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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
„Kyrill″ legte ganze Wälder flach
 
Vor zehn Jahren: „Kyrill″ legt ganze Wälder flach
Zwischenüberschrift:
Aufgeforstete Flächen werfen erst in 100 Jahren Erträge ab
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, dass das verheerende Unwetter Kyrill″ unsere Region erreichte. Dächer wurden abgedeckt, Baugerüste krachten in sich zusammen, aber vor allem in den Wäldern tobte sich Kyrill″ massiv aus.

Eigentlich wollte Familie Genow dem Papa ein Hochdruckgebiet schenken. Die aber bekamen 2007 weibliche Namen, also wurde es ein Tiefdruckgebiet. Und das hat Vater Genows Vornamen Kyrill″ bundesweit bekannt gemacht, denn es entwickelte sich zum Orkan, der ganze Landstriche verwüstete.

Osnabrück. Auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, dass das verheerende Unwetter mit dem griechischen Vornamen unsere Region erreichte. Dächer wurden abgedeckt, Baugerüste krachten in sich zusammen, aber vor allem in den Wäldern tobte sich Kyrill massiv aus. Hektarweise gingen selbst altgediente Eichen zu Boden. Aus der Luft betrachtet, sahen ehemalige Naherholungsgebiete wie zum Beispiel der Hüggel in Hasbergen plötzlich aus, als hätten Riesen hier Mikado gespielt. Teilweise über mehrere Wochen waren die Wälder gesperrt, weil angeschlagene Bäume auch Tage nach Kyrills Weiterreise Richtung Osten noch umzufallen drohten.

Denn das Tiefdruckgebiet hatte nicht nur den Orkan, sondern auch eine Menge Regen im Gepäck, der die Böden aufweichen ließ und so den Wurzeln der Bäume ihren Halt nahm. So musste die Kettensäge auch da ran, wo die Bäume noch standen und unbeschadet aussahen.

Und so waren es auch die Waldbauern in Osnabrück und Umgebung, die am meisten unter den Kyrill-Folgen zu leiden hatten. Stellenweise hatte der Orkan in den wenigen Stunden seines brutalen Schaffens mehr Holz zu Boden geworfen als die gesamte Einschlagmenge eines Jahres. Allein in der Stadt fielen etwa 500 Bäume, in Melle, Georgsmarienhütte, Hagen, Hasbergen, aber auch in Bissendorf, Wallenhorst und den anderen Umlandgemeinden wurde die Arbeit von Generationen sozusagen im Handstreich vom Winde verweht. 350 000 bis 400 000 Kubikmeter Holz, so die Schätzungen, hat Kyrill umgeworfen, auf 15 bis 20 Millionen Euro beläuft sich der finanzielle Schaden für die Waldbesitzer.

Und damit fingen die Probleme erst an, denn das Holz musste möglichst schnell aus den Forsten geholt werden, um dem Borkenkäfer keine Chance zu geben, seine vernichtende Arbeit zu beginnen. Der plötzliche Massenanfall sorgte zudem für eine Knappheit an Maschinen und Transportmöglichkeiten. Zudem waren die Aufräumarbeiten sehr gefährlich, da die durcheinandergeworfenen Bäume zum Teil unter extremer Spannung standen und beim Auseinandersägen durch die Luft schnellten wie Peitschenriemen.

Die von Kyrill geschlagenen Wunden heilen nur langsam. Das liegt in der Natur der Dinge, denn ein Baum braucht nun einmal Zeit zum Wachsen. Nachdem das Sturmholz aus den Wäldern geräumt worden war, begann die Wiederaufforstung. Vor allem Fichten und Buchen waren als Sturmopfer zu beklagen und mussten neu gesetzt werden. Die Kyrillflächen sind wieder aufgeforstet″, sagt Andreas Wiemer, Holzkoordinator beim Forstamt Weser-Ems. Die damals angefallenen Holzmengen mussten und seien auch schnell verkauft worden. Holz ist eine verderbliche Ware.″ Jetzt wachsen die Jungkulturen gemächlich vor sich hin. Bis sie Erträge abwerfen, werden noch viele Jahre ins Land gehen. Erst die nachfolgenden Generationen werden die Früchte dieser Aufforstung ernten können″, sagt Wiemer. Eine Fichte braucht bis zur Ernte 60 bis 70 Jahre, eine Buche mit 100 bis 150 Jahren noch wesentlich länger. Die erste Durchforstung findet bei Nadelgehölz laut Wiemer nach 30 bis 40 Jahren statt. Laubbäume sind nach 50 bis 60 Jahren so weit.

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Mittlerweile haben die Nachpflanzungen schon eine stattliche Höhe erreicht. Bis sie aber auf die Höhe des sie umgebenden Altbestandes gewachsen sind, werden noch Jahrzehnte vergehen.

Bildtexte:
Als hätten Riesen Mikado gespielt: Auch auf dem Schinkelberg richtete Kyrill massive Schäden an.

Eigentlich wollte Familie Genow dem Papa ein Hochdruckgebiet schenken. Die aber bekamen 2007 weibliche Namen, also wurde es ein Tiefdruckgebiet. Und das hat Vater Genows Vornamen Kyrill″ bundesweit bekannt gemacht, denn es entwickelte sich zum Orkan, der ganze Landstriche verwüstete.

Zirkuszelt in der Gartlage zerfetzt

Ende der Vorstellung: Das Sturmtief Kyrill″ zerfetzt das Zelt des russischen Staatszirkus auf dem Gelände an der Halle Gartlage. Menschen und Tiere bleiben unverletzt, doch das Gastspiel, das gerade beginnen sollte, wird abgebrochen. Die Requisiten bleiben weitgehend heil, sodass der Staatszirkus in einem Leihzelt seine Tournee in Paderborn später fortsetzen kann. Das Zeltdach wird genäht, das Gestänge gerade gebogen.

500 Bäume in der Stadt umgeweht

Kahlschlag in Osnabrück: Mehr als 500 Bäume werden durch den Sturm umgeweht oder stark beschädigt. Nicht gezählt sind dabei die Bäume in den städtischen Wäldern. An den Straßen, im Schlossgarten, auf den Friedhöfen, in Grünanlagen müssen Dutzende Großbäume gefällt werden. Die Berufsschule in Haste verliert ein Stück ihres Dachs, in Sutthausen durchschlägt eine Pappel ein Hausdach. Zum Glück wird niemand verletzt.

Bahn und Busse blockiert

Nichts geht mehr im öffentlichen Nahverkehr. Im Osnabrücker Hauptbahnhof stranden Hunderte Fahrgäste. Es geht nicht weiter, weil Schienen blockiert oder Oberleitungen gekappt sind. In der Gesamtschule Schinkel wird eine Notunterkunft für Reisende eingerichtet. Vom Stellwerk löst sich ein Stück Dachhaut, das auf den Gleisen landet (Foto). Wer nicht fahren muss, bleibt zu Hause. Die Innenstadt ist tagsüber wie ausgestorben.

Sandsäcke gegen das Hochwasser

Der Regen lässt Hase, Düte und zahlreiche Bäche über die Ufer treten. In Oesede füllt die Feuerwehr Sandsäcke (Foto), um die Häuser an der Eisenbahnstraße zu schützen. Trotzdem laufen dort die Keller voll. Auch das Marienheim in Sutthausen meldet Land unter. Tiefer liegende Fachräume werden geflutet. Im Zoo werden Gehege beschädigt. Ein Wolf nimmt Reißaus, wird aber später an der Meller Straße eingefangen.

Gerade noch in Sicherheit gebracht

Es hätte noch viel schlimmer kommen können: Eine 47-Jährige aus Belm wird leicht verletzt, als auf der Icker Landstraße (Foto) ein Baum auf ihr Auto stürzt. Dach und Front des VW Polo werden zerdrückt. Nach der Bergung der Frau müssen sich die Rettungskräfte in Sicherheit bringen, da fortwährend Bäume auf die Fahrbahn stürzen. Im Landkreis sind zahlreiche Straßen von umgestürzten Bäumen blockiert, so auch die B 51.

Auto unter Mauerresten begraben

In Dissen drückt der Sturm den Giebel einer Scheune an der Schützenstraße ein (Foto), der darunter abgestellte Pkw wird von den Mauerresten regelrecht platt gedrückt. In Nolle stürzt eine 20 Meter große Tanne auf den Anbau eines Hauses, der gerade fertiggestellt war. Nebenan rauscht eine riesige Pappel auf ein Wohnmobil Totalschaden. In Borgloh-Uphöfen löst ein Blitzschlag einen Dachstuhlbrand aus.

Fotos:
Jörn Martens, Gert Westdörp, Hermann Pentermann, dpa, Wöhrmann, Simone Grawe
Autor:
dk


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