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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wo leben die Armen in Osnabrück – und wo die Reichen?
Zwischenüberschrift:
Sozialmonitoring 2015 soll den Wohnungsbau besser steuern
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Wo in Osnabrück haben die Menschen ein durchschnittlich gutes Auskommen, wo leben besonders viele Arme? Wo gibt es die meiste Kinder- und wo die meiste Altersarmut? Das Sozialmonitoring 2015 der Stadt gibt nun Auskunft über solche und weitere Fragen und soll den Wohnungsbau beeinflussen.

Elf von insgesamt 118 Bezirken in der Stadt besaßen zum 31. Dezember 2015 einen besonderen sozialen Aufmerksamkeitsbedarf″, heißt es im Monitoringbericht der Stadt. In ihnen leben 21 426 Osnabrücker. Weniger schön formuliert: In diesen Bezirken waren Arbeitslosigkeit, Kinder- und/ oder Altersarmut überdurchschnittlich hoch.

Etwa 13 Prozent der Osnabrücker leben in diesen kritischen Bezirken. Ihr sozialer Status war schon Ende 2014 niedrig oder sehr niedrig, und viele davon verschlechterten sich bis Ende 2015. Diese Bezirke befinden sich in den Stadtteilen Schinkel, Fledder, Eversburg, Hafen, Darum-Gretesch-Lüstringen und Dodesheide. Und in diesen elf konzentrieren sich verschiedene Problemlagen″, sagt Frank Westholt vom Fachbereich Strategische Stadtentwicklung und Statistik im Gespräch mit unserer Redaktion.

Für die Statistik untersuchte das Statistikerteam der Stadt zum Stichtag 31.12.2015 fünf Indikatoren, die für ökonomische Ungleichheit sorgen, und verglichen diese mit denen zum 31.12.2014: Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Kinderarmut, Rentenaufstocker″ (Altersarmut) sowie Aufstocker, deren Arbeitslohn mit Hartz IV aufgebessert wird. Als arm definiert die Stadt die Bürger, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft bestreiten können.

Anlass der Erhebung war ein Ratsauftrag. Investoren, die städtische Baugrundstücke erwerben, müssen künftig eine Sozialwohnungsquote von 30 Prozent bei Neubauten einhalten. Es gibt jedoch zwei Ausnahmen: Die Quote betrifft keine Bauvorhaben mit bis zu acht Wohneinheiten. Und die Investoren müssen diese Quote nicht in problematischen Soziallagen″ umsetzen, sagt Westholt. Also etwa dort, wo es ohnehin schon viele Sozialwohnungen gibt. So wolle die Stadt soziale Brennpunkte vermeiden oder nicht weiter forcieren, erklärt der Geograf. In den elf Bezirken mit niedrigem sozialen Status und negativer Dynamik wird der Anteil neu gebauter Sozialwohnungen künftig wohl weniger als 30 Prozent betragen dürfen. Das wird primär auf Schinkel und Dodesheide zutreffen.

Es gibt jedoch auch zwölf Bezirke, deren Bürger Ende vergangenen Jahres einen durchschnittlich hohen sozialen Status besaßen. Sie befanden sich in den Stadtteilen Darum-Gretesch-Lüstringen (Randbereich), Voxtrup, Nahne, Atter, Westerberg, Sutthausen und Hellern. Das Gros der Bezirke wies einen mittleren sozialen Status auf und blieb stabil. Sechs davon gelang eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr, fünf nahmen jedoch eine negative Entwicklung.

Das Fazit der Statistiker fällt positiv aus: Mit rund 62 Prozent hatten die meisten Bezirke Ende 2015 einen stabilen, mittleren sozialen Status. Das spreche für eine relativ stabile Gesamtsituation. In nur wenigen Bezirken gebe es eine deutlich ausgeprägte soziale Ungleichheit. Die Bezirke mit einem jeweils hohen sozialen Status hielten ihr Niveau. Insbesondere die Außenbezirke sind selten problematisch″, sagt Westholt.

16 der 118 Bezirke gingen nicht in die Bewertung mit ein, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen, erklärt Westholt. In ihnen leben jeweils weniger als 200 Menschen. Die Einteilung der Stadtteile in Bezirke besteht seit Jahrzehnten und orientiert sich primär an Verkehrsachsen wie Hauptstraßen und Bahnlinien.

Förderprogramm

Die Ergebnisse können der Stadt aber auch in anderen Fragen eine Entscheidungshilfe sein, etwa über den Einsatz von Mitarbeitern der Jugendhilfe. Auch können die Daten eine Hilfe sein, Mittel aus dem Programm zur Städtebauförderung Soziale Stadt für den Schinkel einzuwerben. Das Quartier Rosenplatz hatte mit 9, 5 Millionen Euro davon profitiert. Ende dieses Jahres läuft das Programm für das Rosenplatzquartier aus. Ist ist auf Beschluss des Rates der Schinkel an der Reihe.

Bildtext:

Der soziale Stadtplan: Die grünen Bezirke haben einen durchschnittlich hohen sozialen Status. Orange und Violett stehen für einen niedrigen oder sehr niedrigen Status. Die blauen Bezirke bilden das Mittelfeld. Je dunkler eine Farbe ist, desto negativer war in dem Bezirk die Entwicklung.

Kommentar:

Darauf aufbauen

Von Jörg Sanders

Mit dem Sozialmonitoring kann die Stadt nun festlegen, in welchen Bezirken Investoren künftig die Quote von 30 Prozent an Sozialwohnungen unterschreiten dürfen. Rund zwei Wochen haben die Statistiker für den Bericht gebraucht zwei gut investierte Wochen.

Denn es ist gut, wenn in Bezirken, wo sich soziale Problemlagen konzentrieren, nicht weitere Sozialwohnungen gebaut werden. Denn ansonsten würde die Stadt sie nur forcieren statt entschärfen. Dass sie das auf Grundlage des Sozialmonitorings verhindern möchte, ist ein löbliches Ziel, das Anerkennung verdient sofern es dann auch umgesetzt wird.

Doch die Stadt sollte den Bericht nicht nur für den künftigen Wohnungsbau nutzen. Dafür zeigt das Monitoring zu genau, in welchen Vierteln besonders viele arme Kinder und Alte wohnen, deren Soziallage sich teilweise sogar noch verschlechterte. Eine bessere Grundlage als den Bericht kann sich der Rat kaum wünschen, um gezielt in diesen Vierteln aktiv zu werden insbesondere für die Kinder, die von Armut betroffen sind.

In seinem Vorwort des Monitorings nennt Oberbürgermeister Wolfgang Griesert ihn den ersten Baustein für künftige Maßnahmen. Bleibt zu hoffen, dass weitere Bausteine folgen, um die soziale und sozialräumliche Spaltung in der Stadt zu verringern.
Autor:
Jörg Sanders


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