User Online: 1 | Timeout: 24:13Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Eltern in Hellern machen Druck
Zwischenüberschrift:
Grundschule soll schnellstmöglich in Container umziehen
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Nehmen wir das Ergebnis einmal vorweg: Die Verwaltung, namentlich Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, hat den Eltern der Helleraner Grundschüler am Montagabend versprochen, die gesamte Schule so schnell wie möglich in Containern unterzubringen.

Osnabrück. Vorausgegangen war dieser Zusage eine zum Teil hitzig geführte Debatte. Gleich zu Beginn überreichte ein Elternvertreter dem Osnabrücker Oberbürgermeister ein Steckenpferd natürlich einen Schimmel. Die doppelte Anspielung, die zum einen Bezug nahm auf den Schimmel, der große Teile der Schule befallen hat, und den Amtsschimmel, der in den Augen der Eltern eine zügige Behebung der Missstände an der Grundschule verhindert, fand lautstarken Beifall in der zum Bersten vollen Alten Kasse in Hellern.

Was dann folgte, war eine Auseinandersetzung um Schadstoffbelastungen, Ängste, Bautechnik und Planungszeiten, bei der die Vertreter der Verwaltung den Unmut der Elternschaft aushalten mussten. So stieß auf völliges Unverständnis, dass die Fachleute der Immobilienabteilung nach Ansicht der Eltern nicht präventiv handeln. Nicht nachvollziehbar ist demnach, warum nicht schon eher für Mobilklassen gesorgt wurde, wo doch spätestens nach den Sommerferien klar gewesen sei, dass die bislang erfolgten Sanierungsmaßnahmen nicht von Erfolg gekrönt seien. Wenig Verständnis hatten die Eltern auch für die Entscheidung, Ausschüsse und Rat, die in der Frage des Neubaus das letzte Wort haben, nicht mehr tagen zu lassen und die Sitzung der Gremien auf die Zeit nach der konstituierenden Sitzung des neuen Rates zu verschieben. Eine gemeinsame Sitzung der Ausschüsse für Finanzen, Immobilien und Schule ist jetzt für den 10. November anberaumt.

Wissen Sie eigentlich, warum wir heute nicht in der Aula sitzen?″, fragte eine Mutter, um dann gleich die Antwort zu geben. Der Raum kann nicht bestuhlt werden, weil die Stühle Schimmel angesetzt haben.″ Nach den Worten der Eltern haben sich Schimmel und undefinierbare Gerüche nun auch in als nicht gefährdet eingestuften Räumen eingenistet. Berichtet wurde so unter anderem, dass der Schimmel von der Garderobe im Lehrerzimmer Besitz ergriffen habe.

Viele Eltern hätten bereits überlegt, die Schule zu bestreiken, so eine Mutter. Was passiert eigentlich, wenn wir unsere Kinder morgen nicht mehr in die Schule schicken?″, wollte sie wissen. Wilfried Gillmann von der Landesschulbehörde verwies auf die allgemeine Schulpflicht, räumte aber gleichzeitig ein, dass schon Eltern bei seiner Behörde vorstellig geworden seien, um ihre Kinder in anderen Schulen unterrichten zu lassen, da sie eine Gesundheitsgefährdung für ihre Sprösslinge sahen.

Gillmann musste sich ebenso die Frage gefallen lassen, was seine Behörde denn zum Schutz ihrer Arbeitnehmer, der Lehrer, unternehme. Man habe den für den Arbeitsschutz zuständigen Mitarbeiter der Landesschulbehörde nach Hellern entsandt, so Gillmann. Schulleiterin Silvia Bielefeld bestätigte den Besuch, allerdings liege noch keine Stellungnahme der Landesschulbehörde vor. Lob und Anerkennung erhielt das Kollegium von den Eltern, die den Lehrern ihren Respekt zollten, dass sie sich tagtäglich den Belastungen in der Schule aussetzten.

Nach zähem Ringen um tatsächliche und gefühlte Belastungen in der Schule durch diverse Schadstoffe verlagerte sich die Diskussion zunehmend auf den zeitlichen Ablauf der Sanierungsmaßnahmen. Schnell wurde deutlich, dass sich die Eltern mit einer Schritt-für-Schritt-Lösung bis hin zur endgültigen Räumung in den Sommerferien 2017 nicht zufrieden geben würden. Die versammelte Elternschaft erhöhte den Druck und rang so dem OB und seinen Mitstreitern, anwesend waren unter anderen vom Immobilienmanagement der Stadt Dirk König und Ludger Rasche sowie Andrea Butke von der Schulverwaltung, die Zusage ab, das Containerdorf so schnell wie möglich zu bauen. Gleichzeitig gaben die Eltern zu verstehen, dass sie die Einhaltung dieser Zusage kritisch begleiten werden.

Die ersten Container sollen schon in den kommenden Tagen aufgestellt werden, um die zuletzt heimatlos gewordenen Klassen aufzunehmen. Für das gesamte Containerdorf bedürfe es einer Ausschreibung, erläuterte Rasche das Prozedere. Außerdem müsse ein Bauantrag gestellt, der Untergrund auf dem Bolzplatz befestigt und Ver- sowie Entsorgungsleitungen gelegt werden. Auf jeden Fall will die Stadt der von den Eltern beklagten mangelnden Transparenz entgegenwirken. Zeitnah soll fortan jeder einzelne Schritt auf der Homepage der Schule veröffentlicht werden, um die Eltern kontinuierlich auf dem Laufenden zu halten, versprach OB Griesert.

Bildtext:

Diese Container stehen schon länger auf dem Schulgelände. Möglichst bald sollen alle Schüler und Lehrer in eine Containerschule auf dem Bolzplatz umziehen. Foto: Jörn Martens

Kommentar:

Widerstand der Eltern zahlt sich aus

Von Dietmar Kröger

Die Eltern der Helleraner Grundschüler können sich auf die Schultern klopfen. Sie haben den Druck auf die Verwaltung so lange erhöht, bis die nicht mehr anders konnte und nun den Bau einer Containerschule zum schnellstmöglichen Zeitpunkt zusagte.

Viel Emotionalität, aber auch Sachargumente ließen Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und seine Truppe zum Teil mit betroffenen Gesichtern vor der versammelten Elternschaft stehen. Die verlangt schon seit den Sommerferien die Auslagerung der Schule in Container. Die Verwaltung und mit ihr die Politik mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, intransparent und vor allem zu zögerlich zu handeln.

Dass nun der Bau einer Containerschule in kurzer Zeit zugesagt wurde, bestätigt die Eltern im Nachhinein in ihrer Meinung, dass das Problem auch schneller hätte gelöst werden können. Auf ein Umzugsdatum mag sich niemand festlegen, Anfang des kommenden Jahres müsste der Wechsel in die Container aber wohl möglich sein. Die Eltern werden das genau beobachten.

Ist die Grundschule in Hellern ein Sonderfall? Wahrscheinlich oder besser: hoffentlich ist das so. Wenn nicht, mögen Verwaltung und Politik gewarnt sein. Die Mütter und Väter in Hellern haben gezeigt, was ein starker Elternwille bewirken kann. Das könnte und sollte Schule machen.
Autor:
Dietmar Kröger


Anfang der Liste Ende der Liste