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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Spardiskussion um Theater: Tanz bedroht?
Zwischenüberschrift:
Kulturausschuss von Vorschlag im Verwaltungspapier völlig überrascht
Artikel:
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Originaltext:
Beginnt in Osnabrück eine Diskussion um die Schließung einer Sparte des Stadttheaters? Eine Verwaltungsvorlage enthält diesen Vorschlag. Der Kulturausschuss lehnt einhellig ab.

Osnabrück. Die junge Musikschülerin spielt Weihnachtslieder auf der Geige. Der syrische Praktikant bietet auf der arabischen Laute ein Liebeslied aus seiner vom Krieg geschundenen Heimat dar. Ringsumher stehen die Ateliertische der Kunstschule. Kreativer kann eine Raumatmosphäre kaum sein. Faszinierend und berührend″, sagt Sebastian Bracke (Bündnis 90/ Die Grünen), der Vorsitzende des Osnabrücker Kulturausschusses, als die Musik verklungen ist, und spricht dann aus, was alle denken dass es schwer sei, nach so zu Herzen gehenden Klängen einfach zu einer politischen Beratung überzugehen.

Aber die harte Wirklichkeit der Kulturpolitik hat Bracke und die anderen Mitglieder des Kulturausschusses am Mittwochabend unerwartet schnell wieder. Eigentlich geht es nur um die erste Sitzung des neu zusammengestellten Gremiums nach der Kommunalwahl. Die Stimmung ist gelöst. Man knabbert Weihnachtsgebäck. Bis eine Position in einer Vorlage zum Nachtragshaushalt 2017 des Rates auffällt.

In dem Schriftstück aus der Verwaltung geht es um mögliche Einsparungen. 300 000 Euro könnten als Einsparung vom Theater Osnabrück geleistet werden, heißt es da, wahlweise in zwei Varianten: durch Mehreinnahmen oder Spartenschließung. Wo kommt das her?″, fragt entgeistert Heiko Schlatermund von der SPD-Fraktion. Warum wird nicht mit den Betroffenen gesprochen?″, sekundiert Brigitte Neumann von der CDU.

Und Patricia Mersinger, Leiterin des Fachbereiches Kultur, hebt abwehrend die Hände. Nein, dieser Einsparvorschlag komme nicht aus ihrem Fachbereich, beteuert die Verwaltungsleiterin. Ein Beschlussvorschlag sei das ohnehin nicht. Ein Testballon?″, fragt Thomas Thiele (FDP) in den Raum. Aber von wem und mit welchem Zweck? Die Ratlosigkeit ist allgemein. Dabei scheint schon ausgemacht, dass die Stadt Osnabrück Tarifsteigerungen der am Theater Beschäftigten nur zu einem Teil übernimmt. Damit steigt ohnehin schon der Kostendruck auf die Bühne, die bereits erste Einsparauflagen hinnehmen musste. Mit einem städtischen Zuschuss von rund 10, 5 Millionen Euro, der 40 Prozent des Osnabrücker Kulturetats entspricht, so die Zahlen der Verwaltung, geht sicher viel städtisches Geld an das Theater. Das wird allerdings auch weit überwiegend für Personalkosten benötigt.

Die Verwaltungsvorlage zum Nachtragshaushalt 2017 führt auch gleich die Sparte auf, die geschlossen werden müsste, um eine Einsparung von 300 000 Euro zu erzielen. Es träfe den Tanz. Oder könnte das Geld durch höhere Kartenpreise eingespielt werden? Das Theater Osnabrück sei bereits hochpreisig″, sagt dazu Ausschussmitglied Günter Sandfort (CDU). Teurere Tickets würden die Auslastung drücken ein Teufelskreis. Einmütig warnen die Kulturpolitiker vor einer Spartenschließung. Der Schuss geht nach hinten los″, meint markig der frühere Ausschussvorsitzende Ludwig Lanver. Und Brigitte Neumann verlangt, die Diskussion nun zwingend mit jenen Personen zu führen, die bei diesem Thema mit an den Tisch gehörten den Theaterleuten.

Hintergründe zum Theater auf noz.de

Bildtext:
Die Tänzerinnen und Tänzer des Osnabrücker Theaters hatten in dem Stück Paradies Fluten″ einen ihrer großen Auftritte. Mit dem Stück von Thomas Köck startete das Spieltriebe″-Festival 2015. Nun könnte die Tanztruppe in ihrer Existenz bedroht sein.

Foto:
Jörg Landsberg

Kommentar:

Osnabrücks Theater braucht alle Sparten

Spartenschließung. Das Reizwort ist nun in der kulturpolitischen Debatte Osnabrücks. Der Vorschlag, womöglich auf eine Sparte des Theaters zu verzichten, um den kommunalen Etat zu entlasten, kommt allerdings von keinem Politiker. Er findet sich versteckt in einer Verwaltungsvorlage zum Nachtragshaushalt der Stadt. Die kulturpolitische Bombe als Randbemerkung im Kleingedruckten einer Vorschlagsliste? Gedankenloser lässt sich ein solch brisantes Thema nicht eröffnen. Auch wenn es nicht um einen Beschlussvorschlag geht. Dabei geht es nicht um einen Bestandsschutz für Kultur, der sich der Nachfrage entzieht. Wenn über das Geld einer Stadt und damit der Allgemeinheit gesprochen wird, gehören alle Haushaltsposten auf den Tisch. Das gebietet die Redlichkeit.

Redlich wäre es aber auch, den Verzicht auf ein Kulturangebot offen zu fordern, statt ihn durch die Hintertür in die Debatte zu bringen. Das ist Zündelei. Nun fragt sich jeder: Hat da nur ein Verwaltungsmann etwas aufgeschrieben, oder wird ein Thema bewusst lanciert? Den Hieb bekommen nun jene ab, die sich noch gar nicht äußern konnten die Theaterleute. Sie könnten das Gedankenspiel der Verwaltung als Vertrauensentzug bewerten. Damit wäre das Verhältnis von Stadt und Theater, das bislang stabil zu sein schien, empfindlich gestört. Das gilt umso mehr, als sich die Tanzcompagnie des Theaters anschickt, mit der Rekonstruktion von Mary Wigmans Totentanz″ ein von der Bundeskulturstiftung gefördertes Projekt auf die Bühne zu bringen. Das verdient Unterstützung, kein Kürzungsgerede. Osnabrücks Theater braucht alle Sparten. Wer eine Theatersparte schließen will, schadet nicht nur der Kunst, der schadet vor allem der Stadt. Das wiegt mehr als 300 000 Euro.
Autor:
Stefan Lüddemann


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