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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Meisen machen sich rar
Zwischenüberschrift:
Erste Ergebnisse der Nabu-Zählaktion – Experte: Bucheckern locken Vögel in die Wälder
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Alle Vögel sind schon da″, beginnt ein bekanntes Kinderlied. Auf Meisen, Grünfinken und Kernbeißer an den Futterhäuschen in ihren Gärten warten die Niedersachsen in diesem Winter aber oft vergeblich.

Osnabrück. Die Zahl der bei der Nabu-Mitmachaktion Stunde der Wintervögel″ beobachteten Vögel nimmt auch in Niedersachsen spürbar ab. Mit einem Rückgang von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr haben sich vor allem Kohlmeisen und andere Meisenarten in diesem Winter besonders rar gemacht. Starke Rückgänge gibt es auch bei Grünfinken und Kernbeißern.

Trotz steigender Beteiligung an der Aktion wurden in den niedersächsischen Gärten bislang knapp 8000 Vögel weniger als im Vorjahr gezählt, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Nabu-Niedersachsen Ulrich Thüre unserer Redaktion.

Der häufigste Gast in den Gärten im Emsland, in der Grafschaft Bentheim und im Osnabrücker Land ist nach wie vor der Haussperling. Nur im Stadtgebiet Osnabrück fällt er nach den neuen Zahlen auf Platz drei zurück und liegt damit hinter Amsel und Kohlmeise. Allerdings zeigt der Haussperling in der Grafschaft und im Osnabrücker Land auch teils starke Abnahmetendenzen gegenüber dem Vorjahr. Sein Bestand im Emsland ist dagegen noch gewachsen. Jutta Over vom Nabu-Emsland führt das auf die verbreitete Kleintier- und Pferdehaltung zurück. Auch die Zahl der Amseln ist nach ihren Angaben in der gesamten Nordwest-Region gestiegen. Laut Over wurden im Osnabrücker Land in diesem Winter zudem mehr Waldarten wie Spechte und der Fichtenkreuzschnabel gesehen. Eine Besonderheit im Emsland sei die vermehrte Beobachtung von Rotdrosseln, Wacholderdrosseln, Teichhühnern und Austernfischern. In der ganzen Region hätten Teilnehmer der Zählaktion auch Wintergoldhähnchen gesichtet: Laut Over ist es mit einem Gewicht zwischen vier und sieben Gramm der kleinste Vogel Europas.

Die Region Delmenhorst fällt durch einige Abweichungen vom Bundes- und Landestrend auf: Dort nimmt statt des Haussperlings zum Beispiel die Amsel den ersten Platz der beobachteten Vögel ein. Nach Angaben von Bezirksgeschäftsführer Rüdiger Wohlers bringt es der Haussperling in Delmenhorst mit einer Verbreitung in 44 Prozent der Gärten nur auf den vierten Platz. Gegen den Trend steht auch die Blaumeise mit einer Verbreitung in 76 Prozent der Gärten. An der Delme landet sie damit auf dem zweiten Platz. Den dritten Platz nimmt die Kohlmeise ein. Die niedersächsischen Ergebnisse der Zählung decken sich sonst weitgehend mit den bundesweiten Ergebnissen.

Den Rückgang der Meisen in unseren Gärten führt der Ornithologe und Verhaltensforscher Peter Berthold vor allem auf ein derzeit sehr großes Angebot an Bucheckern in den Wäldern zurück. Das Jahr 2016 sei eines der stärksten Bucheckernjahre der letzten 30 Jahre im europäischen Raum gewesen, sagt Berthold. Auch jetzt noch fielen von den Rotbuchen viele Früchte zu Boden. Und Bucheckern sind nun mal das Lieblingsfutter von Meisen, Spechten und vielen anderen Vögeln″, betont der ehemalige Leiter der Vogelwarte Radolfzell, einer Zweigstelle des Max-Planck-Instituts für Ornithologie. Ähnlich starke Bucheckernjahre seien auch 2008 und 2009 gewesen. Da sind die Meisen dann zur Brutzeit wieder in die Gärten zurückgekehrt″, macht Berthold allen Meisenfreunden Hoffnung. Auch das wegen des nasskalten Frühlings schlechte Brutjahr 2016 habe aber wohl zu den sinkenden Zahlen beigetragen, meint er.

Den Aderlass bei den Grünlingen″ (Grünfinken) führt Berthold auf die Ausbreitung von tödlichen Infektionen durch den Erreger Trichomonas gallinae″ zurück. Nach Angaben von Nabu-Sprecherin Over ist ihr Bestand in den Regionen Emsland, Osnabrück und Grafschaft Bentheim um insgesamt 81 Prozent zurückgegangen.

Bildtext:
Ein seltener Anblick: Die Zahl der Kohlmeisen in niedersächsischen Gärten geht nach ersten Ergebnissen der Nabu-Mitmachaktion Stunde der Wintervögel″ drastisch zurück.

Foto: dpa
Autor:
Waltraud Messmann


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