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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wagenburg und Westumgehung
 
CDU und SPD geben Weststraße nicht auf
Zwischenüberschrift:
Große Einigkeit im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt: Die Wagenburg soll bleiben
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Wagenburg darf voraussichtlich am Finkenhügel bleiben. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt will die Fläche zwar als Wohngebiet ausweisen, zwei Bauparzellen für das alternative Wohnprojekt aber frei halten. Neuen Streit gibt es um die Westumgehung.

Neuer Streit um die Westumgehung: CDU und SPD wollen die Option für eine Entlastungsstraße offen- halten, obwohl bei der Bürgerbefragung eine Mehrheit dagegen war. Zugleich zeichnet sich ab, dass die Bewohner der Wagenburg am Finkenhügel

Osnabrück. Wenn wir eine zusätzliche Wohnbebauung schaffen, wird es auch zusätzliche Verkehre geben″, meinte der SPD-Politiker Ulrich Hus im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt, und die Ausschussvorsitzende Anette Meyer zu Strohen (CDU) sah es genauso: Diese Option sollte schon offenbleiben! Gegen die Stimmen von Grünen, FDP und Linken setzten die beiden großen Fraktionen durch, dass die Westumgehung in den nächsten Planungsschritten zwar auf zwei Spuren reduziert, aber nicht aus dem Flächennutzungsplan getilgt wird.

Vierspurig sollte die seit Jahren umstrittene Straße vor Jahrzehnten einmal werden, und entsprechend großzügig hatte die Stadt damals im Flächennutzungsplan einen breiten Korridor für die Trasse reserviert. Als sich vor zweieinhalb Jahren 51, 68 Prozent der Stimmberechtigten gegen die Entlastungsstraße West″ aussprachen, kam die Überlegung ins Spiel, die nicht mehr benötigten Flächen für den Wohnungsbau freizugeben. Diese Pläne gehen jetzt in die Bürgerbeteiligung. 150 bis 200 Wohnungen, so schätzt Franz Schürings vom Fachbereich Städtebau, werden entlang der Trasse entstehen können.

Über dieses Ziel sind sich die Fraktionen im Rat weitgehend einig. Zum politischen Zankapfel wird aber erneut die Westumgehung. Von einem Wortbruch″ sprach Volker Bajus von den Grünen, weil sich CDU und SPD nicht dauerhaft an das Votum der Bürgerbefragung gebunden fühlen. Sein Fraktionskollege Michael Kopatz erinnerte an die Absicht, den Autoverkehr zu reduzieren, um die Klimaziele zu erreichen. Wo sollen wir denn anfangen?″, fragte er, ohne eine Antwort zu bekommen.

Der FDP-Politiker Ulrich Hasskamp warf der Ratsmehrheit vor, sie wolle die Westumgehung durch die Hintertür durchdrücken. Wenn die Trasse nicht aus dem Flächennutzungsplan gestrichen werde, sei das eine Missachtung des Bürgerwillens.

Ganz anders positionierte sich die SPD. Ulrich Hus prophezeite, in zehn Jahren werde es in Osnabrück wieder zur Grundsatzdebatte kommen, und dann helfe es nicht weiter, wenn die geplante Trasse mit Häusern bebaut sei. Hus äußerte sich zugleich skeptisch über das Verkehrskonzept Westerberg und die sogenannten Berliner Kissen, die zur Beruhigung der viel befahrenen Straßenzüge beitragen sollen.

Überraschend konfliktfrei ging es jedoch zu, als der Ausschuss die Zukunft der Wagenburg erörterte. Der Fachbereich Städtebau hatte zwar vorgeschlagen, dem alternativen Wohnprojekt für zehn Leute Ersatzflächen in Atter oder in der Gartlage anzubieten, doch die wurden allgemein als unakzeptabel bewertet. Stattdessen gab es von der CDU bis zu den Grünen anerkennende Worte für die unkonventionellen Siedler vom Finkenhügel. Die Bauwagenkolonie sei eine Bereicherung″, meinte die Ausschussvorsitzende Anette Meyer zu Strohen zusammenfassend.

Nach der Beschlusslage wird das Gelände der Wagenburg zwar überplant und erschlossen, bleibt aber bis auf Weiteres von der Bebauung ausgespart. Nachbarschaftliche Konflikte zwischen dem Wohnprojekt , Wagenburg′ und dem heranrückenden Geschosswohnungsbau werden dabei nicht erwartet″, heißt es in der Vorlage für den Bebauungsplan.

Was die Stadt so alles plant:, Lesen Sie mehr im Internet auf noz.de

Bildtexte:
Die Wagenburg darf am Finkenhügel bleiben. Darauf hat sich der Ausschuss einhellig verständigt.

Die Option auf eine Westumgehung bleibt

Foto
Michael Gründel

Kommentar:

Sabotage am Verkehrskonzept Westerberg

So ganz überraschend kam es ja nicht, das Bekenntnis von CDU und SPD zur Westumgehung. Die beiden größten Fraktionen im Rat wollen sich ein Hintertürchen offen lassen für die Straße, die bei der Bürgerbefragung im Mai 2014 durchgefallen ist. Es mag auf den ersten Blick vernünftig erscheinen, sich für die Zukunft alle Optionen offenzulassen. Aber zugleich wird ein Signal ausgesandt, das erheblichen Schaden anrichten kann.

Wir wissen jetzt, dass eine große Mehrheit im Rat nicht an den Westerberg-Kompromiss glaubt. Das ist Sabotage. So wird das mit viel Mühe ausgehandelte Verkehrskonzept mutwillig in den Abgrund geredet. Wo sich schon die Beteiligten nur mit zusammengebissenen Zähnen am Runden Tisch auf eine gemeinsame Linie verständigen, da kann jedes falsche Wort eines Politikers zur selbsterfüllten Prophezeiung werden.

Wer etwas Neuem zum Durchbruch verhelfen will, sollte andere mit Entschlossenheit und Zuversicht mitziehen. Aber nicht mit permanenter Bedenkenhuberei das Scheitern herbeireden.
Autor:
rll


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