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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Hilfswerk soll sich stärker einmischen
Zwischenüberschrift:
50 Jahre terre des hommes
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Als Innenminister Boris Pistorius seine Rede mit den Worten schloss, dass es besser wäre, sagen zu können, terre des hommes würde nicht mehr gebraucht, nickten viele der Gäste, die am Samstag das 50-jährige Bestehen der Kinderhilfsorganisation in die Osnabrück-Halle mitfeierten.

Osnabrück. Doch in den vergangenen 50 Jahren wurde terre des hommes (tdh) bitter nötig gebraucht. Wir hatten keinen Businessplan, sondern haben uns geschämt angesichts des Leids der Kinder″, sagte Edgar Marsh, Vorsitzender des tdh-Präsidiums, über die Anfänge der Organisation, die 1967 von Lutz Beisel gegründet wurde. Beisel beschrieb in seiner Festrede noch einmal, wie er mithilfe des Schweizers Edmond Kaiser die Kinderhilfsorganisation ins Leben gerufen hatte.

Beisel hatte in einer Zeitschrift gelesen, dass aus dem Kriegsland Vietnam Kinder in die Schweiz geflogen wurden. Das war die Initialzündung für die Gründung von tdh Deutschland. Beisel verriet auch, warum die Organisation seit 1969 ihren Sitz in Osnabrück hat. Ein Jahr zuvor war in Nigeria ein Krieg ausgebrochen. Dort wollte sich die Provinz Biafra unabhängig machen. Leidtragende waren wie so oft Kinder. Kaiser war vor Ort und suchte anschließend Unterstützung in Deutschland, um ein Kinderdorf in Gabun zu errichten. Unterstützung fand Beisel in Osnabrück.

Der hier lebende Textilkaufmann Dieter Hartmann sprach fließend Französisch und flog nach Afrika, um das Kinderdorf zu errichten. Dadurch ist terre des hommes sehr bekannt geworden″, erzählte Beisel. Als er Hartmann bat, sich weiterhin für die wachsende Organisation zu engagieren, stellte der eine Bedingung: Das Ganze muss in Osnabrück stattfinden.″

Für seine Ausführungen spendeten die zahlreichen Geburtstagsgäste dem tdh-Gründer stehende Ovationen. Männer wie Beisel machten den Unterschied, sagte der Soziologie-Professor und Gründer der Stiftung Futurzwei″, Harald Welzer, in seinem Festvortrag. Zu sagen, man kann ja eh nichts machen″, dagegen müsse man sich entscheiden, so Welzer. Dass sich unsere moderne Gesellschaft so positiv nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelt habe, liege an Impulsen aus der Zivilgesellschaft von den Lutz Beisern dieser Welt″, sagte Welzer.

Nun sei unsere Welt aber an einen Punkt gekommen, an dem die Möglichkeiten, Dinge von unten zu ändern, sich verschlechterten, da es immer weniger Demokratien gebe. In Deutschland habe der Herbst 2015, als zahlreiche Flüchtlinge hier Schutz suchten, gezeigt, was in einer funktionierenden Demokratie möglich sei. Diese Errungenschaften werden laut Welzer jedoch von interessengesteuerten Politikern″ zerstört. Als Beispiel führte er den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer an, der Themen vom rechten politischen Rand in die Mitte der Gesellschaft hieve. Welzer warnte davor, Flüchtlinge zu einem Problem zu machen, und forderte, dass der politische Einfluss von tdh größer werden müsse.

Schinken für Bildung

In einem moderierten Gespräch mit Unternehmern, die tdh unterstützen, wurde deutlich, dass deren Engagement vor allem auf die Bildung von jungen Menschen in Entwicklungsländern abzielt. Auch die Hilfe zur Selbsthilfe sei gefragt. Gabriele Mutsaers vom Fleischwarenproduzenten Bedford berichtete, dass der bundesweite Verkauf des Osnabrücker Friedensschinkens es ermöglicht habe, eine Schule für 1500 Kinder in Angola zu finanzieren. Die Friedensstadt bleibt ihr verlässlicher Partner″, sagte dann auch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert an die Adresse von tdh.

Auch Boris Pistorius forderte, dass mehr Geld in die Bekämpfung von Fluchtursachen als in die Abschottung vor Flüchtlingen gesteckt wird. Wir brauchen mehr solcher Organisationen wie terre des hommes″, sagte er. Daran, dass sie in den kommenden 50 Jahren nicht mehr nötig seien, glaube er aber nicht. Ich neige nicht zur Naivität.″

Bildtext:
Lutz Beisel, Gründer von terre des hommes.

Foto:
Osterfeld
Autor:
Thomas Wübker


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