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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Leben in der Tonne
Zwischenüberschrift:
Nissenhütten dienten nach dem Krieg als Notunterkünfte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die große Wohnungsnot nach dem Krieg ließ auch in Osnabrück eine Wohnform entstehen, die eigentlich gar nicht als Ganzjahres-Behausung für Familien gedacht und geeignet war: die sogenannten Nissenhütten.

Osnabrück. Sie haben nichts mit den Nissen aus dem Tierreich, also den Eiern der Kopfläuse, zu tun, obwohl diese wahrscheinlich auch häufiger dort anzutreffen waren. Sie gehen auf eine Erfindung des kanadischen Offiziers Peter Norman Nissen (1871– 1930) zurück. Der hatte im Ersten Weltkrieg für das englische Militär eine normierte Leichtbau-Unterkunft aus Fertigteilen entwickelt. Die Stahlträgerkonstruktion mit einem halbkreisförmigen Wellblechdach sollte, so die Norm, von vier Männern in vier Stunden aufgebaut werden können. Typische Anwendungsfälle waren Gefangenenunterkünfte, Werkstätten und Magazine. Die Grundfläche betrug 11, 5 mal fünf Meter.

1945 war die Wohnungsnot in Osnabrück unbeschreiblich groß. Zu den Zehntausenden von Obdachlosen, deren Wohnungen im Bombenkrieg vernichtet oder beschädigt worden waren, kamen Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten hinzu. Als eine Maßnahme übernahm die Stadt Nissenhütten vom britischen Militär und ließ sie zu Beginn des Winters 1946/ 47 an verschiedenen Stellen aufstellen, so in Eversburg an der Piesberger Straße in direkter Nachbarschaft zur späteren Siedlung Eichengrund″, an der Römereschstraße, Landwehrstraße, Augustenburger Straße und Ebertallee.

Aus Mangel an Baumaterialien waren die Baracken zumeist nicht mit Fußbodenbrettern, sondern mit einer Ziegelflachschicht auf Schotter ausgeführt, was für beständige Fußkälte sorgte. Die doppelwandige Wellblechhülle besaß zunächst keine Isolierung. Da der ungeschützte Eingang ohne Vorraum direkt ins Freie führte, drang ständig Zugluft in das Innere und machte eine Beheizung außerordentlich schwierig. Die Baracken waren je nach Kinderzahl für eine oder zwei Familien ausgelegt. Die Wohnungstrennung bestand meist aus aufgehängten Bettlaken. Eine Sanitärbaracke (Wasch- und Abortbaracke) kam etwa auf zehn Wohnhütten. Die Sanitärbaracken waren im Winter oft eingefroren, so wurden die Fäkalien ins Gelände gekippt oder vergraben.

Sosehr man auch heizte, bei Frost stieg die Temperatur in den fensterlosen Hütten am Tage selten über null Grad. Erkältungen und Erkrankungen vor allem bei den Kindern waren oft die Folge. Im Januar 1947 stellte das Osnabrücker Wohnungsamt offiziell fest, dass die 48 in Nissenhütten untergebrachten Wohnungen in der jetzigen Verfassung im Winter nicht bewohnbar″ seien.

Leid und Armut

Doch was sollte man machen? Noch immer warteten 18 000 Osnabrücker, darunter 6000 entlassene Kriegsgefangene, auf die Möglichkeit, wieder in ihre Heimatstadt zurückkehren zu können. 5514 Anträge auf Zuzug lagen am Jahresbeginn 1947 unerledigt im Wohnungsamt. Im Juli 1947 waren immer noch 37 Nissenhütten in Nutzung, von denen erst zehn als winterfest galten.

Der Gemeindebrief der Pauluskirche schrieb 1950: Da stehen an der Ecke Ebertallee und Jägerstraße die verrosteten Wellblechbaracken, in denen auch heute noch Osnabrücker Familien ein Heim′ haben. Was sich in diesen Nissenhütten an Elend und Armut und Leid birgt, davon macht sich ein Außenstehender kaum ein Bild. Diese Elendsquartiere im Schatten der Pauluskirche sind ein Schandfleck im Stadtbild und eine Anklage an unsere Zeit.″

Mit dem Bau der Heimkehrer-Siedlungen″ am Stadtrand und dem Emporwachsen der Neubaublöcke der Wohnungsbaugenossenschaften verschwanden die Nissenhütten nach und nach. Die letzten Großform-Nissenhütten standen bis 1957 auf dem Ledenhof und bis 1960 im Schlossgarten als britisch-deutsches Kulturzentrum Brücke″ und als NAAFI-Kaufladen.

So war es früher: Berichte aus dem alten Osnabrück auf noz.de/ historisch-os Serie Zeitreise

Bildtexte:

Eine bewohnte Nissenhütte in Eversburg im Eck Piesberger Straße/ Wippchenmoor, vermutlich um 1950. Im Hintergrund sind die neuen Häuser der Siedlung Eichengrund zu erkennen.

Piesberger Straße und Wippchenmoor sind heute komplett mit Häusern aus Stein bebaut.

Eine Nissenhütte an der Piesberger Straße.

Innenansicht einer Nissenhütte. Foto: Archiv Spratte,

aus: Wido Spratte, Zwischen Trümmern, Verlag Wenner, 1990.

Links Nissenhütten, rechts Holzbaracken, im Hintergrund neue Häuser in der Siedlung Eichengrund.

Fotos:
Bürgerverein Eversburg, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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