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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bremer Brücke lässt das Fan-Herz aufgehen
Zwischenüberschrift:
Außerordentlich bedingtes Minus der VfL-KGaA ist eine „Katastrophe″ – Abteilungen erhöhen Beiträge
Artikel:
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Originaltext:
Kompromissbereitschaft und ein Aufeinanderzugehen haben die Fortsetzung der Mitgliederversammlung beim VfL Osnabrück geprägt. Die Rückkehr zur Bremer Brücke ließ vorübergehend sogar schlechte wirtschaftliche Zahlen in den Hintergrund rücken.

Osnabrück. Die Botschaft, dass die Bremer Brücke künftig wieder Bremer Brücke heißt, brachte noch am Montagabend in der Osnabrückhalle ein Mitglied ins Schwärmen: Bei so einem Thema geht jedem Fan das Herz auf. Die Bremer Brücke ist ein Gefühl.″ Aus Fan-Sicht werde man aufpassen, dass der Name der Ostkurve, wie zugesichert, bei der Vermarktung der Stadionbereiche nicht vergeben werde. Auf der Tagesordnung standen freilich noch weitere Themen. Nachfolgend ein Überblick.

Stimmung: Ich glaube, dass allen bewusst ist, dass wir den VfL nur gemeinsam voranbringen können″, meinte Präsident Hermann Queckenstedt nach der rund dreistündigen Sitzung. Auch seinen Präsidiumskollegen Uwe Brunn und Sascha Heise war die Erleichterung anzumerken, dass die Atmosphäre im Gegensatz zur November-Versammlung diesmal nicht vergiftet war. Dazu hatte zuvor nicht nur Queckenstedt mit seinen selbstkritischen Äußerungen beigetragen. Sein Eingeständnis, dass er in manchen Bereichen natürlich auch noch Luft nach oben″ habe, kam insbesondere im Fanlager gut an. Prompt wurde aus diesem Lager auch der Ball des Friedens″ zurückgespielt. Die im Vorfeld lancierte E-Mail von Vizepräsident Brunn, in der er nach der Versammlung im November einige Mitglieder der Fan-Abteilung als unerträglich″ bezeichnet hatte, war am Montagabend kaum mehr Thema. Im Gegenteil: Abteilungsleiter Benjamin Wischmeyer verwies auf die Entschuldigung von Brunn – „ das wird akzeptiert″. Wenn Brunn die Fan-Abteilung wie in seinem Entschuldigungsschreiben formuliert als Bereicherung sehe, müssten den Worten nun auch entsprechende Taten folgen″.

Finanzen: Die breite Bereitschaft von Gläubigern, vorläufig auf Forderungen gegenüber der Stadion KG zu verzichten, war 2016 der entscheidende Durchbruch im Sanierungsprozess. Präsident Queckenstedt vergaß nicht den Dank an all die, die dem VfL eine finanzielle Überlebensperspektive verschafft hatten.

In die Details dieses Prozesses wollte Jürgen Wehlend nicht noch einmal tiefer einsteigen. Der Geschäftsführer hatte im Parforceritt noch andere Themen abzuarbeiten. Die Rückkehr zur Bremer Brücke mochte noch so gut ankommen, aber die wirtschaftlichen Kennziffern der Spielbetriebs-KGaA verdarben Wehlend die Laune. Ein Saison-Fehlbetrag von 787 000 Euro sei eine Katastrophe″, sagte er nach der Versammlung.

Das Ergebnis der KGaA spielt auch eine Rolle im Sanierungsprozess. In der Gläubigerversammlung der Stadion KG im Februar werde das Minus zur Sprache kommen. Wir werden aber aufzeigen, wie dieses Minus zustande gekommen ist″, verwies Wehlend auf Sondereffekte wie Zuschauerausschlüsse nach dem Abbruch im DFB-Pokal und die Beurlaubung von Trainer Maik Walpurgis. Ohne solche außerordentlichen Ereignisse seien die Auflagen des Sanierungsprozesses einhaltbar″.

Aufgrund der Finanzlage gelingt es noch nicht, gänzlich auf die Vorwegnahme von Sponsorengeldern zu verzichten, sagte Wehlend auf Nachfrage eines Mitglieds. Das Vorgehen, mit vorgezogenen Sponsoreneinnahmen die laufende Saison zu finanzieren, sei aber auf aktuell 300 000 Euro halbiert worden und solle bis 2020 beendet werden. Eine schwarze Null″ in der Bilanz sei dauerhaft nur durch höhere Erträge möglich, die mit dem sportlichen Erfolg verknüpft seien: Wenn wir es schaffen, mehr als 10 000 Zuschauer im Schnitt ins Stadion zu bekommen, dann ist es erreichbar″, sagte Wehlend . Der VfL taxiert seinen Unternehmenswert in einer Fünfjahresplanung perspektivisch auf neun Millionen Euro, wenn die gesteckten Ziele darunter drei Spielzeiten in der 2. Bundesliga erreicht werden.

Lichtblick: Nachdem mit dem vorläufigen Forderungsverzicht das Insolvenzrisiko gesunken ist, sind Investoren bereit, Kapital bereitzustellen. Darunter seien auch Unterstützer der ersten Stunde″, die bereit seien, Darlehen in Stammkapital zu wandeln, sagte Wehlend. Diese Möglichkeit soll auch für das Crowdfunding geschaffen werden. Zum 1. Dezember 2016 habe der VfL 23 000 Euro an 90 Crowdfunder zurückgezahlt. 435 000 Euro (von 1171 Finanziers) seien erneut verlängert worden und zum 1. Dezember dieses Jahres fällig.

Höhere Mitgliedsbeiträge: Die Tischtennisabteilung deckte ihre Ausgaben auch mithilfe einer Spende. Die Schwimmer wollen den Leistungssport weiter fördern, brauchen dafür aber ebenfalls Geld von außen: Das soll unter anderem mit einem Sponsorenschwimmen im Nettebad am 22. Januar eingeworben werden. Außerdem sucht die Abteilung drei Sponsoren, die jährlich 3000 bis 5000 Euro in den Schwimmsport stecken wollen. Die Gegenleistung können wir dann noch aushandeln″, sagte Abteilungsleiter Harry Krogull augenzwinkernd.

Wirtschaftsprüfer Thomas Wember stellte für den Breitensport im VfL ein strukturelles Finanzierungsdefizit fest. Höhere Mitgliedsbeiträge sollen dem entgegenwirken. Sie wurden im Rahmen des Haushaltsplans 2016/ 17 bei vier Enthaltungen mehrheitlich angenommen.

Nicht nur im Tischtennis und Schwimmen zahlen die Mitglieder künftig mehr, sondern auch in der Gymnastik. Abteilungsleiterin Bärbel Grafe nannte die Erhöhung von zwölf Euro im Jahr ein gesundes Verhältnis. Sympathiepunkte sammelte sie, als sie die ausgebuchte Borkum-Freizeit als meine große Liebe neben meinem Mann″ bezeichnete. Die Fan-Abteilung behält ihre bisherigen Beiträge bei, zahlt aber pro Mitglied zwölf Euro im Jahr für die sogenannten Geschäftsbesorgungskosten, in denen etwa der Betrieb der Geschäftsstelle enthalten ist. Mitgliedsbeiträge sind für die Basketballer kein Thema mehr. Nachdem sich die einzige Mannschaft aufgelöst hat, gab Dieter Kampmeier auch die Auflösung der Abteilung bekannt.

Die Lila-Weißen wollen nicht nur die Beiträge erhöhen, sondern im Jahr 2017 weiter wachsen. Vizepräsident Heise kündigte eine Mitglieder-Werbekampagne an, um das Wachstum anzukurbeln. Vom 1. Juli 2015 bis zum 1. Juli 2016 verzeichnete der VfL ein Plus von 117 Mitgliedern auf 3312.

Zusammenfassungen und den Liveticker

zum Nachlesen gibt es online auf noz.de/ vfl.

Bildtexte:
Blick in die Zukunft: So soll sich das Stadion an der Bremer Brücke künftig als Heimat des VfL Osnabrück präsentieren.

Blick aufs Präsidium: Uwe Brunn, Sascha Heise und Hermann Queckenstedt (von links) wussten die sachliche Atmosphäre zu schätzen.

Blick auf die Zahlen: Geschäftsführer Jürgen Wehlend musste für die Saison 2015/ 16 ein Minus der Spielbetriebs-KGaA verkünden.
Fotos:
Fotomontage: Agentur Stiehl/ Over, Fotos: Helmut Kemme (2)

Kommentar:

Volltreffer in die lila-weiße Seele

Wir wollen gar nicht von einem Schulterschluss zwischen dem VfL-Präsidium und den kritischen Köpfen aus der Fanszene sprechen. Fakt ist aber, dass offensichtlich beide Seiten in puncto Toleranz und Diskussionskultur eine Kehrtwende vollzogen haben.

Während Teil eins der Mitgliederversammlung im November geprägt war von gegenseitigem Misstrauen und hitzigen Wortgefechten, verlief die Fortsetzung wohltuend aufgeräumt und konstruktiv. Mit einem selbstkritischen Präsidenten. Mit kompromiss- und diskussionsbereiten Vertretern aus dem Fanlager. Mit Abteilungsleitern abseits des großen Fußballs, die mit ihren Statements den gemeinsamen Kampf für den Verein beschworen. Und nicht zuletzt mit einem VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend, der es insbesondere bei seinen Ausführungen zum neuen Konzept rund um die Bremer Brücke in brillanter Manier verstand, die Mitglieder mitzunehmen. Ein Volltreffer in die lila-weiße Seele.

Auch wenn es für manche antiquiert klingen mag: Tradition verbindet wohl doch. Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte″, sagte einst ja auch schon der ehemalige Bundespräsident Gustav Heinemann. Am Montagabend war nach langer Zeit phasenweise unter den Mitgliedern mal wieder so etwas wie Aufbruchstimmung zu spüren. Wenn jetzt den Worten auch entsprechende Taten folgen, wirtschaftlich wie sportlich geliefert wird, dann dürfte der VfL Osnabrück in Zukunft wieder viel mehr positive Schlagzeilen für sich verbuchen können.
Autor:
Stefan Alberti, Johannes Kapitza


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