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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der Kampf mit den Leerstellen
Zwischenüberschrift:
Theater Osnabrück rekonstruiert beide „Totentänze″ Mary Wigmans
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Das Osnabrücker Theater rekonstruiert gerade Mary Wigmans Totentanz I″ und Totentanz II″. Tanzhistorikerin und - dramaturgin Patricia Stöckemann schildert, wie das Team die vielen Leerstellen zu füllen versucht.

Nach Mary Wigmans Choreografie Le Sacre du Printemps″ ist das Osnabrücker Theater gerade dabei, mit finanzieller Hilfe der Bundeskulturstiftung auch die beiden Totentänze der berühmten Ausdruckstänzerin zu rekonstruieren. Doch diese Arbeit bezeichnet Patricia Stöckemann, Tanzdramaturgin und - managerin der Osnabrücker Dance Company″, als noch deutlich schwieriger als die an Sacre″ von 2013.

Denn: Bei der 1957 uraufgeführten Choreografie gab es den Rahmen von Strawinskys Musik, es halfen die Partitur mit den schriftlichen Eintragungen Mary Wigmans und ihre Skizzen zur Choreografie. Für den Totentanz I (1917, 1921) und den Totentanz II (1926) gibt es in dieser Hinsicht so gut wie gar nichts , so Patricia Stöckemann.

Erschwerend kommt noch hinzu: Katharine Sehnert, Wigman-Schülerin, stieß erst in den 50er-Jahren zu Mary Wigman, lernte also eine schon ältere Wigman kennen und nicht die junge Ausdruckstänzerin der 20er-Jahre. Sehnert steht infolgedessen selbst noch als Zeitzeugin vor den Fragen, die das ganze Rekonstruktionsteam derzeit beschäftigt: Wie sahen sie wirklich aus, die Tanzbewegungen und Abläufe für die beiden Totentänze?

Videos gab es damals noch nicht, erläutert Tanzhistorikerin Stöckemann, und Fotos wurden nur wenige gemacht. Sie konnten eben auch nicht Bewegungsabläufe festhalten, waren eher statisch, weil als Momentaufnahme aus der Choreografie gestellt, und schwarz-weiß. Die Kostümfarben sind so heute nicht erkennbar. Als Glücksfall kann man da bezeichnen, dass der Künstler Ernst Ludwig Kirchner Skizzen während der Tanzarbeit an Totentanz II″ angefertigt hat. Denn seine schwungvoll skizzierten Linien für die Tanzfiguren und sein Ölgemälde Totentanz der Mary Wigman″ mit farbigen Tänzerkostümen vermitteln viel von den kraftvollen, oft wuchtig wirkenden Bewegungen, die den Stil Wigmans für die Tänze ausmachten. Das ist die Moderne″, soll Kirchner begeistert bei den Proben ausgerufen haben.

Totentänze hat es schon vor Wigman im Tanz gegeben, aber eben noch in der klassischen Formensprache des 19. Jahrhunderts. Die schrecklichen Erfahrungen des Ersten Weltkriegs, die sich im Expressionismus künstlerisch neu formulierten, lagen in der Luft auch für Wigmans vom Ballett-Korsett befreiten, den Boden einbeziehenden Ausdruckstanz über den Tod, das Dämonische, die Schattenwesen der Lemuren aus einem Zwischenreich.

Erst viel später ist eine Notation angefertigt worden. Doch eine Notation ist immer nur ein Skelett und der Notator selbst auch nur ein Filter dessen, wie die Tänze wirklich waren″, gibt Stöckemann zu bedenken. Bleiben die Aufzeichnungen Mary Wigmans mit ihren inhaltlichen Vorstellungen für die vier Tänzerinnen: sie selbst, Gret Palucca, Yvonne Georgi und Berthe Trümpy. Bleiben die wenigen zeitgenössischen Kritiken zu den Totentänzen und die fünf originalen Masken.

Aus all diesen Spurenelementen baut das Rekonstruktionsteam um die Choreografinnen Henrietta Horn und Susan Barnett nun die beiden Tänze Es ist ein empathischer Prozess im Geiste von Wigman, eine Annäherung mit Fragen und Leerstellen. Das Original entschlüpft immer wieder, dessen muss man sich bewusst sein.″

Premiere: 11. Februar, Theater am Domhof. Kartentel. 05 41/ 7 60 00 76.

Serie Mary Wigman in Osnabrück

Foto: Jörg Landsberg
Autor:
Christine Adam


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