User Online: 1 | Timeout: 06:33Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Wer entrümpelt den Schinkel-Wald?
Zwischenüberschrift:
Seit Jahren kämpfen Bürgervereine um eine gesäuberte "grüne Lunge" - Stadtverwaltung nicht zuständig.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wieder einmal mehren sich die Klagelieder der Bürgerschaft im Stadtteil Schinkel über den miserablen Zustand des dortigen Waldgebietes, Anlaß und Grund des Melodienreigens sind Schutt und Asche, Gerümpel und Abfall, wahllos in der " grünen Lunge" verstreut sowie mangelhafte Bepflanzung und staubige Spazierwege. Die Beschwerde ist nicht jung. Heinrich Raabe, seit Bestehen des Osnabrücker Rates dessen Mitglied, machte sich schon vor 19 Jahren zum Sprachrohr aller lufthungrigen " Schinkelaner", indem er öffentlich auf den Schmutzzustand hinwies. Bis Heute lies der wackere Streiter für Sauberkeit und Ordnung nicht mehr von seinem Herzenswunsch ab, den Schinkelwald einmal ebenso hergerichtet zu sehen wie den Schölerberg. Erst vor wenigen Tagen machte er seinem nun fast zwei Jahrzehnten angestauten Ärger erneut Luft: " Die Stadt kann vieles lassen und vieles tun. Ich habe den Eindruch, daß sie in Schinkel vieles läßt."

Ob Heinrich Rabe in seinem Kampf für die Reinlichkeit bei der Verwaltung an die falsche Adresse geriet, soll an dieser Stelle nicht bis in alle Einzelheiten untersucht werden. Fest steht immerhin, daß der Stadt nur ein verschwindend kleiner Teil des bejammerten Waldgebietes gehört. Sie zeichnet lediglich für den Streifen zwischen der Bushaltestelle Bremer Straße/ Widukindland und der unterhalb liegenden Schule bzw. dem katholischen Kindergarten verantwortlich. Hier allein ist sie gehalten, den Besen anzusetzen. Der übrige Grund und Boden befindet sich in Privatbesitz. Wollte das Gartenamt auch dort die Pflege übernehmen, müßten entsprechende Verhandlungen mit den einzelnen Bauern vorangehen. Die Landwirte dürften mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit damit einverstanden sein, daß man seitens der Verwaltung die Ablagerungen aus der Jetztzeit beseitigt. Dahin gehen jedenfalls Kämpfer Rabes mit an Sicherheit grenzende Vermutungen. Er weiß offenbar um den " guten Willen" der bäuerlichen Eigentümer in dieser Frage.
Doch das Gartenamt ließ verlauten, es sei an einem Abtransport fremden Unrates überhabt nicht interessiert, da ein solches Beispiel schlechte Schule machen würde. Schließlich würden, so die Amtsmeinung, alle Privatpersonen denken, sie brauchten ihre Abfälle nur vor die Tür zu legen und die Stadt schaffe sie fort. Einlenkend verwies man aber auf das nächste Frühjahr. Dann soll am " Tag des Baumes" eine Aktion zum Schutz des Waldes gestartet werden, in deren Verlauf Schulkinder auch das Schinkelgebiet reinigen. Das sei als Einzelfall zu werden und nicht die Regel.
Ist der Stadt mithin die Verantwortung abzusprechen und ihre von vielen gewünschte Initiative auf privatem Grund ein recht ungebührliches Verlangen, so bleibt zu fragen, wer die Heilbehandlung des Waldstücks noch betreiben könnte. Da bietet sich zuerst einmal die Eigentümer selbst an, denn es erscheint recht und billig, wenn jeder seine ihm gehörende Scholle mit eigener Hand säubert. Aber kann den Landwirten zugemutet werden, auch von fremder Hand verstreuten Unrat fortwährend selbst aus dem eigenen Forst zu karren? Man muß ihnen immerhin schon zugute halten, daß sie ihren Landbesitz überhaupt der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Wahrscheinlich wäre es für sie angenehmer, Schilder mit der Inschrift aufzustellen: " Privatbesitz Durchgang verboten."
Zweitens wäre an die Anwohner zu denken, an jene, die über die Grüninsel Klage führen und sich in den Bäumen Schatten rexht betulich ergehen möchten. Die Bürger, zusammengeschlossen in den Bürgervereinen " Schinkel Ost", " Schinkel 1912" und " Widukindland" rührten sich bereits im Vorjahr und ließen die Dinge nicht unbesehen laufen. Am 13. Juni 1964 griffen sie zum erstenmal zur Selbsthilfe. Sie nahmen Forken und Schaufeln in die Fäuste und machten im Schinkelwald " reinen Tisch". Vielleicht in Erinnerung an jene denkwürdige Entrümplung, sannen die " Amateure vom Müll" jetzt erneut auf Verschönerung der Spazierfläche. Eine Geldsammlung der drei Vereine unter der Führung von " Widukindland" erbrachte die Summe von 1000 Mark. Davon erstand man Sitzbänke, die inzwischen aufgestellt worden sind. Sowohl mit Geld als mit Muskelkraft haben also die Schinkeler Waldläufer längst bewiesen, daß sie bereit sind, jederzeit mitzuarbeiten, Sie geben sich nicht mit nachhaltigen Forderungen zufrieden. Dennoch, ihr bewunderswerter Einsatz allein genügt nicht.
Wer also wird demnächst Abhilfe schaffen? Der Stadt kann es nicht zugemutet werden, und den Bauern offenbar auch nicht. Vielleicht gelingt es, jene ausfindig zu machen, die den Dreck verursachten. Für Sie würde der Abtransport des eigenen Abfalls sicherlich keine Überforderung bedeuten. Sollte die Suche nach den Übeltätern ergebnislos verlaufen, so bleibt wohl nichts anderes übrig, als daß sich die oben erwähnten drei Parteien, Stadt, Landwirte und Bürgervereine, gemeinsam an einer Lösung heranmachen. Es sei denn, wan würde sich entschließen, bis in die ferne Zukunft alles so zu belassen, wie es heute ist.

Bildtexte:
EIN SCHANDFLECK im Schinkel-Wald. Alte Karren eines ehemaligen Flohzirkus stehen motivlos zwischen den Bäumen.
EIN GEPFLEGTER SPAZIERWEG im Schölerberg. Die Seitenstreifensind sorgfältig geharkt.
Aufnahmen:
Fricke
Autor:
Se


Anfang der Liste Ende der Liste