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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Übernachtung im Wartesaal
Zwischenüberschrift:
November 1916: Offizier im Stroh, Gemüse aufs Brot, Versicherung fürs Schwein
Artikel:
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Originaltext:
Der Erste Weltkrieg tobt im dritten Jahr. Die Kapazitäten der Eisenbahnen sind durch Nachschub-Transporte an alle Fronten stark belastet. Das hat Ausdünnungen des Fahrplans für den normalen zivilen Bahnverkehr zur Folge, mit manchmal unliebsamen Überraschungen, wie die Osnabrücker Volkszeitung″ (OVZ) berichtet.

Osnabrück. Anfang November kommen 20 Reisende, die in Hannover abends den Acht-Uhr-Zug Richtung Altenbeken bestiegen haben und Stationen hinter Hameln erreichen wollen, in Hameln nicht weiter. Sie müssen die Nacht über im Wartesaal verbringen. Der wird für die Gestrandeten verdunkelt und abgeschlossen. Jeder versucht, so gut es geht, etwas Schlaf zu bekommen. Erst am nächsten Morgen um 6 3/ 4 Uhr können die Reisenden ihr Internierungslager″ verlassen und weiterfahren. Der Vorfall sei allen Reisenden eine Lehre″, schreibt die OVZ, die Einschränkung der Personenzüge macht es den Reisenden im Selbstinteresse zur Pflicht, sich vorher genau über den neuesten Fahrplan zu informieren. Unangenehme Wartezeiten sind sonst die Folge.″

Gemüse als Brotaufstrich empfiehlt die Tageszeitung. Nicht etwa als neue Idee für einen Veggie-Tag, sondern bitterer Not gehorchend: Bei der derzeitigen Knappheit an Brotaufstrichmitteln sei auf eine in manchen Gegenden wenig bekannte Verwendung von gekochtem kaltem Gemüse hingewiesen. Gekochtes, mit etwas Mehl oder Fett danach angeschmortes Gemüse ist auf Brot gelegt ein vorzüglicher Ersatz für Butter oder Marmelade.″ Das Gemüse soll nicht zu kalt, sondern bei Zimmertemperatur verzehrt werden, sonst verliert es an Geschmack. Die sogenannten Gemüsebrote″ enthalten reichlich Nährsalze und besitzen eine erfrischende Note. Besonders eignen sich gekochte zerkleinerte Möhren, aber auch Spinat und die Kohlarten. Ein Versuch ist jeder Hausfrau zu empfehlen.″

Auch die besseren Herrschaften″ gehen zur Selbstversorgung über: Im Anzeigenteil sucht ein Dr. Schöning, Bismarckstr. 38, ein Schwein zum Nachmästen zu kaufen″. Sollte er fündig werden, rät die Versicherungsbranche auch ihm eine Schweine-Versicherung″ an: In Anbetracht der großen Verlustmöglichkeiten ist die Versicherung von Schweinen gegen alle Verluste, einschließlich derjenigen, die sich nach dem Schlachten herausstellen, eine unbedingte Notwendigkeit″, inseriert Gustav Röver, Goethestr. 19, als Generalvertreter der Halensia-Viehversicherung.

Frau Bankdirektor Woldering, Möserstraße 7, sucht ein Zweitmädchen, welches auch Kinderwartung übernimmt, zu Januar oder Februar.″ An dieser Stellengesuch″-Anzeige mag heute der Begriff Kinderwartung″ für Beaufsichtigung und Erziehung amüsieren, mehr aber noch die Tatsache, dass hier offensichtlich die später so selbstbewusste und für Frauenrechte eintretende Ratsfrau und CDU-Landtagsabgeordnete Carla Woldering (1893–1983) unter der Berufsbezeichnung ihres Ehemannes auftritt, des Direktors der Deutschen Nationalbank Josef Woldering.

Sogenannte Kriegs-Sohlenschoner sollen die Lebensdauer von Schuhen verlängern. Die Schoner der Marke Eisenfest″ sind aus gewalztem Kernleder und deshalb Fabrikaten aus geringwertigem Leder an Haltbarkeit weit überlegen″. Sie ersparen für lange Zeit eine Neubesohlung und sind unter alte und neue Schuhe von jedermann leicht anzubringen. Pakete mit den dazu gehörigen Nägeln kosten zwölf Stück 50 Pfennig im Schuhhaus N. Meyer, Nicolaiort 2.

Die Heeresverwaltung lässt untersuchen, wie viele Juden in Zentraleinkaufsgesellschaften und weiteren Kriegsgesellschaften beschäftigt werden. Hintergrund sind die fortgesetzt beim Kriegsministerium einlaufenden Klagen, dass angeblich eine unverhältnismäßig große Zahl wehrpflichtiger Angehöriger des israelitischen Glaubens vom Heeresdienst befreit und in diesen Gesellschaften beschäftigt sei. Die Verwaltung will die Klagen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen und ihnen negativenfalls entschieden entgegentreten.

Wirt Keßling in Vinte hat einen guten Fang″ gemacht, wie die Zeitung schreibt: Mit Hilfe seines Hundes, der ausdauernd anschlug und sich nicht von der Stelle fortbringen ließ, entdeckte er in seiner Scheune einen russischen Kriegsgefangenen, welcher sich tief in einem daselbst lagernden Strohvorrat″ eingenistet hatte. Keßling nahm ihn fest und übergab ihn der Gendarmeriebehörde. Die Untersuchung ergibt, dass es sich um einen russischen Flieger-Oberleutnant handelt, der vor 14 Tagen aus einem Offiziers-Gefangenenlager entflohen ist.

Auch der Krieg schützt nicht vor Vandalismus. Der Verschönerungs- und Verkehrsverein zahlt bis auf Weiteres für jeden Einzelfall 50 Mark demjenigen, welcher Vandalen benennt und dazu hilft, die Taten zur Anzeige zu bringen. Es geht um Beschädigungen an Schonungen und Forsten, an den vom Verein aufgestellten Ruhebänken, an den von ihm angebrachten Wegezeichen und Schildern und um Quälerei von Hase-Schwänen.

Serie

So war es früher:

Berichte aus der Osnabrücker Geschichte auf noz.de/ historisch-os

Vor 100 Jahren
Autor:
Joachim Dierks


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