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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zoo warnt: Verlieren auf Dauer an Boden
Zwischenüberschrift:
Hoch subventionierte Konkurrenz bereitet Geschäftsführer Bauchschmerzen – Appell an die Stadt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Akute Geldsorgen hat der beinahe zuschussfrei wirtschaftende Zoo Osnabrück zwar nicht. Doch angesichts einer erstarkenden Konkurrenz, die im öffentlichen Geld schwimmt, schrillen am Schölerberg die Alarmglocken.

Osnabrück. Mit Blick auf die Bilanz 2016 hat Geschäftsführer Andreas Busemann eigentlich nur Grund zum Jubeln: Auch im Jubiläumsjahr lagen die Einnahmen deutlich über den Ausgaben. Sponsorengelder sprudelten wie nie zuvor, der Jahreskarten-Verkauf erreichte Rekordhöhen, und zum dritten Mal in Folge überschritt der europaweit glänzend postierte Zoo die 1-Million-Besucher-Grenze. Trotzdem sieht sich der kaufmännische Leiter zu einer lauten Warnung veranlasst. Grund ist die zunehmende, teils gewaltige finanzielle Subvention benachbarter Zoos durch die jeweiligen Kommunen.

Entwicklungsbarrieren

Noch schneidet der Zoo Osnabrück in allen wesentlichen Rankings gut ab. Doch angesichts der signifikanten Förderung nahezu aller deutschen Zoos durch die jeweiligen Städte ist zu befürchten, dass der Osnabrücker Zoo auf Dauer an Boden verliert″, schreibt Busemann in einem Rundbrief, der in diesen Tagen allen Gönnern und Unterstützern des Zoos zugeht, aber auch dem Rat der Stadt und anderen einflussreichen Personen. Anders als die Mitbewerber verfüge der Zoo Osnabrück über eine sehr schwach ausgeprägte Zuschusskulisse″. Darüber hinaus nennt der Geschäftsführer weitere Nachteile und Entwicklungsbarrieren″, die dem Zoo Osnabrück das Leben schwer machen.

Das Markteinzugsgebiet sei insbesondere im Vergleich zu Zoos aus Metropolregionen stark eingeschränkt und mittlerweile komplett ausgeschöpft. Gleiches gelte für den Wirtschaftsstandort. Der Sponsorenkreis von aktuell 190 Firmen wird kaum noch auszubauen sein″, ist Busemann überzeugt. Deshalb werde die weitere Umsetzung der Masterplanung, welche aufgrund neuer gesetzlicher Wildtier-Haltungsnormen und gewachsener Besucheransprüche unabdingbar sei, den Osnabrücker Zoo stark belasten″.

Als Beleg führt der Geschäftsführer die Zahlen der unmittelbaren Konkurrenz an. Der Zoo in Emmen beispielsweise, gelegen an der deutsch-niederländischen Grenze, sei für 200 Millionen Euro neu gebaut und 2016 im Beisein des holländischen Königs eröffnet worden. Emmen hat die Wettbewerbssituation für unseren Zoo insbesondere im nordwestlichen Niedersachsen und im Raum Bremen deutlich verschärft″, stellt Busemann fest. Der Allwetterzoo Münster, geplagt von einem 40-Millionen-Euro-Investitionsstau, erhalte einen laufenden Zuschuss aus öffentlicher Hand von 3, 8 Millionen Euro. Käme auch der Zoo Osnabrück in diesen Genuss, könnte er die Eintrittspreise drastisch senken, so Busemann: auf 5 Euro für Erwachsene, 2 Euro für Kinder und 30 Euro für Familienjahreskarten.

Der Zoo Hannover schließlich habe in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 120 Millionen Euro investiert vor allem dank hoher Zuschüsse der Region. Gleichwohl würden die Besucherzahlen merklich sinken, weshalb der Zoo Hannover in den nächsten Jahren weitere 75 Millionen Euro investieren wolle. Wobei knapp die Hälfte des Geldes erneut von der Region zur Verfügung gestellt werde, bemerkt Busemann und fügt an: Die Entwicklung in unseren drei Nachbarzoos ist dabei nicht die Ausnahme, sondern die Regel.″

Geld nur im Fall der Fälle

Sein Rundbrief endet deshalb mit einem Appell, dem Zoo Osnabrück die Treue zu halten vor allem finanziell. Eine konkrete Forderung etwa an die Stadt Osnabrück, gleichfalls regelmäßig Millionen in den Zoo zu stecken, sei damit aber nicht verbunden, betont der Geschäftsführer auf Nachfrage unserer Redaktion. Wir sind sehr stolz auf unsere niedrige Bezuschussung und wollen gar nicht mehr haben.″

Es sei denn, es kommt tatsächlich einmal hart auf hart. Dann wünscht sich der Zoo zumindest ein Überbrückungsgeld. Busemann: Das Einzige, was ich von der Stadt Osnabrück erwarte, ist die Bereitschaft, uns bei Liquiditätsschwierigkeiten geräuschlos und ohne Vorbehalte zu unterstützen.″ Und so ein Worst-Case-Szenario sei nicht weit hergeholt: Schon ein Schlechtwetterjahr oder eine Tierseuche könne den Zoo Osnabrück in Existenznot stürzen.

Alle Zahlen, Daten und Fakten zum Osnabrücker Zoojahr 2016 lesen Sie bei uns im Internet auf noz.de/ zoo

Bildtext:
Wer ist der Stärkere? Wie diese beiden Elefanten aus dem Zoo Osnabrück ringt auch der Tierpark selbst mit seinen Konkurrenten um die Gunst der Besucher dies mit ungleichen Mitteln. Denn anders als seine Mitbewerber wird der Zoo Osnabrück längst nicht so stark kommunal subventioniert.

Foto:
David Ebener
Autor:
Sebastian Stricker


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