User Online: 1 | Timeout: 10:38Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zieht der Jahrmarkt in die Innenstadt um?
Zwischenüberschrift:
Schausteller warnt: Volksfest droht jämmerlich zu sterben – SPD wirft Griesert Untätigkeit vor
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Schausteller Otto Cornelius macht sich mit einem flammenden Appell für einen Umzug des Jahrmarktes von der Gartlage in die Innenstadt stark und bekommt Rückendeckung von der SPD-Fraktion. Die wirft OB Griesert (CDU) vor, das Thema zu verschlafen″.

Osnabrück. Cornelius, ehemals Vorsitzender des Schaustellerverbandes Weser-Ems, bittet Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU), sich für einen Umzug der Kirmes von der Gartlage ins Herz der Stadt einzusetzen. Cornelius will keine Zeit verlieren: Schon im kommenden Jahr solle der Frühjahrsjahrmarkt in der Innenstadt gefeiert werden. Die wirtschaftliche Lage, so klingt es zwischen den Zeilen des Briefes durch, zwingt zum Handeln.

Der Platz an der Halle Gartlage sei über Jahre vernachlässigt und nur notdürftig hergerichtet worden, schreibt Cornelius an den Oberbürgermeister. Mit großer Wehmut habe ich die letzten Jahre die Entwicklung an der Halle Gartlage beobachtet, und ich will nicht länger nur zusehen, wie eines der schönsten Feste und zugleich eines der schönsten Kulturveranstaltungen Osnabrücks ganz langsam und jämmerlich stirbt, nur weil es an einem falschen Ort stattfindet.″

In anderen Städten

Cornelius zeigt unter anderem auf die Großkirmes in Ibbenbüren, die an vier Tagen über 200 000 Besucher in die Innenstadt locke. Als krassestes Beispiel″ führt der Schausteller Brockum auf. Das 1100-Seelen-Dorf bei Lemförde zählt ebenfalls Jahr für Jahr 200 000 Besucher auf seinem viertägigen Markt, der meist parallel zum Osnabrücker Herbstjahrmarkt stattfindet. In Lingen, Meppen und Nordhorn seien in zentraler Lage Festplätze geschaffen worden, die in veranstaltungsfreien Zeiten als Parkplätze genutzt werden – „ ein Riesengewinn für den Einzelhandel in diesen Städten″, meint Cornelius.

Cornelius zeigt Verständnis für die Entscheidung der Stadt, angesichts der angespannten Finanzlage Investitionen in den Platz an der Gartlage zu verschieben. Für mich und meine Kollegen ist allerdings aus wirtschaftlichen Gründen wichtig, unsere Produkte und Angebote in einem angemessenen Ambiente darzubieten″, so Cornelius. Ideal″ wären dafür der Marktplatz, Domvorplatz, Theatervorplatz, Nikolaiort die Kleine und Große Domsfreiheit, aber auch der Neumarkt vom Neuen Graben bis zum Berliner Platz. Alles Orte, so Cornelius, die sich schnell ins Bewusstsein der Bevölkerung in der Region als Standorte für Volksfeste″ einprägen würden. Der Platz würde reichen, um alle auf dem Jahrmarkt heute vorhandenen Fahrgeschäfte unterzubringen, versichert Cornelius.

Schützenhilfe bekommt der Schausteller von der SPD-Fraktion, die in einer Mitteilung an einen fast genau vier Jahre alten Ratsbeschluss erinnert. Am 5. März 2013 beauftragte der Rat die Verwaltung, in Zusammenarbeit mit der Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH (OMT) ein Konzept für einen innenstadtnäheren″ Jahrmarkt zu entwickeln und zugleich zu prüfen, ob der jetzige Standortort in der Gartlage aufgewertet werden kann.

Geschehen ist bisher nichts″, beklagt SPD-Fraktionschef Frank Henning. Wenn man sich vorstellt, welches Anziehungspotenzial solch eine Veranstaltung für Osnabrück hätte, fragt man sich ernsthaft, warum die Stadtverwaltung und ihr Oberbürgermeister dieses Thema seit Jahren verschlafen″, so Henning.

Auf Eis gelegt

Den Vorwurf der Untätigkeit weisen Stadtsprecher Sven Jürgensen und OMT-Sprecherin Beate Krämer zurück. Eine Arbeitsgruppe habe 2013 und 2014 mögliche Flächen in der Stadt untersucht. Es ist aber nicht so einfach, 30 000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche einfach mal so zu verlegen″, sagte Jürgensen. Auf Wunsch des Schaustellerverbandes sei das Thema 2014 auf Eis gelegt worden.

Bernhard Kracke, Vorsitzender des Schaustellerverbandes, liegt inhaltlich mit seinem Kollegen Cornelius auf einer Linie, sieht aber durchaus die Probleme dieser Mammutaufgabe″. Der einzige Ort, der für eine Großkirmes infrage käme, wäre der Abschnitt von der Osnabrück-Halle über den Neumarkt bis zum Berliner Platz. Das habe sich in den Gesprächen zwischen Schaustellern, Stadt und Stadtmarketing herauskristallisiert. Das größte Problem sei der Nahverkehr, der während eines zehntägigen Jahrmarktes seiner zentralen Drehscheibe beraubt wäre. Auch die Feuerwehrzufahrt und die Erreichbarkeit der Parkhäuser seien schwierig zu gewährleisten. Deshalb habe der Schaustellerverband vorgeschlagen, das Thema auf Eis zu legen, bis die Zukunft des Neumarktes geklärt ist.

Eine Innenstadtkirmes wäre eine Verbesserung um drei bis vier Klassen″, meint Kracke, aber man muss Realist sein.″ Einen kleineren oder verkürzten Jahrmarkt kann er sich eigentlich nicht″ vorstellen. Das Osnabrücker Publikum sei die spektakulären Fahrgeschäfte und jährlich neuen Attraktionen gewohnt. Dahinter zurückzugehen würde dem Image schaden und wäre ein zu großes Risiko.

Der Verwaltungsausschuss, das höchste Gremium nach dem Rat, wird sich in der Sitzung an diesem Dienstag mit dem Thema befassen.

Volksfest in der City: Zehn Tage Jahrmarkt auf dem Neumarkt. Diskutieren Sie mit: noz.de

Bildtext:
Jahrmarkt an der Halle Gartlage. Wäre eine Verlagerung des Volksfestes in die Stadtmitte möglich? Der Frühjahrsjahrmarkt fand vom 31. März bis 9. April statt. Im kommenden Jahr sollte er schon in der City gefeiert werden, meint Schausteller Otto Cornelius.

Foto:
Michael Gründel

Kommentar:

Jedes Wort schädigt den Jahrmarkt

Das Siechtum des einst schillernden Großereignisses in der Gartlage ist seit Jahren unübersehbar. Die Ursache mag zu einem Teil dem Zeitgeist geschuldet sein, der sich von Spektakeln dieser traditionellen Art immer weiter entfernt. Sie liegt zu einem großen Teil aber auch in diesem Ort und seinem Hinterhof-Ambiente. Es muss etwas passieren.

Der Schaustellerverband sieht den Handlungsbedarf, steckt aber in einem Dilemma. Je mehr über einen Umzug in die City geredet wird, umso größer der Schaden für das Image des Volksfestes. Jedes öffentliche Wort über die Notwendigkeit einer Jahrmarkt-Renovierung treibt die Negativspirale um eine Drehung weiter. Vielleicht hat die SPD auch daraus den falschen Schluss gezogen, die Verwaltung sei untätig gewesen.

Nun darf die Diskussion über eine Innenstadt-Kirmes nicht endlos weitergehen. Es bedarf eines Zeitplans, der so aussehen könnte: Sobald die Zukunft des Neumarkts in Gestalt und Funktion geklärt ist, sollten sich die Jahrmarkt-Beteiligten zu einer grundsätzlichen Entscheidung durchringen und dann alle Energie auf
die Umsetzung konzen-trieren. Das kann die Verlagerung in die Innenstadt sein oder die Aufwertung des Platzes an der Gart-
lage.
Autor:
Wilfried Hinrichs


Anfang der Liste Ende der Liste