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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Als Hellmann noch Kohlen verkaufte
Zwischenüberschrift:
Fuhrunternehmen deckte den täglichen Brennstoffbedarf von Firmen und Privatleuten
Artikel:
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Originaltext:
Wer die Wildgänse im Firmenlogo der Firma Hellmann mit weltweiten Logistikdienstleistungen in Verbindung bringt, liegt nicht falsch. Aber es gab auch schon Zeiten, da war der Kohlenhandel ein nennenswerter Geschäftszweig des Unternehmens.

Osnabrück. Wie die meisten Fuhrunternehmer orientierte sich Carl Hellmann an der Bahn, als er 1871 sein EinMann-Unternehmen in Osnabrück gründete. Die Güterbeförderung über weite Strecken war Sache der Bahn. Der Spediteur kam erst für den Zustellverkehr ab Bahnhof ins Spiel.

Hellmann zog vom Gründungsstandort Koksche Straße an die Dammstraße und die Niedersachsenstraße, später an die Karlstraße, wo die Schuppen des alten Hannoverschen Güterbahnhofs für Umschlag und Lagerung gerade recht waren.

Erst 1960, also einige Jahre nach diesen historischen Aufnahmen, begründete Hellmann das Logistikzentrum an der Elbestraße im Hafen, von wo aus die rasante Expansion bis zum heutigen Stand von 12 500 Mitarbeitern, die mit 244 Niederlassungen auf allen fünf Kontinenten einen Jahresumsatz von 3, 1 Milliarden Euro erwirtschaften, ihren Ausgang nahm.

Doch zunächst ging es um Nähe zu den Bahnanlagen. Das geborene Transportmittel für das Schüttgut Kohle war die Bahn. Schon allein, weil diese selbst ein Großverbraucher war, musste sie doch ihre Dampfloks befeuern. Was lag da näher, als einen Kohlenhandel direkt an der Quelle aufzumachen, also am Entladegleis, zu dem Hellmann einen direkten Zugang besaß? 1919 fing Carl Hellmanns Sohn Emil damit an der Bruchstraße an. So hieß damals die kleine Straße entlang der Bahn, die erst weit nach dem Zweiten Weltkrieg als Konrad-Adenauer-Ring zu einem Teil des vierspurig geführten Inneren Rings ausgebaut wurde. Heute gibt es die Bruchstraße nur noch in ihrem nördlichen Abschnitt zwischen Bahnhofsvorplatz und DGB-Haus.

Jedes Haus brauchte damals Kohlen, Koks oder Briketts, denn das war das Heizmittel der Wahl. Zunächst belieferte Hellmann nur Privathaushalte, sehr schnell dann auch Firmen und Behörden. Im Lager wurden die Brennstoffe zentnerweise abgewogen und in Säcke gefüllt. Damit die Säcke nicht zweckentfremdet werden konnten, beschriftete ein Arbeiter sie mittels Schablone und Farbpinsel. Mit dem Pferdefuhrwerk lieferte der Kutscher die Säcke aus. Das war richtige Knochenarbeit″, sagt dazu Hellmanns Unternehmenshistoriker Professor Gerhard Lohmeier, denn jede Familie hatte ihren eigenen Kohlenkeller und erwartete, dass der Fahrer die Säcke dort hineintrug″.

Eine große Erleichterung war es, als Hellmann in den 1950er-Jahren einen Kohleschütt-Anhänger anschaffte. Wenn die Örtlichkeit es zuließ, konnte man damit direkt an das Kellerfenster heranfahren und die Kohle über eine Schüttrampe in den Keller laufen lassen. Leider war das meist nur bei Behörden, Firmen oder größeren Wohnblocks möglich.

Mitte der 1950er hatten die Pferdefuhrwerke langsam ausgedient. Motorisierte Kleinlaster und Zugmaschinen übernahmen die Transportaufgaben. Aber Hellmanns verbliebenes Pferd, die gute alte Lisa″, zog als Letzte ihres Standes noch bis 1961 den Wagen durch enge Innenstadt-Gassen, bis sie schließlich ihr Gnadenbrot im Stall genießen durfte. Dies war auch die Zeit, als sich die Ölheizungen immer mehr durchsetzten. Der Kohlenhandel rentierte sich nicht mehr. Mit dem Umzug in den Hafen entschieden die Hellmänner, den Kohlenhandel aufzugeben.

Serie Zeitreise

So war es früher: Berichte aus dem alten Osnabrück auf noz.de/ historisch-os

Bildtext:
Der Kohlenhandel Hellmann war von 1919 bis in die 1950er-Jahre an der Bruchstraße (heute Konrad-Adenauer-Ring) angesiedelt. Durch die Bahnunterführung gelangt man zum Güterbahnhof und zur Hamburger Straße. Am linken Bildrand ist das Gebäude der Papiergroßhandlung Hummel zu erkennen.

Eine Waschstraße nimmt heute das Eckgrundstück Konrad-Adenauer-Ring/ Niedersachsenstraße ein.

Ein Kohleschütt-Wagen erleichterte um 1958 schon die Arbeit.

Um Missbrauch einzuschränken, beschriftete ein Arbeiter die Kohlesäcke mittels Schablone und Farbpinsel.

Die treue Lisa und eine Kollegin mussten ab und an auch noch ran.

Wiegen und Abfüllen der Kohle in Zentnersäcke.

Fotos:
Firmenarchiv Hellmann Worldwide, J. Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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