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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kulturprojekt „Danse macabre″ startet
Zwischenüberschrift:
Theater und Museen: Totentanz-Choreografie von Mary Wigman im Mittelpunkt
Artikel:
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Originaltext:
Danse macabre: Unter dieser Überschrift verwirklichen Osnabrücker Kulturhäuser ein Kulturprojekt rund um die
Rekonstruktion einer Choreografie von Mary Wigman.

Osnabrück. Sorgt ausgerechnet der Totentanz für ein starkes und intensives kulturelles Leben in der Stadt Osnabrück″, wie es sich Hermann Queckenstedt wünscht? Der Leiter des Osnabrücker Diözesanmuseums gehört zu jenen Museumsdirektoren, die sich vom Theater Osnabrück für ein besonderes Kooperationsprojekt gewinnen ließen. Rund um die Rekonstruktion der Choreografie Danse macabre″ von Mary Wigman, die das Theater Osnabrück ab dem 11. Februar auf die Bühne bringen wird, zeigen neben dem Diözesanmuseum auch das Felix-Nussbaum-Haus und die Kunsthalle Ausstellungen zum Thema Totentanz. Das Gemeinschaftsprojekt belebt, auch als Anziehungspunkt für Sponsorengelder.

Immerhin 76000 Euro von der Bundeskulturstiftung fließen in das Gesamtbudget von rund 105 000 Euro, das am Theater Osnabrück bereitgestellt wird, um nach 2013 die zweite Choreografie von Tanzlegende Wigman (1886–1973) zu rekonstruieren. Tanzdramaturgin Patricia Stöckemann und Tanzchef Mauro de Candia schätzen den künstlerischen Wert der Mitte der Zwanzigerjahre des 20. Jahrhunderts entstandenen Bühnenarbeit außerordentlich hoch ein. Mit der erneuten Aufführung solle physisches Wissen″ der Geschichte des modernen Ausdruckstanzes gesichert und weitergegeben werden, sagte Stöckemann. Neben ihr wiesen auch die Museumsleute darauf hin, dass es gelungen sei, für die Projekte externe Geldgeber zu begeistern. Mit der Bündelung der Projekte ergibt sich eine große Strahlkraft für Osnabrück als Kulturstandort″, sagte Wolfgang Beckermann, der als neues Vorstandsmitglied der Stadt Osnabrück seit Jahresbeginn auch für die Kultur zuständig ist.

Mit dem Kooperationsprojekt werde Kultur nun spartenübergreifend″ in Szene gesetzt, sagte Theaterintendant Ralf Waldschmidt. Das gilt ein wenig schon für das Tanzprojekt selbst. Denn das Theater stellt nicht nur Wigmans Tanzschöpfung neu auf die Bühne, sondern flankiert ihren Danse macabre″ zusätzlich mit zwei zeitgenössischen Choreografien, Marco Goeckes Supernova″ und einer Version des Sacre du Printemps″ von Mauro de Candia. Im Vorfeld der Aufführung sei aufwendige Quellenarbeit geleistet worden, sagte Patricia Stöckemann. So hätten die Choreografen auf Bilder des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner und auf zeitgenössische Tanznotationen sowie Berichte zurückgegriffen, um sich ein Bild von Wigmans Tanzwerk zu verschaffen. Eine besondere Rolle spielen auch die Masken, die am Theater Osnabrück für die erneute Aufführung eigens rekonstruiert worden sind.

Gemälde und Zeichnungen, die Kirchner als Augenzeuge der Tanzarbeit Wigmans schuf, werden im Felix-Nussbaum-Haus zu sehen sein. Eine zeitgenössische Variante des Themas soll in der Kunsthalle Osnabrück zu erleben sein. Direktorin Julia Draganovic will Werke von Icaro Zorbar zeigen, der ausrangierte technische Geräte wieder zum künstlichen Leben erweckt. Das Diözesanmuseum zeigt mit dem um 1600 entstandenen gestickten Totentanz ein Highlight. Das Stück sei eine von europaweit nur drei erhaltenen textilen Totentanz-Darstellungen, erläuterte Kuratorin Friederike Dorner.

Danse macabre:
Hintergründe zum
Kulturprojekt auf noz.de / kultur

Bildtext:
Mit Masken des Todes in der Hand: Friederike Dorner (Diözesanmuseum Osnabrück), Patricia Stöckemann, Mauro de Candia, Ralf Waldschmidt (alle Theater Osnabrück), Hermann Queckenstedt (Diözesanmuseum Osnabrück), Julia Draganovic (Kunsthalle Osnabrück), Wolfgang Beckermann (Vorstand Stadt Osnabrück), Anne Sibylle Schwetter und Nils-Arne Kässens (beide Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück, von links).

Foto:
David Ebener

Kommentar:

Ein Vorbild

Vom Spartenereignis zum Kooperationsprojekt: Das Beispiel der Danse-macabre-Choreografie zeigt eindringlich, wie aus einem isolierten Vorhaben ein vernetztes Angebot entstehen kann. Osnabrücker Kulturhäuser haben das nicht nur aus eigener Kraft bewältigt. Sie zeigen mit ihrem Beispiel auch, was am Anfang kultureller Kooperationen stehen muss: künstlerischer Ehrgeiz.

Das Projekt macht zugleich deutlich, wer hier fehlt: die Stadt Osnabrück. Projekte dieser Größenordnung gelingen noch besser, wenn für sie im Paket Gelder eingeworben und Marketingkampagnen gestartet werden. Für gemeinsame Projekte von diesem Gewicht sollte die Stadt auch selbst Mittel bereitstellen. Vorhaben wie Danse macabre″ machen Osnabrück auf der Landkarte der Kultur auch überregional sichtbar. Mit Veranstaltungsreihen, die einem vagen Motto folgen, gelingt das nicht.

Das Projektnetz, das sich nun rund um die Choreografie von Mary Wigman spinnt, liefert das Muster für eine Kulturarbeit, wie sie in Osnabrück weiter Schule machen sollte. Thematisch präzis, künstlerisch hochwertig: In dieser Weise können kulturelle Cluster zu Anziehungspunkten avancieren, die das Publikum begeistern und zugleich die Diskussion in der Stadt befördern. Das inzwischen betagte Konzept der Friedenskultur hat genau das bitter nötig.
Autor:
Stefan Lüddemann


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