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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Keiner will die Brems-Buckel vor der Tür
Zwischenüberschrift:
Protest am Westerberg gegen Berliner Kissen –Vorschlag des Rundes Tisches
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Auf dem Westerberg werden testweise vier Berliner Kissen aufgebracht, um den Verkehr zu beruhigen. Doch bisher sorgen sie eher für Unruhe bei den Anwohnern, die zusätzlichen Lärm befürchten.

Von Wilfried Hinrichs

Osnabrück. Sie heißen Berliner Kissen und stehen in dem Ruf, Autofahrer erfolgreich zur behutsamen Fortbewegung zu zwingen. Vier dieser Erhebungen lässt die Stadt in dieser Woche auf einem gut 300 Meter langen Abschnitt des Lieneschweges zwischen Mozartstraße und Händelstraße auf dem Westerberg aufbringen, um sie zu testen. Es handelt sich um vier verschiedene Fabrikate. Die Stadt will prüfen, welches Produkt sich am besten dafür eignet, an insgesamt 31 Stellen auf dem Westerberg den Verkehrsbremser zu machen.

Der Witz an den Berliner Kissen ist: Sie sind schmaler als die Straße, sodass breite Fahrzeuge wie Busse und Lkw weitgehend ungehindert darüber hinwegrollen können. Pkw-Fahrer dagegen müssen vom Gas gehen, um nicht abzuheben. Doch genau dieser Effekt ist es, den Anwohner fürchten, die ein solches Kissen vor der Haustür haben.

Am Lieneschweg haben 70 von etwa 100 Anwohnern mit ihrer Unterschrift Protest eingelegt. Sie fürchten, dass ihnen die bremsenden und wieder anfahrenden Autos, die Erschütterungen und Vibrationen die Ruhe rauben.

Die Unterschriftenliste liegt seit dem Wochenende Stadtbaurat Frank Otte vor, der Verständnis für die Bedenken der Anwohner zeigt. Seine Erfahrung mit den Berliner Kissen: Sie haben Nachteile für die direkten Anwohner, die anderen sind meistens sehr zufrieden.″ Doch wie die Erhebungen wirklich vor Ort wirken und inwieweit sie eine Belastung darstellen, sei von der Art des Kissens und dem jeweiligen Standort abhängig. Genau deshalb machen wir ja diesen Test″, so Otte. Beim Probelauf richte sich der Blick auch auf verschiedene Zielgruppen″ wie Paketdienste und Krankenwagen.

Jens Feist, der ein Berliner Kissen vor die Tür gelegt bekommt, zweifelt am Sinn des Praxistests vor allem in Hinblick auf größere Fahrzeuge: Bei uns fahren gar keine Busse vorbei″, sagt Feist, und für Lastwagen gelte ein Durchfahrverbot. Die Rettungsdienste nähmen in der Regel den direkten Weg über die Straßen am Heger Holz und Finkenhügel. Feist hat bereits einen Anwalt eingeschaltet, der schriftlich der Stadt gegenüber angekündigte, alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel auszuschöpfen″, um die Berliner Kissen zu verhindern.

Ob es soweit kommt, wird die Testphase zeigen. Sie wird einige Wochen″ dauern, wie Jürgen Schmidt vom Fachbereich Geodaten und Verkehrsanlagen mitteilt. Die Ergebnisse werden dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vorgelegt.

Die Verkehrsberuhigung mittels Berliner Kissen ist ein Ergebnis eines aufwendigen Diskussions- und Planungsprozesses am Runden Tisch Verkehr Westerberg. Das Gremium war nach der Bürgerbefragung über die Westumgehung ins Leben gerufen worden, um einen Plan B für den Westerberg zu erarbeiten. Nach dem Scheitern der Entlastungsstraße forderten die Anwohner der sogenannten heimlichen Westumgehung (Gluckstraße, Händelstraße, Lieneschweg, Mozartstraße) ein Alternativkonzept, wie der Stadtteil verkehrsberuhigt werden kann. Am Runden Tisch hatten Vertreter von Interessengruppen, Bürgerinitiativen, der Anlieger und des Rates unter fachlicher Begleitung und externer Moderation vier Modelle entwickelt, die in unterschiedlicher Dosierung auf den Verkehr wirken. Am Ende entschied sich das Gremium für die Variante der Stufe 2: Berliner Kissen und Schwellen, schärfere Tempo-Kontrollen in der Tempo-30-Zone, attraktive Fahrradstraßen und ein Mobilitätsmanagement, das innovative Konzepte wie Carsharing aufgreift.

Bildtext:

Am Lieneschweg werden sogenannte Berliner Kissen auf die Fahrbahn geschraubt, um sie zu testen.. Foto: Jörn Martens
Autor:
Wilfried Hinrichs


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