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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Welt ringt um den Klimaschutz
Zwischenüberschrift:
190 Staaten suchen beim Gipfel in Marrakesch ein Rezept gegen die Erderwärmung
Artikel:
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Originaltext:
Die Erderwärmung braucht ein Stoppschild. Da ist sich die Weltgemeinschaft einig. Aber wie soll das funktionieren? Wer rechnet nach, wenn es um die Klimaschutz-Anstrengungen der einzelnen Länder geht? Beim Gipfel in Marokko schlägt nun die Stunde der Experten.

Marrakesch. Mit leidenschaftlichen Aufrufen zum Kampf gegen die Erderwärmung hat die Klimakonferenz im marokkanischen Marrakesch begonnen. Untätigkeit und der Status quo sind keine Optionen″, sagte die neue UN-Klimachefin Patricia Espinosa am Montag vor Delegierten aus rund 190 Ländern. Der marokkanische Außenminister und Konferenzchef Salaheddine Mezouar mahnte: Die Augen der Welt ruhen auf uns! In der französischen Hauptstadt hatte die Weltgemeinschaft im vergangenen Jahr unter anderem vereinbart, dass die gefährliche Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, besser 1, 5 Grad, begrenzt werden soll. Die Nachfolger-Konferenz in Marokko dauert bis zum 18. November und soll einen Fahrplan für die Umsetzung dieser Ziele erarbeiten. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die Ziele und Ambitionen des Paris-Abkommens erreicht werden″, betonte Espinosa.

Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal als Gastgeberin der Konferenz von Paris im vergangenen Jahr übergab am Montag zur Eröffnung der aktuellen Konferenz den Hammer des Vorsitzenden an den marokkanischen Außenminister Mezouar.

Tausende Delegierte in Marrakesch wollen Verfahren und Zeitpläne zur konkreten Umsetzung der Pariser Klimaziele ausarbeiten. Dabei geht es etwa um die Frage, wie arme Länder bei der Anpassung an die Folgen der Erderwärmung unterstützt werden oder wie die ganz unterschiedlichen Klimaziele der Staaten verglichen werden können.

Afrika leidet am meisten″

Royal betonte insbesondere die Bedeutung einer Klimakonferenz auf dem afrikanischen Kontinent. Der Klimawandel ist in Afrika am grausamsten und ungerechtesten″, sagte sie. Der afrikanische Kontinent leidet am meisten darunter, ohne dafür verantwortlich zu sein″, sagte sie unter Verweis auf Naturkatastrophen und Wüstenbildung. Von den 50 Ländern, die am meisten von der Klimaerwärmung betroffen sind, befinden sich 36 im subsaharischen Afrika.″ Die reichen Länder hingegen verhielten sich im Umgang mit natürlichen Ressourcen so, als ob es drei Planeten gäbe″.

Der in Paris vereinbarte Weltklimavertrag war erst drei Tage vor Beginn der Konferenz in Marrakesch in Kraft getreten. Dies war möglich geworden, weil große Staaten und Gemeinschaften wie China, die USA und die EU rasch ratifiziert haben. Damit können die USA auch im Falle eines Wahlsiegs des Klimawandel-Skeptikers Donald Trump nicht so leicht vom Abkommen zurücktreten. Genau genommen findet das neue Klimaabkommen aber erst nach 2020 Anwendung: So lange gilt noch der Vorläufer, das Kyoto-Protokoll.

Bei der Konferenz in Marokko verhandeln während in der ersten Woche vor allem Experten miteinander. Erst in der zweiten Woche werden Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und weitere Politiker erwartet. Ob die Ministerin dann einen deutschen Klimaschutzplan für das Jahr 2050 dabei haben wird, blieb vorerst ungewiss. Verschiedene Bundesministerien verhandelten am Montag auf Staatsministerebene erneut über den Plan. Am frühen Abend hieß es, Umwelt- und Landwirtschaftsministerium hätten ihren Streit um den Klimaschutzplan beigelegt. Aus Verhandlungskreisen hieß es, es gebe weiterhin offene Fragen. Man sei aber zuversichtlich, dass das Bundeskabinett den Plan am Mittwoch im Kabinett verabschieden könne.

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Bildtext:
Zwei gegen die Erderwärmung: Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal und der marokkanische Außenminister Salaheddine Mezouar.
Foto:
dpa

Kommentar
Ende des Gezeters

Kaum etwas eignet sich besser für Schwarzer-Peter-Spiele als der Klimaschutz. Um selbst gut dazustehen, zeigt man auf internationaler Ebene gern mit dem Finger auf noch schlimmere Klimasünder. Diesem Treiben hat sich Deutschland lange entzogen. Das aber könnte sich ändern. Denn obwohl Umweltministerin Barbara Hendricks in nur sechs Tagen selbst zum Gipfel in Marokko fliegt, tobt der Streit um den nationalen Klimaschutzplan weiter: Die CSU-Minister blockieren Hendricks Vorschlag, der mächtige Bundesverband der Industrie warnt vor Schnellschüssen, Lobbyisten der erneuerbaren Energien fordern höhere Ziele, und namhafte Unternehmen wie Adidas verlangen Planungssicherheit. Selbst die Bundesländer zetern mit: Sie würden kaum eingebunden.

Ja, was denn nun? Richtig ist: Hendricks Plan ist verbesserungswürdig. Ziele wie aus dem Wolkenkuckucksheim nutzen niemandem. Aber es ist der falsche Zeitpunkt, darüber zu diskutieren. Die Welt braucht einen Fahrplan für den Klimaschutz. Versagt der Musterschüler Deutschland, könnte der Gipfel scheitern. Daher der Appell an die Streithähne: Stattet die Ministerin mit einem starken, symbolträchtigen Fahrplan aus. Nachschärfen ist später noch möglich.
Autor:
dpa, KNA, Melanie Heike Schmidt


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