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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Rat verurteilt Jagd auf Oppositionelle
Zwischenüberschrift:
Appell an türkische Gemeinde
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrücker Stadtrat hat am Dienstagabend in einer gemeinsamen Erklärung aller Fraktionen die Verunglimpfung oppositioneller Türken in der Region Osnabrück aufs Schärfste″ verurteilt.

Osnabrück. In Osnabrück gilt Toleranz und Respekt.″ Mit diesem Satz beginnt die knappe Erklärung, die alle Fraktionen des Rates unterstützen. Weiter heißt es: Wir verurteilen aufs Schärfste die Verunglimpfungen von Anhängern der jetzigen türkischen Regierung gegenüber andersdenkenden Landsleuten.″ Die Friedensstadt rufe alle Beteiligten auf, dieses zu unterlassen.

Die Linken hatten eine etwas schärfere Formulierung vorgeschlagen, in der auch von Einschüchterung und Bedrohung die Rede ist, denen türkische Oppositionelle in der Region Osnabrück ausgesetzt seien.

Der Stadtrat reagiert damit auf einen Bericht unserer Zeitung über die Spaltung der türkischen Gemeinschaft in der Region in Anhänger und Gegner des türkischen Präsidenten Erdogan. Es ist eine Liste mit 31 Namen von Erdogan-Kritikern aufgetaucht. Die Betroffenen fühlen sich denunziert, bedroht und einer Hetzjagd ausgesetzt. Unter den Türken und Deutschtürken in der Region herrschten Angst und Verzweiflung, sagte ein Mann, dessen Name auf der Liste steht. Der Staatsschutz ermittelt gegen mutmaßliche Urheber der Liste wegen übler Nachrede.

In seltener Einmütigkeit und Entschlossenheit verurteilte der Stadtrat dieses Denunziantentum. Eine Aussprache und Abstimmung gab es nicht. Für den Rat ergriff Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) das Wort. Er äußerte seine Sorge, dass die gesellschaftlichen Grundwerte unseres Zusammenlebens wie Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Versammlungsfreiheit nicht bei allen Menschen ausreichend im Bewusstsein sind″. Es dürfe nicht geduldet werden, dass Menschen wegen ihrer Weltanschauung Repressalien ausgesetzt würden. Griesert kündigte an, diesen Aspekt der Werte und des friedlichen, respektvollen Zusammenlebens″ zu einem wesentlichen Schwerpunkt seiner Handgiftenrede zu machen. Der Handgiftentag an dem sich die Ratsmitglieder zum Zeichen der guten Zusammenarbeit die Hand reichen findet am Donnerstag, 5. Januar, statt.

Liveticker mit Videos:
noz.de/ lokales

Kommentar:

Wo ist die Empörung?

Der Stadtrat hat mit der gemeinsamen Erklärung ein deutliches Signal gesendet. Aber das darf nicht alles gewesen sein. Wo ist die Reaktion aus der türkischen Community?

Es ist schon eigenartig. Oder sogar beängstigend. Da kursiert eine Liste mit Namen von türkischstämmigen Menschen in unserer Region, die nicht der Anhängerschaft des türkischen Machtmenschen Erdogan zugerechnet und damit zu Staatsfeinden erklärt werden und kaum jemand empört sich. Daher ist es richtig und gut, dass der Stadtrat sehr deutlich diese Hetzjagd brandmarkt, die eine freiheitliche Gesellschaft nicht erdulden darf.

Eigentlicher Adressat der Ratserklärung ist die türkische Gemeinschaft in der Region Osnabrück, auch wenn sie darin nicht ausdrücklich genannt wird. Es ist nach der Berichterstattung über die innere Zerrissenheit der türkischen Gemeinschaft ebendort auffällig still geblieben. Keine türkische Organisation, keine Moschee-Gemeinde, kein Verein hat das Wort erhoben.

Auch in Osnabrück gibt es eine starke Gruppe von Erdogan-Anhängern, die sich zum Beispiel unter dem Dach der UETD (Union of European Turkish Democrats) gesammelt haben. Warum hat es die UETD in Osnabrück bislang nicht für nötig befunden, sich in aller Deutlichkeit von dieser Jagd auf Andersdenkende zu distanzieren?
Autor:
Wilfried Hinrichs


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