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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
Schüler gedenken der NS-Opfer
Zwischenüberschrift:
Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938
Artikel:
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Originaltext:
Mit einer Gedenkfeier haben Schüler des Carolinums an die Verbrechen und Opfer der Reichspogromnacht im November 1938 erinnert. Unter dem Motto Was nicht verloren gehen darf″ brachten die Schüler mit hebräischen Gesängen und einer musikalisch-szenischen Darbietung ihre Wertschätzung für die jüdische Kultur zum Ausdruck.

Osnabrück. Wir haben in der Nacht vom 9. November einiges unserer kulturellen Vielfalt verloren. Doch erst durch Vergessen geht Kultur wirklich verloren. Die Ereignisse der Reichspogromnacht müssen in Erinnerung bleiben″, erklärte ein Schüler während der Aufführung. Rund 50 Schüler des Gymnasiums Carolinum haben im Gedenken an die zahlreichen Opfer und die Verwüstungen von Synagogen im Dritten Reich eigene hebräische Lieder erarbeitet und diese bei der traditionellen Gedenkfeier der Stadt Osnabrück präsentiert.

Unterstützt wurden die Schüler durch einen Männerchor, zahlreiche Frauen und Männer, die als Ehemalige oder Mitarbeiter der Schule aktiv sind, sowie durch Baruch Chauskin, Kantor der jüdischen Gemeinde in Osnabrück. Dieser wusste bei den Zuhörern mit kraftvoller Stimme und tonaler Vielfalt zu beeindrucken. Für mich als Jude und Kantor eröffnet die Gedenkfeier einen neuen Blickwickel auf die gemeinsame deutsch-jüdische Geschichte. Das ist für mich eine neue, sehr schöne Erfahrung″, erklärte Chauskin.

Mit neun ausgewählten Gesängen auf Hebräisch und Deutsch präsentierten Schüler und Erwachsene unter Leitung von Dirigent Ansgar Schönecker traditionelle Musik der Reformsynagoge, die mit Werken des deutsch-jüdischen Komponisten Louis Lewandowski untermalt wurde. Die Erinnerung an die ehemalige Existenz dieser Kultursymbiose darf nicht hinter dem Gedenken an den Holocaust verblassen″, sagte Heinz Hermann Steenken, Lehrer am Carolinum. Umso schöner sei die Bereitschaft von Kantor Baruch Chauskin, zusammen mit Deutschen auf einer Bühne zu stehen und zu musizieren, trotz der zahlreichen Verbrechen an jüdischen Mitbürgern im Dritten Reich, sagte Schulpastor Klaus Schagon.

Die Verflechtung deutscher und jüdischer Tradition hat beide Seiten verwurzelt. Die Geschichte dieser Tradition muss erhalten und geschützt werden″, erklärte eine Schülerin. Ziel müsse es sein, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, die Reichspogromnacht als Weckruf zu verstehen und für die Zukunft die richtigen Schlüsse für eine Symbiose deutscher und jüdischer Wurzeln zu ziehen. Bürgermeisterin Birgit Strangmann erinnerte zudem an die Verantwortung der Stadt Osnabrück, die Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Mit der heutigen Gedenkveranstaltung bezeugen wir Respekt für die Opfer der Reichspogromnacht und ihre Verwandten.″

Im Anschluss wurde mit einem Gedenkgang zur Alte-Synagogen-Straße und einer Kranzniederlegung der Verbrechen der damaligen Zeit gedacht. Angela Müllenbach-Michel von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit erinnerte an die Anfänge der hiesigen Synagoge, die durch die Pogrome vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört worden ist. Der heutige Tag erinnert an die Tragödie der Reichspogromnacht in Deutschland und Osnabrück. Damals wie heute hat die jüdische Musik den Menschen geholfen, ihr Leid zu überwinden″, so Angela Müllenbach-Michel.

Unter anderen legten Vertreter der Stadt, des Landes Niedersachsen sowie der jüdischen Gemeinde Osnabrück sechs Kränze an jener Stelle nieder, an der das jüdische Gotteshaus einst gestanden hatte. Kantor Baruch Chauskin sowie Alexander Ginsburg von der jüdischen Gemeinde erinnerten zudem mit Gebeten an die Opfer der Reichspogromnacht und baten um Frieden und Versöhnung.

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Bildtexte:
Hebräische Gesänge im Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht: Mit traditioneller jüdischer Synagogenmusik erinnerten Schüler des Gymnasiums Carolinum bei der Gedenkfeier an die Verbrechen der NS-Zeit.
Mit einer Kranzniederlegung gedachte unter anderem die Gesellschaft für deutsch-jüdische Zusammenarbeit der Opfer der Reichspogromnacht.
Wertschätzung für die deutsch-jüdische Tradition brachten Dirigent Ansgar Schönecker und Kantor Baruch Chauskin mit ihrer musikalischen Darbietung zum Ausdruck.
Unterstützt wurden Kantor und Dirigent von einem zehnköpfigen Männerchor.
An der Gedenkfeier waren rund 50 Schüler der sechsten bis zwölften Klasse des Gymnasiums Carolinum beteiligt, die sowohl Liedertexte als auch die einzelnen Szenen selbst erarbeitet hatten.
Fotos:
Jörn Martens
Autor:
André Pottebaum


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