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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Belm ist ein absoluter Einzelfall″
Zwischenüberschrift:
Kultusministerin Heiligenstadt zu Stundenausfall, Lehrermangel und Schleierstreit
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Hannover. Niedersachsen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) ist ein Lieblingsziel der Opposition. Aktuell kritisieren CDU und FDP eine schlechte Unterrichtsversorgung und ihre Haltung im Fall Belm. Die Angegriffene sieht die Schulpolitik im Land aber auf einem guten Weg.

Frau Heiligenstadt, die Opposition wirft Ihnen eine schlechter werdende Unterrichtsversorgung von klar unter 100 Prozent vor. Wie sieht die Lage aus?

Wir prüfen derzeit die aktuelle Berechnung, das nimmt noch Zeit in Anspruch. Die Zahlen wollen wir Ende Februar/ Anfang März vorlegen. Dabei werden wir voraussichtlich knapp an die 99 Prozent kommen. Das wäre besser als der Prognosewert.

Wo wird der Wert zur Landtagswahl 2018 liegen?

Wir streben landesweit 100 Prozent an und entwickeln uns auch wieder dorthin. Dafür haben wir ja zusätzliche Stellen geschaffen. Doch die Unterrichtsversorgung kann nur so gut sein, wie wir Lehrkräfte bekommen.

Lehrer werden derzeit fast überall gesucht. Was unternehmen Sie?

Mein 17-Punkte-Plan zur Lehrergewinnung zeigt schon Wirkung. Von den 1300 zum 1. Februar ausgeschriebenen Stellen haben wir bisher 1135 besetzen können.

Wo sollen zusätzliche Lehrer herkommen?

Wir haben die Einstellung von Quereinsteigern mehr als verdreifacht. Früher hatten wir im Schnitt pro Jahr deutlich unter 100 Quereinsteiger. Im laufenden Schuljahr sind es bereits 300, und zum Halbjahreswechsel kommen weitere hinzu.

Berufsverbände kritisieren, dass Sie ungelernte Kräfte an die Schulen lassen

Die Quereinsteiger sind ja nicht auf sich allein gestellt, wir tun vieles, damit sie gute Lehrkräfte werden können. Die Rückmeldungen sind bisher gut. Viele Schülerinnen und Schüler haben gerne Unterricht bei Quereinsteigern.

Ein Dauerbrenner bleibt die Inklusion. Nach wie vor gibt es Kritik an der Schließung der Förderschulen. Ist es richtig, behinderte Kinder über Regelschulen im ganzen Land zu verstreuen?

Erstens werden mitnichten alle Förderschulen geschlossen. Und zweitens eine Gegenfrage: Ist es richtig, die Kinder zu separieren?

Um sie besser zu fördern?

Eine 2006 verabschiedete UN-Konvention fordert den gleichen Zugang von Menschen mit Behinderungen zu öffentlichen Einrichtungen. Dazu gehören auch Schulen.

Werden nichtbehinderte Schüler nicht gebremst?

Ich bin überzeugt, dass eine Gesellschaft nur dann eine gute Zukunft hat, wenn wir die verschiedenen Menschen so annehmen, wie sie sind. Wenn ich ein ganzes Schulleben lang nicht erlebe, dass es auch Kinder mit Behinderung gibt woher sollen dann Empathie und Solidarität kommen? Eine solidarische Gesellschaft braucht das gemeinsame Lernen, das gemeinsame Aufwachsen. Und sie muss aushalten können, dass es Unterschiede gibt.

Wenig Lob und viel Kritik gehört zum Job eines Kultusministers. Macht Ihnen das Amt noch Spaß?

Ja. Ich bin jedes Mal wieder begeistert, wenn ich Schulen und Kindertagesstätten besuche. Ich erlebe ausgesprochen engagierte und motivierte Lehrkräfte und Erzieherinnen. Und auch das, was die Schüler zurückgeben, ist sehr motivierend. Ich weiß, wofür ich jeden Morgen aufstehe und arbeite.

Wofür ist das?

Es geht um Bildungschancen und darum, dass nicht der Geldbeutel entscheidet, welchen Abschluss jemand machen kann. Ich habe am eigenen Leib erfahren, was es heißt, wenn man täglich 30 Kilometer mit dem Rad zur Schule muss, weil das Geld für die Fahrkarte fehlt. Ich trete für gute Bildungschancen für alle ein unabhängig von Herkunft, Geldbeutel der Eltern oder einer Behinderung.

Warum will die SPD mit der beitragsfreien Kita bis nach der Landtagswahl warten?

Wir haben bereits jetzt schon sehr viel in den Bildungsbereich investiert, denken Sie nur an die dritte Kraft in den Krippen. In meiner Amtszeit ist der Kultusetat von 4, 9 auf 6 Milliarden Euro angewachsen. Im aktuellen Haushalt ist die Beitragsfreiheit aber noch nicht abbildbar.

Sie investieren auch in die Schulsozialarbeit . . .

Wir haben in den vergangenen Monaten 650 Stellen ausgeschrieben, die meisten sind besetzt. Zum 1. Januar 2017 haben bereits rund 550 Sozialarbeiter unbefristete Verträge als Landesbedienstete an Schulen. Allein für den Landkreis und die Stadt Osnabrück sind das 45 Schulen, die Sozialarbeiter bekommen. 2019/ 2020 sollen es landesweit 1100 Sozialarbeiter sein.

Die Opposition will wegen der voll verschleierten Schülerin in Belm eine Ministeranklage gegen Sie. CDU und FDP möchten Sie vor den Rechtsausschuss zitieren. Kommen Sie?

Ich werde nicht in den Ausschuss kommen. Der Fall in Belm ist ein absoluter Einzelfall. Und alles, was dazu gesagt werden kann, ist in den Ausschüssen längst berichtet worden.

Schulstrukturdebatten hat Bernd Althusmann von der CDU für den Landtagswahlkampf ausgeschlossen. Wie ist es bei der SPD?

Wir werden keine neuen Schulformen erfinden oder etablierte abschaffen. Insofern wird es dann im Wahlkampf von meiner Seite keine Strukturdebatten geben.

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Bildtext:
Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD).

Foto:
dpa
Autor:
Klaus Wieschemeyer


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