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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der Baron möchte seine Figuren zurück
Zwischenüberschrift:
Sollen die Erdteil-Skulpturen aus dem Schlossgarten wieder in Eggermühlen aufgestellt werden?
Artikel:
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Originaltext:
Der Baron möchte seine vier Kontinente am liebsten zurücknehmen: Europa, Asien, Afrika und Amerika, die Barockskulpturen von der Schlossterrasse, stammen vom Rittergut Eggermühlen. Dort würde sie die Familie von Boeselager gern wieder aufstellen. Aber die Stadt will ihre Grazien behalten.

Osnabrück. Seit 1965 stehen die leicht bekleideten Damen aus Baumberger Sandstein im Schlossgarten. Einem Zeitungsbericht aus jener Zeit ist zu entnehmen, dass der Bildhauer Fritz Szalinski sie zuvor restauriert und von schweren Schäden befreit hatte.

Der heutige Baron Christoph von Boeselager war 23 oder 24, als die ramponierten Barockdamen aus dem Park des Herrensitzes bei Bersenbrück abgeholt wurden. Er kann sich nicht erinnern, ob sein Vater Clemens sie damals der Stadt Osnabrück verkauft oder gestiftet hat. In den Familienunterlagen ist kein Dokument zu finden, das etwas über die Modalitäten der Übergabe aussagt. Ein halbes Jahrhundert später blicken die Boeselagers wehmütig nach Osnabrück, wo der barocken Kunst aus dem Familienerbe schon mehrfach übel mitgespielt wurde.

Die Stadt will den Schlossgarten neu gestalten und zu diesem Zweck einen Ideenwettbewerb für Architekten ausloben. Falls das neue Nutzungskonzept ohne die Sandsteinfiguren auskomme, nehmen wir sie mit offenen Armen zurück″, sagt Maximilian Freiherr von Boeselager, der Junior auf Gut Eggermühlen. Wir würden uns freuen, wenn wir sie wieder vor der Orangerie aufstellen können″, sagt sein Vater Christoph von Boeselager. Beide sind der Ansicht, dass ihr Rittergut der bessere Ort für die vandalismusgefährdeten Gestalten sei, betonen aber, dass sie mit der Stadt keinen Streit wollen.

Für Stadtbaurat Frank Otte ist eine Rückgabe der Barockstandbilder kein Thema. Die 275 Jahre alten Skulpturen seien eine Bereicherung für den Schlossgarten. Bei der geplanten Neugestaltung sei eine klare Vorgabe, dass die Figuren hierbleiben″, sagt er. Und solange ihm kein offizieller Antrag vorliege, werde er das Thema auch nicht in die politischen Gremien bringen. So weit wollen die Boeselagers aber gar nicht gehen.

Mit einer gewissen Sorge verfolgt die Familie seit Jahren, was den vier Erdteilfiguren aus ihrem Garten widerfährt. Dass es mehrmals zu mutwilligen Zerstörungen kam, dass unbekannte Bösewichte der Asien-Statue 1999 den Arm abrissen und ihr kurze Zeit später sogar das Gesicht zerschlugen, wurde in Eggermühlen aufmerksam zur Kenntnis genommen. Aber auch, dass die Stadt solchen Frevel stets zeitnah wieder aus der Welt schaffte.

Ein Ereignis hat die Boeselagers allerdings aufgeschreckt. Seit dem vergangenen Jahr leuchtet Amerika strahlend gelb und sticht damit farblich aus der Reihe ihrer blassen Schwestern hervor. Damit sind wir nicht so ganz einverstanden″, sagt Junior Maximilian von Boeselager, als Stifter fragen wir uns: Wie geht man mit dem Kulturgut um?

Die Gelbfärbung war ein Panne, offensichtlich hat die Restauratorin den Farbton nicht getroffen. Inzwischen falle der Kontrast nicht mehr so sehr auf, meint Ansgar Westermeyer von der städtischen Denkmalpflege und hofft, dass die Witterungseinflüsse den Fehlgriff auf Dauer unsichtbar machen.

Not amused″ ist die Adelsfamilie aber auch, weil bei der Restaurierung ganz bewusst ein Verfahren eingesetzt wurde, das unter Restauratoren heftig umstritten ist. Statt einer Kalkschlämme, die den Baumberger Sandstein vor dem sauren Regen schützen soll, wurde eine Silikonharzschlämme verwendet. Dieses Material war in Osnabrück lange Zeit tabu, weil die bislang Verantwortlichen das Risiko irreversibler Langzeitschäden fürchteten.

Weil Silikonharz im Ruf steht, Regen abzuweisen, eingedrungenen Wasserdampf aber entweichen zu lassen, wurde 2015 anders entschieden als in der Vergangenheit. Nachdem die holde Amerika den neuartigen Überzug bekommen hat, stellt sich nun die Frage, ob auch Europa, Asien und Afrika mit der Silikonhaut überzogen werden dürfen. Stadtbaurat Otte kündigt eine Entscheidung für das Frühjahr 2017 an.

Was wird aus dem Schlossgarten? Lesen Sie mehr auf noz.de

Bildtext:
Asien heißt diese Barockfigur, die seit 1965 im Schlossgarten steht. Baron Christoph von Boeselager würde sie und ihre drei Schwestern Europa, Afrika und Amerika gern wieder vor der Orangerie in Eggermühlen aufstellen.
Foto:
Michael Gründel

Die Erdteile von 1740

Europa, Asien, Afrika und Amerika: Die Figuren der vier damals bekannten Erdteile wurden um 1740 von einem Schüler des westfälischen Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun für das Schloss Eggermühlen bei Bersenbrück gefertigt. Sie bestehen aus Baumberger Sandstein, der eine auffallend helle Färbung hat. Nach dem Krieg waren die Barockskulpturen stark beschädigt. Die Stadt Osnabrück durfte sie übernehmen und ließ sie vom Bildhauer Fritz Szalinski restaurieren. Im Sommer 1965 wurden sie im Schlossgarten aufgestellt. Um Verwitterungsschäden vorzubeugen, ließ die Stadt immer wieder eine Kalkschlämme auftragen. 2015 wurde erstmals eine Silikonharzschlämme aufgetragen. Im Winter werden die Skulpturen eingehaust, um sie vor Frostschäden zu bewahren.

Kommentar
Anders als bei Nofretete

Nicht jeder hat einen Blick für ihre Schönheit, aber jeder, der den barocken Erdteilskulpturen seine Aufmerksamkeit widmet, erlebt den Schlossgarten als einen besonderen Ort. Die Figuren stehen dort, wo sich an manchen Tagen Tausende von Menschen treffen. Das ist der Unterschied zum Gut Eggermühlen, wo sie mehr Sicherheit, aber weniger Beachtung genießen würden.

Ganz gleich, wie die Stadt in ihren Besitz gekommen ist es geschah im Einvernehmen. Von Raubkunst à la Nofretete kann also keine Rede sein. Die Familie Boeselager stellt die Vereinbarung auch gar nicht infrage, sie bietet an, die Sandsteingrazien zurückzunehmen auch wenn das für die Stadt kein Thema ist.

Die Stadt ist allerdings verpflichtet, die Sandstein-Meisterwerke aus dem 18. Jahrhundert nach allen Regeln der Kunst vor dem Verfall zu bewahren. Ob eine nicht reversible Behandlung mit Silikonharz diesem Anspruch gerecht wird, ist mehr als fraglich.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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