er mit Unterstützung rechnen.

Tempo 30 auf dem südwestlichen Wallring und einigen Haupteinfallstraßen war schon mehrfach ein Thema im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Bislang ging es vor allem um Lärmminderung. Vor allem die Anwohner des Johannistorwalls und des Schlosswalls leiden an der Geräuschkulisse des Straßenverkehrs. Mit einem offenporigen Flüsterasphalt wollte die Stadt den Lärmpegel um einige Dezibel senken nahm aber aus Kostengründen Abstand von diesem Vorhaben.

Vor einem Jahr flammte die Diskussion noch einmal auf. Im Zusammenhang mit dem Lärmaktionsplan erwogen die Verkehrsplaner, für besonders laute Straßenabschnitte wie die Martinistraße, Teile der Sutthauser Straße und der Rheiner Landstraße das 30-km/ h-Limit festzuschreiben. Das Gegenargument lieferten sie gleich mit: fehlende Akzeptanz bei den Autofahrern. Nur die wenigsten würden sich an das Tempolimit halten, lautete die Prognose es sei denn, die Stadt stelle gleichzeitig Radarkontrollen auf.

Lediglich auf einem kurzen Abschnitt der Johannisstraße und am Nonnenpfad wurde aus Lärmschutzgründen Tempo 30 verordnet. Falls Osnabrück am Dreijahresversuch teilnimmt, steht zwar noch nicht fest, welche Straßen dafür ausgewählt werden alles deutet aber auf entsprechende Abschnitte des Walls″ hin.

Schon jetzt lässt sich absehen, dass die CDU dagegen stimmen wird: Nach meiner Auffassung sollte Osnabrück sich nicht bewerben″, sagt Fraktionschef Fritz Brickwedde. In Osnabrück gelte Tempo 30 bereits überall dort, wo es die Verkehrssicherheit gebiete, etwa vor Schulen und Kindergärten. Aus anderen Städten sei aber bekannt, dass die niedrigere Geschwindigkeit bei der Reduzierung der Stickoxide eher kontraproduktiv wirke. Ziel müsse es sein, den Verkehr flüssig zu halten und die Autoabgase wirksamer von Schadstoffen zu befreien.

Weniger kategorisch sind die Bedenken von Ralph Lübbe (Bund Osnabrücker Bürger). Auch er verweist auf Untersuchungen, nach denen durch Tempo 30 die Belastung der Luft noch zunehmen werde. Persönlich″ habe er aber nichts gegen einen Modellversuch, wenn die Kosten im Rahmen blieben.

Von der SPD-Fraktion kommt volle Rückendeckung für das Pilotprojekt. Im Interesse der Anwohner sei das geboten, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Henning. Tempo 30 an ausgewählten neuralgischen Punkten″ sei keine Schikane, sondern ein möglicher Weg, Lärm und Schadstoffe zu reduzieren. Es gebe widersprüchliche Aussagen über die Wirkung von Tempo 30, gibt Volker Bajus von den Grünen zu bedenken. Der Modellversuch ziele darauf ab, den Verkehr zu verflüssigen und die Belastungen zu senken. Wenn das nicht gelinge, sei Tempo 30 nicht das richtige Mittel.

Unterstützung signalisiert auch FDP-Fraktionschef Thomas Thiele, obwohl er skeptisch ist. Er favorisiert eher eine adaptive Ampelschaltung für eine grüne Welle″, hofft aber auf die wissenschaftliche Begleitung. Wenn man es nicht ausprobiert, kriegt man keine Ergebnisse″, meint auch Wulf-Siegmar Mierke für die Gruppe UWG/ Piraten. So ein Projekt sei längst überfällig. Das sieht die Linke-Fraktionsvorsitzende Giesela Brandes Steggewentz ähnlich. Sie glaubt zudem, dass Tempo 30 einige Wall-Abschnitte vom Durchgangsverkehr entlasten könnte.

Zankapfel Verkehrsplanung: Hintergründe und Analysen lesen Sie im Internet auf noz.de

Bildtext:
Tempo 30 soll Anwohner vom Lärm entlasten, aber auch von den Schadstoffen. Auf einem kurzen Abschnitt der Johannisstraße hat die Stadt es ausprobiert.

Foto:
Jörn Martens

Kommentar:

Geblitzt

Es kostet nicht viel, ein Schild aufzustellen. Aber es bringt auch wenig, solange nicht kontrolliert wird. Tempo 30 und Radarfallen gehört das zusammen? Nicht wenige Politiker haben Angst, dass sich die Stadt den Vorwurf der Abzocke″ einhandeln könnte. Wer für den Tempo-30-Versuch eintritt, sollte also eine gewisse Konfliktbereitschaft mitbringen.

Lärm macht krank, Luftschadstoffe auch. Leute, die es schick finden, mit Sportauspuff und hohen Drehzahlen auf sich aufmerksam zu machen, gehören auf die Couch und nicht auf die Straße.

Dabei kann jeder, der mit seinem motorisierten Untersatz unterwegs ist, einiges dafür tun, dass Anwohner weniger belastet werden. Im großen Gang bleiben und auf den Sprint zwischen zwei Ampeln verzichten, das bringt schon was. Wer so fährt, kommt auch mit Tempo 30 klar. Die anderen fordern es heraus, dass sie geblitzt werden.
Autor:
rll


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