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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrücker kämpft um das E-Schild
Zwischenüberschrift:
Wenn das Elektroauto laut Elektromobilitätsgesetz kein Elektroauto ist
Artikel:
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Originaltext:
Carsten Gronwald hat eine kleine Odyssee hinter sich. Eigentlich wollte er für sein Elektroauto nur ein Kennzeichen mit dem Extra-Buchstaben E″. Das aber war gar nicht so einfach wie gedacht.

Von Dietmar Kröger

Osnabrück. Es hat eine geschlossene Karosse, es hat vier Räder und das wichtigste: Es hat einen Elektromotor. Einen Tank hat es nicht, dafür gibt es Batterien, seine Energie bekommt es nur aus der Steckdose. Was ist das? Ein Elektroauto? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Oder doch? Carsten Gronwald hat sich zwei Elektrofahrzeuge zugelegt, einen Ligier, der schon bei der französischen Post gute Dienste geleistet hat, und einen Open Start Lab aus italienischer Produktion. Carsten Gronwald hat auch noch einen benzingetriebenen Pkw. Aber der steht jetzt mehr oder weniger nur noch rum. Gronwald will nämlich elektrisch fahren. Das tut er ganz bewusst, denn er ist hauptsächlich in der Stadt unterwegs. Seine Autos sind genau für dieses Einsatzgebiet gebaut. Sie sind klein, wendig und natürlich höchst umweltfreundlich.

Der Bundesgesetzgeber findet Elektromobilität auch super und hat deswegen ein eigenes Gesetz, das Elektromobilitätsgesetz, erlassen. Grob gesprochen, gibt dieses Gesetz den Kommunen Regeln an die Hand, mit denen sie die Elektromobilität fördern können, vor allem durch Vergünstigungen der E-Autos gegenüber benzin- oder dieselgetriebenen Kraftfahrzeugen. So dürfen die Stromer zum Beispiel Busspuren nutzen, wenn die Gemeinde das zulässt. Osnabrück hat sich dagegen ausgesprochen, um den ÖPNV nicht zu behindern. Einführen aber will die Stadt eigene Parkplätze, die nur von den E-Autos benutzt werden dürfen zum Teil sogar kostenfrei. Einzige Voraussetzung: Das Auto muss über ein Kennzeichen mit dem zusätzlichen Buchstaben E″ am Ende verfügen.

Das ist ja toll, dachte sich Gronwald und bemühte sich um ein solches Kennzeichen beim Straßenverkehrsamt für seinen kleinen Italiener. Das aber sagte zunächst einmal Nein″. Erst nach einigem Hin und Her bekommt der Open Start Lab nun sein Elektromobilitätskennzeichen. Für Gronwald eine schicke Sache, weil die Stadt genau vor seiner Haustür zwei allein Elektrofahrzeugen vorbehaltene kostenfreie Parkplätze einrichten will.

Und was ist mit dem Ligier? Der ist kein Elektroauto, jedenfalls nicht nach dem Elektromobilitätsgesetz. Damit darf der kleine Ex-Postler nicht an den gesondert gekennzeichneten Parkplätzen stehen. Für Gronwald ist diese Regelung nicht wirklich nachvollziehbar. Das ist doch so, als wenn ich keine Einbeinigen in die Fußgängerzone lasse, weil auf den Schildern ein Männchen mit zwei Beinen abgebildet ist.″

Für Gronwald ist klar, dass der Gesetzgeber hier noch einmal in Klausur gehen und sein Regelwerk überdenken muss. Nach jetzigem Stand der Dinge darf er seinen Ligier nicht parken, wo ein Hybridfahrzeug mit Benzinmotor und Elektroantrieb stehen darf. Vor allem dürfte Gronwald seinen Ligier auch nicht zum Aufladen an einer der Elektrozapfsäulen abstellen, da auch diese den E″-Kennzeichen vorbehalten sind. Gronwalds Vorschlag: Man könnte diese Autos doch mit einem Aufkleber kennzeichnen.″ Damit wären sie den anderen E-Fahrzeugen gleichgestellt.

Bildtext:

Für ein zusätzliches E″ auf dem Kennzeichen seines rein elektrisch betriebenen Open Start Lab musste Carsten Gronwald einiges tun. Für den Ligier, den überwiegend Freundin Lucir Vyhnalkova fährt, gibt es kein E-Kennzeichen. Foto: Gründel

Kommentar:

Bund muss handeln

Ab wann ist ein Elektroauto ein Elektroauto? Der Bundesgesetzgeber scheint sich da nicht so sicher zu sein. Es fällt wahrlich schwer, nachzuvollziehen, warum der Ligier mit einem Versicherungskennzeichen nicht in den Genuss derselben Segnungen des Elektromobilitätsgesetzes kommen soll wie das 200-PS-starke Hybrid-SUV. Sind doch gerade die kleinen Fahrzeuge nicht nur wie geschaffen für den innerstädtischen Verkehr, sondern gleichzeitig auch noch einigermaßen erschwinglich.

Wenn es dem Gesetzgeber ernst ist mit der Förderung der umweltfreundlichen Elektromobilität, ist er gut beraten, gerade diese kleinen Stadtflitzer zu unterstützen.

Es ist zwar gut und richtig, die Kommunen entscheiden zu lassen, welche Regeln des Gesetzes sie übernehmen wollen. Welche Fahrzeuge unter diese Regelung fallen, sollte allerdings einheitlich geregelt sein. Hier besteht beim Bund also noch Handlungsbedarf.
Autor:
Dietmar Kröger


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