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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Viele offene Fragen bei Tierwohl und Kükentöten
Zwischenüberschrift:
Minister stellt Projekte vor – Warnung vor steigenden Wasserpreisen
Artikel:
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Originaltext:
Bessere Haltungsbedingungen in Ställen und kein massenhaftes Töten männlicher Küken mehr das sind zwei Kernprojekte, die die Bundesregierung im Schatten der Grünen Woche″ präsentiert. Bei beiden Projekten bleiben aber zentrale Fragen vorerst offen.

Berlin. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat am Donnerstag in Berlin ein staatliches Tierwohllabel für Fleischprodukte sowie den Prototyp einer Maschine zum Ausstieg aus dem umstrittenen millionenfachen Töten von Küken vorgestellt. Beides soll auf der Ernährungsmesse Grüne Woche″ gezeigt werden, die heute für Besucher öffnet.

Dies sei das Ende der ethisch inakzeptablen und rechtlich zweifelhaften″ Praxis des Kükentötens, so Schmidt zu der Gerätschaft. Wann vergleichbare Maschinen aber in Brütereien eingesetzt werden, ließ er offen: Wir werden es zeitnah in die praktische Anwendung bringen″, so Schmidt. Bislang werden jährlich etwa 50 Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert, weil sie weder Eier legen noch schnell genug Fleisch ansetzen.

Ebenso offen wie das Ende des Kükentötens sind auch der Start des staatlichen Tierwohllabels und dessen genaue Kriterien. Seit Donnerstag steht zumindest die Optik des Siegels fest. Schmidt präsentierte den Entwurf gemeinsam mit Tierschutzbund, Verbraucherzentralen und Bauernverband. Schmidt verband die Vorstellung damit, die Verbraucher auf Preissteigerungen einzustimmen: Tierwohl ist nicht zum Nulltarif zu haben.″

Mit den Beteiligten aus den Bereichen Landwirtschaft, Tierschutz und Handel sollen nun Eckdaten ausgearbeitet werden. Etwa wie viel Platz Schweine haben sollen . Laut Schmidt soll es mindestens zwei, vielleicht aber auch drei Stufen geben. Für die Käufer wird das heißen: je mehr Sterne auf der Verpackung, desto höher die Haltungsbedingungen. Der Minister setzt dabei auf Freiwilligkeit. Landwirte, die nicht teilnehmen wollen, müssen dies nicht. Trotzdem rechne er mit einem hohen Marktanteil des Tierwohllabels, so Schmidt.

Am Vormittag hatten zuvor 25 Verbände den Kritischen Agrarbericht″ präsentiert und darin ihre Sorge um die Ressource Wasser zum Ausdruck gebracht. Mit Blick auf die Nitratbelastung des Grundwassers und die Klage der EU-Kommission gegen Deutschland sagte Nabu-Vorsitzender Hubert Weiger: Wir sind nicht in der Lage, geltendes Recht umzusetzen.″ Er sprach sich für eine Reduktion der Tierhaltung aus speziell in Niedersachsen. Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder sagte, der Steuerzahler müsse für die Reparatur der Umwelt aufkommen und nicht derjenige, der das Fleisch produziert. Auch der Vegetarier bezahlt die Folgen der Fleischproduktion.″

Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), warnte angesichts des Nitratproblems: Trinkwasser könnte in einigen Regionen um bis zu 62 Prozent teurer werden.″ Er berief sich dabei auf eine Untersuchung, die sein Verband durchgeführt hatte. Der bisherige Entwurf der Düngeverordnung, auf den sich Bund und Länder geeinigt hatten, reiche nicht aus, um Böden und Grundwasser vor den Folgen einer Überdüngung zu schützen, sagte Weyand. Zuvor hatte die FAZ″ darüber berichtet.

Wenn die bisherige Reinigung der Wasserversorger nicht mehr ausreiche, werden demnach wegen der hohen Nitratbelastung in belasteten Regionen aufwendigere Methoden notwendig. Laut dem Gutachten würde die durchschnittliche Jahresrechnung eines Drei-Personen-Haushalts in einem Sechsfamilienhaus von derzeit 217 Euro auf 352 Euro steigen. (Mit dpa)

Das neue Label: Bilder und weitere Infos auf noz.de/ landwirtschaft

Kommentar:

Wertschätzung statt Wertsteigerung

Die Ramschpreise für Fleisch und das Töten männlicher Küken sind beide Ausdruck einer Geringschätzung: gegenüber Lebensmitteln ganz allgemein und gegenüber der Kreatur im Speziellen.

Das ist nicht ausschließlich der Landwirtschaft vorzuwerfen, sondern der gesamten Gesellschaft. In Gänze hat sie das Bewusstsein für den Wert des Lebensmittels und seiner Produktion verloren. Der deutlichste Ausdruck dafür ist das massenhafte Vergasen oder Schreddern von Geflügel, weil es nicht in das System passt. Dies ist praktizierte Verachtung.

Nach jahrzehntelanger Ignoranz ist jedoch auf allen Ebenen ein Umdenken zu beobachten: mehr Wertschätzung, weniger Wertsteigerung. Dazu kann das staatliche Tierwohllabel einen Beitrag leisten. Es muss die Marktführerschaft und die Deutungshoheit darüber anstreben, was gute Tierhaltung ist. Wer als Staatsziel im Grundgesetz Tierschutz definiert, darf die Frage von guter oder schlechter Haltung nicht Dritten überlassen.

Das ist nicht nur im Sinne des Kunden, der mit Label-Angeboten überhäuft wird. Das ist auch im Sinne der Bauern. Viele Label mit unterschiedlichen Anforderungen bergen die Gefahr der Abhängigkeit von demjenigen, der die Anforderungen definiert. Tierwohl aber darf weder Definitionssache noch ausschließlich freiwillig sein.
Autor:
Dirk Fisser


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