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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Wurzel aller Gewalt?
Zwischenüberschrift:
„Totale Religion?″: Kritiker Jan Assmann diskutiert im Theater Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Sind monotheistische Religionen die Ursache von Gewalt? Mit seinen Thesen zu der Rolle von Religionen heute hat der Kulturwissenschaftler Jan Assmann für Aufsehen gesorgt. Jetzt kommt er nach Osnabrück.

Osnabrück. Er ist Star der Kulturwissenschaft, tiefsinniger Deuter von Mozarts Zauberflöte″ und entschiedener Kritiker monotheistischer Religionen der Ägyptologe Jan Assmann. In Vorstellungswelt und Sprache monotheistischer Religionen wurzelt die Gewalt: Mit dieser These bezieht Assmann entschieden Position in der Debatte um Religion und Terrorismus.

Totale Religion?″: Der Titel seines aktuellen Buches liefert auch die Überschrift für den Diskussionsabend, zu dem Jan Assmann nach Osnabrück kommt. Am Montag, 16. Januar, diskutiert Assmann ab 20 Uhr im Oberen Foyer des Theaters am Domhof gemeinsam mit dem Theaterintendanten Ralf Waldschmidt und dem Leitenden Schauspieldramaturgen Jens Peters. Im Anschluss an die Podiumsrunde soll das Gespräch für das Publikum geöffnet werden.

Prof. Dr. Jan Assmann lehrte von 1976 bis 2003 als Ägyptologe an der Universität Heidelberg. Assmann trat mit richtungsweisenden Büchern zur Gedächtnisforschung in Erscheinung und beeinflusste die Kulturwissenschaften damit maßgeblich. In dem 2005 publizierten Buch Die Zauberflöte. Oper und Mysterium″ deutete er Mozarts Oper als Initiationsreise im Sinn der Freimaurerei.

Liegt die Wurzel für Gewalt im Wahrheitsanspruch der monotheistischen Religionen? Gibt es gar eine direkte Verbindung zwischen dem Monotheismus und den Terroranschlägen vom 11. September 2001, mit denen eine Ära begann, in der nicht nur Terrorismus eine neue Qualität erreichte, sondern auch weltweite Konflikte zwischen Kulturen und Religionen an Schärfe zugenommen haben? Jan Assmann hat mit einem Essay auf der Online-Plattform Perlentaucher 2013 die Debatte um die Fragen entzündet. Assmann ist damit zu einem der deutlichsten Kritiker monotheistischer Religionen und ihres Wahrheitsanspruches avanciert.

Die Diskussionsveranstaltung bildet das Zentrum des Spielzeit-Themas Aufklärung″, mit dem das Theater Osnabrück in der Spielzeit 2016/ 2017 nach dem Erbe der Aufklärung und dessen aktuellem Stellenwert fragt. Können Theater den Brückenschlag zwischen der Aufklärung und unserer Situation heute betreiben?″, fragt Theaterintendant Ralf Waldschmidt. Im 18. Jahrhundert sei der Versuch unternommen worden, das Zusammenleben der Menschen mit einer Sprache der Vernunft zu zivilisieren. Diese Aufgabe stellt sich nach Waldschmidt heute neu. Dabei müsse auch die Rolle der großen Religionen neu befragt werden.

Die Diskussion mit Jan Assmann steht im Kontext gleich mehrerer Produktionen des Theaters Osnabrück, die das Thema Aufklärung umkreisen und Fragen danach anregen, wie es um Erbe und Einfluss der Aufklärung heute steht. Dabei stehen Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Die Zauberflöte″ und Gotthold Ephraim Lessings Schauspiel Nathan der Weise″ im Zentrum des aktuellen Spielplanes. Hinzu kommen Georg Büchners Drama Dantons Tod″ und die dramatisierte Fassung von Michel Houellebecqs Roman Unterwerfung″.

Im Zusammenhang mit diesen Aufführungen steht auch die Produktion von Lessings Freimaurer-Gesprächen Ernst und Falk″, die mit großem Publikumserfolg im Lortzinghaus, dem Haus der Osnabrücker Freimaurerloge Zum Goldenen Rade″, aufgeführt wird. Wie schon bei der Produktion von Ernst und Falk″ tritt die Freimaurerloge auch bei der Diskussionsveranstaltung mit Jan Assmann als Kooperationspartner des Theaters Osnabrück auf. Die Freimaurerei feiert im Jahr 2017 ihren 300. Geburtstag und verweist dabei auf die Gründung der ersten Großloge in London 1717. In diesem Jahr wollen auch wir die Frage nach der Aktualität der Aufklärung stellen. Den entsprechenden Themenschwerpunkt des Theaters Osnabrück unterstützen wir deshalb gern″, sagt Matthias Baethge, Meister vom Stuhl der Osnabrücker Loge Zum Goldenen Rade″.

Thema Aufklärung: Hintergründe und Analysen lesen Sie im Internet auf noz.de / kultur

Bildtexte:
Die großen Religionen als unförmige Charaktermasken: Das Hamburger Thalia-Theater brachte Lessings Nathan der Weise″ 2009 mit satirisch überzeichneten Akteuren auf die Bühne. Regie führte seinerzeit Nicolas Stemann.

Kritiker der Religionen: Jan Assmann.

Fotos:
dpa, privat
Autor:
Stefan Lüddemann


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