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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Festbeleuchtung in der Großen Straße
Zwischenüberschrift:
Bögen und Ringe trafen um 1970 den Zeitgeschmack
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die heutige Zeitreise″ führt uns in die späten 1960er- oder frühen 1970er-Jahre, als Osnabrück noch keine Fußgängerzonen kannte. Der Schnappschuss der vorweihnachtlich beleuchteten Großen Straße hält den Blick vom Nikolaiort in Richtung Jürgensort fest.

Osnabrück. Die Weihnachtseinkäufer quetschten sich auf den Bürgersteigen an den Schaufenstern entlang. Denn die Fahrbahn war für Fahrzeuge da, sogar wieder in beiden Richtungen, nachdem sich die versuchsweise eingeführte Einbahn-Regelung nicht bewährt hatte. Wer die andere Straßenseite erreichen wollte, tat gut daran, den Zebrastreifen zu nutzen.

Heute ist der Fußgängerbereich speziell für die 1a-Einkaufslage nicht mehr wegzudenken. Ein erster Teilabschnitt der Großen Straße, zwischen Nikolaiort und Georgstraße, wurde 1972 fertiggestellt, im Folgejahr das zweite Teilstück bis zum Neumarkt. Am 4. Oktober 1973 übergab Oberbürgermeister Ernst Weber den ersten zusammenhängenden Fußgängerbereich von 710 Meter Länge an die Bürgerschaft.

Für die zeitliche Einordnung des undatierten Fotos bedeutet das: Vor 1972″ und nach 1964″ denn das vor dem Zebrastreifen haltende Auto, der recht seltene DKW F 102, wurde von 1964 bis 1966 produziert. Das Modell war übrigens der letzte westdeutsche Serien-Pkw mit Zweitaktmotor. Der war damals schon nicht mehr zeitgemäß und ließ den F 102 zu einem verlustbringenden Ladenhüter werden.

Das Geschäft am rechten Bildrand, das Kunstgewerbe- und Geschenke-Haus Schäffer, ist für die zeitliche Einordnung weniger geeignet, denn es existiert seit 1891 bis heute ununterbrochen und feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen.

Auf der rechten Seite schließen sich wohlklingende Namen an, die teils nach wie vor präsent sind, teils aber längst auf dem Heldenfriedhof des Osnabrücker Einzelhandels liegen. An Schäffer grenzt Textilwaren Kurtz, gefolgt von Juwelier Hermann Brettschneider und der passagenmäßig eingerückten Front der Kaufhalle. Mit mehr Mühe und Hilfe des Adressbuchs erkennen wir weiterhin Fleischerei Bartlitz, Café Menke, Juwelier Hermann Laufer, das Nordsee″-Fischgeschäft, Lederwaren Hermann Langhardt mit der Goldpfeil-Reklame an der Fassade und schließlich das Haus der Dame″ Köhne. Auf der linken Seite, mehr zu erahnen als zu erkennen, lautet die Reihung: Feinkost Hünefeld, Moden Vasbender und Bekleidung Holthaus.

Verbunden werden die beiden Straßenseiten durch weihnachtlichen Lichterschmuck, der lange vor Energiesparlampen und LED-Technik deutlich aufwendiger und stromfressender daherkommt als der heutige. Anzahl und Leuchtstärke der Glühbirnen sind ein Anzeichen dafür, dass das Wort Energiekrise noch unbekannt war. Die überkam Deutschland bekanntlich erst im Herbst 1973 und bescherte den Autofahrern vier Sonntage mit Fahrverbot. Stadt und Werbegemeinschaften beschränkten sich freiwillig und schalteten die Weihnachtsbeleuchtung auf Sparflamme.

Der Stromverbrauch ist heute dank effizienter Technik nicht mehr das Hauptthema, sondern die Kosten für Auf- und Abbau und der Investitionsaufwand für immer mal wieder neue Licht- und Schmuckelemente, um auf der Höhe des Zeitgeschmacks zu sein. Jahrelang funktionierte die Arbeitsteilung: Die Stadt finanziert die Schmuckbeleuchtung von Bäumen und Brücken auf dem Wallring, die Werbegemeinschaften schultern die Kosten des Lichtkonzepts in ihrer Einkaufsstraße. Zum Missfallen der Einzelhändler hat die unter dem Spardiktat stehende Stadt sich in den letzten Jahren aber aus dieser Vereinbarung zurückgezogen. Die Bäume am Wall bleiben in der Adventszeit seither dunkel.

So war es früher: Berichte aus der Osnabrücker Geschichte auf noz.de/ historisch-os

Bildtexte:
Im vorweihnachtlichen Lampenfieber″ präsentiert sich die Große Straße um 1970. Der Blick geht vom Nikolaiort in Richtung Jürgensort.
Den Wandel in der Lichttechnik und im Zeitgeschmack, aber auch den Wechsel der Namen an den Geschäftshaus-Fassaden zeigt zum Vergleich das heutige Bild.
Fotos:
Archiv Rolf Fricke/ Walter Fricke, Jörn Martens
Autor:
Joachim Dierks


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