User Online: 1 | Timeout: 16:20Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Teurer Schlafplatz
Zwischenüberschrift:
Wer kein WG-Zimmer in Osnabrück hat, übernachtet im Hostel
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Das Wintersemester hat begonnen, und dennoch haben manche Studenten noch kein Zimmer in Osnabrück gefunden. Wer nicht pendeln will, findet im Hostel eine Bleibe auf Zeit. Betreiberin Cathrin Essbach hat derzeit etwa 15 Erstsemester zu Gast für 30 Euro pro Nacht.

Osnabrück. Auf Dauer kann man das nicht bezahlen″, sagt Henrik Gerdes. Der 21-Jährige aus Wilhelmshaven ist nach Osnabrück gekommen, um Wirtschaftsinformatik zu studieren. Im August fing er an, ein WG-Zimmer zu suchen. Viele Wochen und mehr als 25 Besichtigungstermine später ist er noch immer nicht fündig geworden. Um die ersten Tage an der Uni nicht zu verpassen, ist er ins Penthouse Backpacker Hostel an der Möserstraße eingezogen.

Betreiberin Cathrin Essbach kennt das schon: Von Mitte September bis Mitte November übernachten hier viele Studenten.″ Derzeit sind etwa 15 ihrer 36 Schlafplätze von Erstsemestern wie Henrik Gerdes belegt. Manche kommen Woche für Woche wieder, weil sie keine andere Wohnung finden. Essbach hört sich dann ihre Klagen an: Es ist einfach sehr schwierig, in Osnabrück ein WG-Zimmer zu finden.″

Besonders häufig sind unter ihren Gästen Studenten aus dem Ausland. Die haben es bei der Wohnungssuche besonders schwer, meint Essbach. Die Vermieter haben im Moment eine große Auswahl, wen sie in ihre Wohnung lassen. Da fallen junge Leute mit dunkler Hautfarbe, die vielleicht nur Englisch sprechen, schnell durch.″ Essbach erinnert sich an eine junge Frau aus Polen, die immer wieder abgelehnt worden sei, wenn sie ihre Herkunft offenbart habe. Ein Mädchen, das super Deutsch sprach und dem ich voller Vertrauen meinen eigenen Wohnungsschlüssel in die Hand gegeben hätte.″ Sie empfinde Scham für solche Vermieter, die ihre Wohnungen nach rassistischen Kriterien vergeben würden.

Sechs Wochen war die junge Polin bei Cathrin Essbach zu Gast, bevor sie schließlich doch eine feste Bleibe fand. Eine so lange Zeit sei nicht die Regel, komme aber durchaus vor. Eigentlich unterstütze ich keine Langzeitaufenthalte″, sagt Essbach. Das schade dem Konzept eines Hostels, das vom Kommen und Gehen der unterschiedlichsten Menschen lebe. Aber ich schicke ja auch niemanden weg, der in Not ist″, so die Betreiberin.

Alternativen für wohnungslose Studenten gibt es in Osnabrück kaum. Die Kosten für eine Übernachtung im Hotel übersteigen häufig das Budget, die örtliche Jugendherberge liegt recht weit außerhalb und ist eher auf jüngeres Publikum ausgerichtet. Optimal ist die Unterbringung im Hostel allerdings auch nicht. Aus Kostengründen teilen sich die Studenten mitunter ihre Zimmer mit acht anderen Gästen. Außerdem haben wir hier keine Möglichkeit, sich zum Beispiel zum Lernen zurückzuziehen. Ein Hostel ist schließlich auf Kommunikation ausgerichtet″, sagt Essbach.

Besser WG gründen

Auch Henrik Gerdes schläft in einem der großen Schlafsäle. Ein Problem ist das für ihn nicht. Ich bin hier fast nur zum Schlafen.″ Außerdem sei das Ende der Zeit im Hostel für den Studenten absehbar. Für die nächsten drei Monate will er bei einer Familie in Hasbergen leben. Die Kinder seien ausgezogen, deshalb ist dort Platz für einen Studenten. Anschließend zieht Gerdes in eine frisch renovierte Ein-Zimmer-Wohnung. Eigentlich würde er lieber in einer WG wohnen, um schnell neue Leute kennenzulernen. Aber eine ganze Wohnung zu finden ist einfacher als ein einzelnes WG-Zimmer.

Das bestätigt auch Cathrin Essbach. Sie habe schon oft erlebt, dass sich in ihrem Hostel neue WGs finden. Dann tun sich vier Gäste zusammen und mieten gemeinsam eine Wohnung.″ Zwei WGs pro Jahr, schätzt Essbach, gehen aus Hostel-Bekanntschaften hervor.

Bildtext:

Mit dem Abreißzettel auf Wohnungssuche: Wenn selbst das letzte Mittel nicht funktioniert, übernachten Osnabrücker Erstsemester im Hostel. Foto: dpa/ Balk
Autor:
Louisa Riepe


Anfang der Liste Ende der Liste