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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Tolle Angebote locken ins Freie
Zwischenüberschrift:
Naturerlebnispädagogik in Seeste
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Westerkappeln. Was passiert, wenn sich zwei Vollblutpädagogen mit unverhohlener Leidenschaft für die Biologie und den Naturschutz im beschaulichen Seeste niederlassen? Nun ja an der Schachselstraße 3, dort, wo Björg Dewert und Karl-Robert Wolf vor sechs Jahren ihre Zelte aufgeschlagen haben, ist die Bauerschaft seitdem um einiges wilder, grüner und spannender geworden.
Mit ihrem Verein Natur unterwegs″ und der Veranstaltungsreihe Ins Freie″ haben die beiden Umweltexperten sich zum Ziel gesetzt, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein intensives Gemeinschaftsgefühl, verbunden mit elementaren Erlebnissen in der Natur, zu vermitteln.
Die Holzstämme vor der Einfahrt stapeln sich wie in einem Sägewerk. Im Gemüsegarten scharrt ein Trupp Hühner die letzten nahrhaften Überbleibsel der vergangenen Ernte aus dem Boden. Das Flachdach des neu errichteten Schafstalls, das, na klar, irgendwann einmal fachmännisch begrünt werden soll, liegt begleitet vom blökenden Protest der vierbeinigen Anlieger vorerst noch unter einer Plastikfolie verborgen.
Wer auf einem alten Hof wohnt, kennt das: So viele Pläne, so viele Notwendigkeiten die Arbeit hört niemals auf. Bei derart kreativen Geistern wie Björg Dewert und Karl-Robert Wolf ganz sicher nicht.
Derzeit konzipiere ich eine Fortbildung für Erzieherinnen und Lehrer″, erzählt Björg Dewert. Die Natur- und Wildnispädagogin hat ihre berufliche Karriere mit einem Studium der Landschaftsentwicklung an der Fachhochschule Osnabrück begonnen und war anschließend elf Jahre im Leitungsteam des Lernstandorts Nackte Mühle tätig. Danach folgten diverse Fortbildungen.
Sie nippt an ihrem Kaffee, atmet tief durch und blickt zufrieden über das Panorama des Naturschutzgebiets Düsterdieker Niederung, das sich an ihr neues Zuhause anschließt.
Eigentlich, verrät Karl-Robert Wolf, habe seine Frau gar nicht hierherziehen wollen. Der gelernte Schlosser, promovierte Biologe, Erfinder und Betreiber des Krötenmobils″ und langjährige Leiter eines Planungsbüros unterrichtet seit 2008 Biologie und Chemie an der Kardinal-von-Galen-Realschule in Mettingen.
Wolf lächelt und deutet dann über den Garten zu einem kleinen Wäldchen, das das Grundstück zur einen Seite hin begrenzt. Da hat sie sich schließlich mitten hineingesetzt und nachgedacht.″ Björg Dewert nickt amüsiert: Ja, ich musste erst herauskriegen, ob ich eine Beziehung zu diesem Ort herstellen kann.″
Das Ergebnis ist unübersehbar: Zwischen einer kargen Blänke und üppig belebten Teichen, auf liebevoll angelegten Magerrasenzonen und Kräuterteppichen, rund herum um selbst gebaute Tipis und lebende Pavillons aus Weidengesträuch, ist ein einzigartiges und verwunschenes Naturidyll entstanden.
Ein Ort zum Wohlfühlen? Ganz bestimmt. Aber zugleich ein Ort, um genau dieses Gefühl auch anderen zu vermitteln. Wir möchten hier nicht mit erhobenem Zeigefinger irgendwelche Fakten über die Biologie lehren″, stellt Dewert klar, sondern unseren Gästen ermöglichen, ganz in Ruhe und unbeschwert wieder in Kontakt zur freien Natur auf der einen und zu ihrer eigenen Freiheit und Natürlichkeit auf der anderen Seite zu treten.″
Sich befreien, sich öffnen. Die Natur und die Erkenntnis, in ihr auf überraschend selbstverständliche Weise zurechtzukommen, genießen. Deshalb ja auch unser Logo″, sagt Wolf und verweist auf das kleine gemalte Küken, das gerade aus seinem Ei schlüpft. Wir wollen jeden dazu ermutigen, öfter mal aus seiner Pelle herauszukommen, in die der Alltag und die Gewohnheiten uns leider viel zu häufig hineinzwingen.″ Ob ein Frauenwochenende unter freiem Himmel, eine Feuerwerkstatt oder ein Vater-Kind-Scoutcamp, ob Schulprojekt, Teamtage für Unternehmen oder Geburtstagsfeiern das Angebot an der Schachselstraße 3 ist breit gefächert. Und: Es wird gut angenommen. Viele Kursteilnehmer kommen im folgenden Jahr gleich wieder″, freut sich Björg Dewert.
Zum Beispiel die Jugendlichen vom Englisch-Sprachcamp in der Wildnis″, so der Titel einer Veranstaltung, die alles andere als vielversprechend begann. Björg Dewert lacht laut auf bei der Erinnerung an das vermeintliche Desaster. Sie habe die jungen Teilnehmer gefragt, wer denn freiwillig und wer auf Initiative der Eltern hergekommen sei. Kaum einer hatte sich selbst für den Kurs entschieden″, berichtet sie kopfschüttelnd.
Aber die fünf Tage und Nächte, die die Schüler dann, tapfer Englisch sprechend, in der ländlichen Abgeschiedenheit miteinander verbrachten – „ die waren einfach großartig und haben die Gruppe zusammengeschweißt″, beschreibt Dewert.
Seitdem treffen sich die Jugendlichen regelmäßig in ihrer Freizeit und werden auch beim diesjährigen Born-to-be-wild″-Camp dabei sein freiwillig.
Die Kaffeetassen sind leer getrunken. Karl-Robert Wolf muss in die alte Bauernscheune zurück, die er gerade für die neue Veranstaltungssaison saniert: barrierefreie Wasch- und Sanitärräume, eine hell gestaltete Diele mit großem Ofen als Plenum für Gruppen, eine geräumige Gemeinschaftsküche. Zum Garten hin eine einladende Terrasse, auf deren Bedachung bereits die ersten Gräser sprießen.
Karl-Robert Wolf reibt sich die Hände, während Björg Dewert noch schnell Siegfried, den Ganter, aus den Beeten verscheucht. Die beiden Naturfreunde lassen ihre Blicke einmal mehr über das grüne Seeste und ihre kleine häusliche und wohl nie endende Baustelle schweifen und lächeln.

Bildtext:
Zwei Vollblutpädagogen, denen die Ideen nicht ausgehen: Karl-Robert Wolf und Björg Dewert haben ihre Zelte vor sechs Jahren in Seeste aufgeschlagen. Über ihren Verein Natur unterwegs″ wollen sie Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein Gefühl für Wildnis und Freiheit vermitteln.

Foto:
Ulrike Havermeyer
Autor:
Ulrike Havermeyer


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