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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Streit über Fahrpreise im „Nettedrom″
Zwischenüberschrift:
E-Kart-Fahren ein viel zu teurer Spaß? – Stadtwerke weisen Vorwürfe zurück
Artikel:
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Originaltext:
Die neue Elektrokart-Bahn am Nettebad hat noch nicht eröffnet, da tobt in Osnabrück bereits ein Streit über die Fahrpreise. Viele finden sie zu hoch. Die Stadtwerke als Betreiber des Nettedroms″ halten sie dagegen für marktüblich.

Osnabrück. Eine zehnminütige Einzelfahrt auf der Osnabrücker E-Kart-Bahn Nettedrom, die am 19. März offiziell den Betrieb aufnimmt, soll regulär 13, 50 Euro kosten. Ermäßigt sind 10 Euro fällig. Verbilligte Tickets sind allerdings Kindern zwischen 8 und 14 Jahren vorbehalten und die Fahrtzeit ist mit acht Minuten auch etwas kürzer.

Viele Interessierte halten diese Preise für überzogen, sogar für unverschämt″ und verrückt″. Auf der Facebook-Seite von noz.de, wo unsere Berichterstattung über die geplanten Nettedrom″-Tarife seit Montag hohe Wellen schlägt, machen Nutzer ihrem Ärger in Hunderten Kommentaren Luft. Von Luxus″-Vergnügen ist die Rede, von einem exklusiven Angebot für Eltern mit dickem Geldbeutel″. Die meiste öffentliche Zustimmung findet in der Diskussion ein Teilnehmer, der folgende Rechnung aufmacht: Ein Trip mit zwei Kindern kann ganz schnell um die 100 Euro kosten.″

Die Stadtwerke Osnabrück weisen Kritik an ihrer Preisfindung zurück. Der E-Kart-Spaß im Nettedrom″ sei nicht unbedingt teurer als bei vergleichbaren Anlagen, stellte das kommunale Unternehmen am Dienstag bei der Vorstellung der Bäderbilanz 2016 fest. Als Beleg führte es die Tarife von anderen Kartbahn-Betreibern an.

So würden beispielsweise zehnminütige Einzelfahrten für Erwachsene auf der Kartbahn Alfsee regulär 12 bzw. 15 Euro kosten. Der Motorpark am Wiehen (Preußisch Oldendorf) verlange 15 Euro. Und die Outdoor-Kartbahn Kirchlengern sei mit einem Fahrpreis von 15 Euro sogar teurer als das Nettedrom″. Nicht zu scheuen brauche Osnabrück nach Ansicht der Stadtwerke auch den Vergleich speziell von Elektrokart-Bahnen: Im Sensadrom″ Sindelfingen würden 17, 50 Euro fällig, auf der E-Kart-Bahn Würzburg 14 Euro. Nur das Ecodrom″ Ulm sei mit 11 Euro preiswerter als das Nettedrom″.

Ich bin sicher, dass wir mit unserer E-Kart-Bahn einen wirtschaftlichen Erfolg landen″, sagt der neue Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Osnabrück, Christoph Hüls. Der sei auch nötig, um jenen Verlust abzufedern, welcher dem Unternehmen durch den Betrieb der drei Schwimmbäder entsteht.

Zum Hintergrund: Das Minus in diesem Bereich beträgt zurzeit etwa vier Millionen Euro jährlich eine Menge Geld, aber auch nur die Hälfte dessen, was noch 2003 an roten Zahlen geschrieben wurde, als die Stadtwerke den Bäderbetrieb von der Stadt Osnabrück übernahmen.

Das Nettedrom″ dient somit laut Hüls wie die spektakulären Rutschen im Nettebad (Sloop, Twist) vor allem der Stärkung eines defizitären Geschäftsfeldes, von dem ganz unmittelbar auch öffentlich bedeutsame Dinge wie Schul- und Vereinssport abhängen. Nur mit neuen Attraktionen können wir die Verweildauer der Besucher am Freizeitstandort Nettebad verlängern und Geld verdienen, das unser Angebot der Daseinsvorsorge langfristig sichert.″

Angeblich massenhaft eingehende Buchungen würden schon jetzt belegen, dass bei den Kunden sowohl Bedarf an einer E-Kart-Bahn in Osnabrück als auch hohe Zahlungsbereitschaft bestehe. An einem Tag allerdings kann der kommunale Betreiber offenbar auf einen Teil der möglichen Einnahmen aus dem Nettedrom″ verzichten. Wie die Stadtwerke Osnabrück am Dienstag ankündigten, wird es zur Eröffnung am Sonntag, 19. März, Sonderangebote geben: Erwachsene zahlen dann für eine Einzelfahrt 10 Euro, ermäßigte Karten kosten 7, 50 Euro.

Kommentar:

Notwendiger Luxus

Von Hauke Petersen

Ja, 13, 50 Euro für zehn Minuten Kartfahren ist eine Stange Geld. Ja, mit diesem Tarif schließen die Stadtwerke Familien mit kleinem Geldbeutel aus. Aber überraschen konnte diese Preisgestaltung nur Sozialromantiker.

Kritiker pochen darauf, dass die im Eigentum der Stadt stehenden Stadtwerke als öffentliches Versorgungsunternehmen allen Osnabrückern dienen sollten. Und selbstverständlich haben sie in einem Punkt recht: Mit Daseinsvorsorge hat Kartfahren genauso wenig zu tun wie Fallschirmspringen oder Bungee Jumping. Man kann das sogar noch weiterdrehen: Warum braucht ein Schwimmbad Trichterrutsche, Whirlpool und Sprungturm? Alles Luxus.

Der Chef der Stadtwerke-Aktiengesellschaft, Christoph Hüls, gibt mit bemerkenswerter Offenheit zu, um was es ihm mit dem Nettedrom geht: ums Geldverdienen. Trotzdem kein Grund, den Klassenkampf auszurufen. Die zu erwartenden Erlöse wandern ja nicht in den Geldspeicher. Mit ihnen wird nur der Betrag geringer, den das Unternehmen für jeden Besucher eines der anderen beiden Bäder zuschießen muss.

Das Minus bei den Bädern beträgt zurzeit etwa vier Millionen Euro im Jahr. Deshalb sollten alle, die weiter zu einigermaßen moderaten Preisen schwimmen wollen, die Daumen drücken, dass die neue Attraktion genug Fans findet. Wenn dem nicht so ist, fallen die Preise von ganz allein.
Autor:
Sebastian Stricker, Hauke Petersen


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