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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück setzt auf Busse ohne Fahrer
 
Busse künftig fahrerlos unterwegs
Zwischenüberschrift:
Stadtwerke bereiten sich auf computergesteuerte Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr vor
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Autonomes Fahren wird nach Ansicht der Stadtwerke Osnabrück den Verkehr der Zukunft bestimmen und damit auch den ÖPNV nachhaltig verändern. Der kommunale Dienstleister rechnet damit, dass bereits in einigen Jahren computergesteuerte Busse eingesetzt werden können. Dies vor allem, um entlegene Orte zu erschließen und an das bestehende Liniennetz anzubinden. Die Evolution beginnt in der Fläche″, sagt Werner Linnenbrink, Leiter Mobilitätsangebot der Stadtwerke Osnabrück.

In Ländern wie Schweiz und Holland wird bereits mit elektrisch betriebenen, selbstfahrenden Kleinbussen experimentiert. Wann die neue Technologie auch in und um Osnabrück Einzug hält, ist noch offen. Sie wird aber auch den Beruf des Busfahrers verändern″, ahnt Linnenbrink.

Busfahrer ade: Die Zukunft im öffentlichen Nahverkehr gehört dem Autopiloten. Davon sind die Stadtwerke Osnabrück überzeugt. Es sei nur eine Frage von Jahren, bis auch hier erste selbstfahrende Busse eingesetzt würden.

Osnabrück. Autonomes Fahren wird Mobilität in den kommenden zehn Jahren disruptiv verändern″, sagt Werner Linnenbrink, Leiter Mobilitätsangebot. Das heißt: Kollege Computer ersetzt den Mann am Steuer wie einst der Fahrstuhl den Paternoster. Für den Busverkehr in und um Osnabrück biete der technologische Wandel eine Reihe von Chancen, meint der Stadtwerke-Chef. Der ÖPNV werde durch autonomes Fahren flexibler, sicherer, klimaverträglicher und kostengünstiger.

Fahrzeuge ließen sich bedarfsgerecht einsetzen, könnten vom Kunden an allen Tagen rund um die Uhr angefordert werden, die Auslastung nehme zu. Fahrpläne werden überflüssig″, erklärt Linnenbrink. Irgendwann sage ich nur noch, wann ich wo hinwill den Rest erledigt das System.″

Kollektive autonome Mobilität gebe dem Osnabrücker Verkehrsbetrieb die Möglichkeit, das Bedienungsgebiet zu erweitern und zu verdichten. Denn eins steht für den Stadtwerke-Vordenker fest: Die Evolution beginnt in der Fläche.″

Dabei geht es vor allem um die Erschließung der ersten und letzten Meile. Denkbar seien mithin fahrerlose Shuttles, die rund um Haltestellen von Linienbussen ausschwärmten, um Fahrgäste in entlegene Winkel zu transportieren. Oder sie umgekehrt quasi an der Haustür abholen und zum nächsten Mobilpunkt kutschieren, wo die Kunden dann umsteigen können auf Busse, Stadtteilautos oder Leihräder. Intelligente Zu- und Abbringersysteme mit Anschlussgarantie″ nennt Linnenbrink das.

In der holländischen Universitätsstadt Wageningen wird bereits mit autonomen E-Kleinbussen experimentiert. Dort pendeln seit einigen Monaten zwei knubbelige Sechssitzer die 6, 5 Kilometer zwischen Bahnhof und Campus langsam zwar, aber dafür bislang ohne Zwischenfälle. Anders in Sitten (Schweiz): Dort stieß kürzlich eines von zwei selbstfahrenden Postautos mit einem Lieferwagen zusammen. Der im Juni begonnene Probebetrieb wurde daraufhin vorläufig eingestellt.

Hierzulande will nun der Karlsruher Verkehrsverbund eine Vorreiterrolle einnehmen. Ab Herbst 2017 soll auf einem Testfeld zum vernetzten und automatisierten Fahren″ untersucht werden, wie Roboterwagen insbesondere im quirligen Stadtverkehr funktionieren.

Mitspielen statt zusehen

Wann das autonome Fahren Osnabrück erreicht, steht derweil in den Sternen. Die Stadtwerke wollen der Entwicklung jedoch nicht zuschauen, sondern mitspielen. Wir müssen wissen, was dieser Trend für den ÖPNV bedeutet″, sagt Linnenbrink. Denn computergesteuerte Vehikel seien nicht nur Segen, sondern auch Fluch wenn sie nämlich eines Tages im ungeordneten Individualverkehr überhandnehmen und die Städte verstopfen″.

Deshalb gelte es für sein Unternehmen, sich frühzeitig an Projekten des (kollektiven) autonomen Fahrens zu beteiligen, Kooperationen anzustreben, Mobilitätsprodukte auszubauen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Auf kommunaler Ebene müsse gleichsam strategisch geplant werden etwa in Bezug auf Parkhäuser, Verkehrsführung und Verkehrssteuerung.

Und was ist eigentlich mit den Busfahrern? Linnenbrink ahnt: Der Beruf wird sich verändern.″ Es werde in Zukunft nicht mehr so viele Leute brauchen, die Busse lenkten. Dafür gewinne das Thema Service an Bedeutung, auch der Bereich Disposition und Logistik werde immer wichtiger. Deshalb sei schon heute die von den Stadtwerken Osnabrück angebotene Ausbildung zur Fachkraft im Fahrdienst breit angelegt. Und wenn das autonome Fahren kommt, wird sie noch umfassender.″

Ein Video über selbstfahrende Busse sehen Sie online auf noz.de/ os

Bildtext:
Mit solchen Roboterwagen testet künftig der Karlsruher Verkehrsverbund das autonome Fahren.
Foto:
dpa

Kommentar
Auch fahrerlose Busse brauchen Vorfahrt

Es klingt nach Science-Fiction, doch die Zeit der fahrerlosen Autos hat bereits begonnen. In nicht allzu ferner Zukunft dürften sich computergesteuerte Fahrzeuge in derart nennenswerter Anzahl auf den Straßen tummeln, dass das gesamte heutige Verkehrssystem ins Wanken gerät.

Die Stadtwerke Osnabrück als kommunaler Verkehrsbetrieb müssen diese Entwicklung genau im Blick haben, wollen sie eines Tages nicht wie das Kaninchen vor der Schlange stehen. Denn autonomes Fahren birgt für den ÖPNV Chancen und Risiken zugleich.

Gut koordiniert, führt es zu einer nie gekannten Freiheit für den Kunden. Die permanente und allgegenwärtige Verfügbarkeit von öffentlichen Transportmitteln macht den (konkurrierenden) motorisierten Individualverkehr dann sogar dort überflüssig, wo er heute oft noch unverzichtbar ist. Für die Stadtwerke wiederum eröffnen sich durch die neue Technologie massive Einsparmöglichkeiten besonders beim Personal, das zurzeit über die Hälfte der jährlichen Kosten ausmacht.

Eine Welt voller privater und öffentlicher Roboterfahrzeuge kann aber auch erst recht in einer engen Stadt wie Osnabrück im Chaos enden, wenn es an Vernetzung und Kommunikation fehlt und die Schwärme eben nicht intelligent handeln. Doch was kann es Dümmeres geben als einen vollautomatisch verursachten Stau? Vorfahrt auf allen Strecken braucht der Bus deshalb so oder so. Und das möglichst bald.
Autor:
Sebastian Stricker


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