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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Das Dorf in der Stadt baut sich eine Mitte
Zwischenüberschrift:
Flurbereinigung in Darum beendet – Am Ende ist sogar Geld für einen Treffpunkt übrig
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Es klingt so schrecklich bürokratisch, was in Darum passiert ist: Flurneuordnungsverfahren. Dahinter steckt eine schöne Geschichte über schlaue Leute und staatlich geförderte Brauchtumspflege.

Osnabrück. Darum das ist das Dorf in der Stadt. Der östlichste Außenposten Osnabrücks, hart an der Grenze zu Belm und Bissendorf. Endstation der Buslinie 91. Sechs traditionsreiche Hofstellen, davon noch zwei bewirtschaftet. Öffentlich wahrgenommen immer nur als kleinster Teil des Drei-Namen-Stadtteils Darum-Gretesch-Lüstringen.

Darum hat sich in den vergangenen fünf Jahren ganz im Stillen neu sortiert. 384 Hektar Land wurden neu geordnet und zugeschnitten. Ganz ohne Streit. Und am Ende ist sogar noch Geld übrig geblieben, um einen Dorfplatz zu schaffen und kleinere Feste zu feiern.

Die Geschichte dieses beschleunigten Zusammenlegungsverfahrens″ begann, als Konstantin Obolenski sich über ein winziges, versprengtes Waldstück Gedanken machte, das zu seinem Hof gehört. Das war vor sieben oder acht Jahren. Der Wald drum herum war damals in Besitz der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG), die der forstwirtschaftlichen Nutzung, um es vorsichtig zu sagen, eher weniger Aufmerksamkeit schenkte. Obolenski meinte, es ließen sich mit einem Tausch vielleicht Parzellen schaffen, die leichter zu bewirtschaften wären. Die Reaktion der landeseigenen Gesellschaft verblüffte ihn: Ja, gerne! Zweimal habe die NLG in der Vergangenheit schon einen Tausch angeregt, sei aber an alten Rivalitäten gescheitert, so die Antwort aus der NLG-Geschäftsstelle am Schölerberg in Osnabrück.

Obolenski packte die Sache an: Ich habe mir alte Karten besorgt und mit allen Nachbarn Kaffee getrunken″, erzählt der Webdesigner, der seit 29 Jahren mit seiner Familie auf dem Sunderhof in Darum lebt. Allen habe er die Aufgabe gestellt: Wenn du König von Darum wärst...″ Auf der Karte sei eifrig herumgemalt″ worden, sagt Obolenski. Irgendwann war der virtuelle Landaustausch ausgereift und in Excel-Tabellen Flächen und Quadratmeter erfasst.

An diesem Punkt kam die öffentliche Hand ins Spiel. Denn das Flurbereinigungsgesetz schreibt genau vor, wie ein solches Verfahren abzulaufen hat, um Transparenz zu schaffen und allen Interessen gerecht zu werden. Außerdem bezahlt die öffentliche Hand in diesem Fall die Stadt Osnabrück 70 Prozent der Verfahrenskosten. Den Rest müssen die Teilnehmer aufbringen.

Im April 2012 leitete das Amt für regionale Landesentwicklung, Geschäftsstelle Osnabrück, formell das Beschleunige Zusammenlegungsverfahren″ ein. Dieser kleine Bruder der großen Flurneuordnung fand in diesem Fall Anwendung, weil das Verfahrensgebiet mit knapp 400 Hektar und 88 Teilnehmern überschaubar war. Als Ziel wurde formuliert, den landwirtschaftlichen Betrieben in Darum, Gretesch, in Teilen von Halten und Wulften eine Zusammenlegung ihres zersplitterten Grundbesitzes″ zu ermöglichen.

Das klingt gut, aber der Teufel steckte wie immer im Detail. Die Grundstücke sind natürlich nicht alle gleich wertvoll. Ackerland etwa bringt mehr Gewinn als Wald. Das Gesetz sieht deshalb vor, die Flächen mit Bodenpunkten zu bewerten. Das geschah auch in Darum, aber auf sehr vereinfachte Weise. Es gab nur zwei Werte 1, 50 Euro pro Quadratmeter Wald und 3 Euro pro Quadratmeter Ackerland.

Das hat funktioniert″, sagt Konstantin Obolenski, der zwischenzeitlich zum Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft gewählt worden war. Mit dieser simplen Formel gelang der Interessenausgleich. Auch die Tatsache, dass nach der exakten Vermessung plötzlich 4700 Quadratmeter aus der Landmasse verschwunden waren, brachte die Darumer nicht aus der Fassung. Obolenski: Wir haben das zusammen gelöst.″

Zur amtlichen Statistik: Im Verfahrensgebiet wurden 273 Hektar neu vermessen. Aus 518 Altflurstücken wurden 450 Neuflurstücke. 384 Hektar ländlichen Grundbesitzes wurden zusammengelegt. Die Kosten: 26 000 Euro.

Und das Beste an der Geschichte: Am Ende sind 11 000 Euro übrig geblieben, die auf Beschluss des Vorstandes der Teilnehmergemeinschaft zur Bewahrung und Entwicklung des Dorfes Darum als Wohn-, Sozial- und Kulturraum, zur Stärkung des innerörtlichen Gemeinschaftslebens, zur Bewahrung und Entwicklung des typischen Landschaftsbildes, zur Förderung des ländlichen Tourismus und zur Erhaltung und Verbesserung des ländlichen Erbes″ eingesetzt werden sollen.

Soweit die amtliche Beschreibung. In Darum heißt das konkret: Die Stadt stellt den Darumer Interessenten unentgeltlich eine etwa fußballfeldgroße Fläche, die zum Dorfplatz herausgeputzt werden soll. Von dem Geld wird unter anderem Holz gekauft, um einen überdachten Treffpunkt zu bauen und die Fläche hübsch zu gestalten. Denn es ist gute Tradition in Darum, dass die Menschen keine Gelegenheit zum Feiern auslassen. Sie treffen sich zum Aufstellen und Abbauen des Dorf-Weihnachtsbaums, es wird ein Maibaum aufgestellt, man startet gemeinsam das Apfelpressen, feiert das Legen und später das Roden der Kartoffeln, gratuliert zum Geburtstag, fiebert beim Public Viewing gemeinsam mit und ermittelt jeweils zu Beginn der Herbstferien den Darumer Fußballmeister.

Darum/ Gretesch/ Lüstringen, Voxtrup, Schinkel mehr aus Osnabrück und seinen Stadtteilen: noz.de/ os

Bildtext:
Darum das Dorf in der Stadt hat die landwirtschaftlichen Flächen neu geordnet und dabei sogar Geld für die Brauchtumspflege übrig behalten.

Foto:
Jörn Martens
Autor:
Wilfried Hinrichs


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