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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gähnende Leere im Parkhaus Lotter Straße
Zwischenüberschrift:
Nur halb ausgelastet – Viele Kunden kennen die Garage gar nicht
Artikel:
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Originaltext:
Eigentlich sollte das 2013 eröffnete Parkhaus an der Lotter Straße den Stellplatzmangel am Osnabrücker Westerberg beseitigen. Doch Autofahrer lassen es links liegen. Die Auslastung liegt nur bei 50 Prozent.
Osnabrück. Von morgens bis abends das gleiche Bild: Die fünf Decks im Parkhaus Lotter Straße, das 156 Fahrzeugen Platz bietet, sind zu großen Teilen leer. Auch im Inneren gähnt einem die Leere ins Gesicht, oft sind nur ein, zwei Parkdecks der insgesamt fünf Etagen besetzt, mal stehen nur ein paar vereinzelte Autos da. Ein Parkhaus, das bei Parkern begehrt ist, sieht anders aus.
Dabei wurde das Gebäude mit der hellen Steinverkleidung auch gebaut, weil in diesem Bereich der Stadt Parkplätze angeblich rar sind und dadurch Entlastung geschaffen werden sollte. Drei Jahre ist es her, dass die Projektentwicklung Hochtief″ das Parkhaus zusammen mit dem neuen Wohnviertel Mitte West″ am Westerberg entwarf. Das Parkhaus, das direkt neben dem Eckgebäude an der Lotter Straße/ Am Kirchenkamp steht, hatte die Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft (OPG), eine hundertprozentige Tochter der Stadtwerke, in Auftrag gegeben und dann auch gekauft. Betrieben wird es von der OPG-Center Parking GmbH, die zu 25 Prozent der OPG gehört. Den genauen Kaufpreis will die OPG auf Anfrage nicht nennen.
Dass es mit dem Lotter-Straße-Parkhaus nicht gut läuft, räumt OPG-Geschäftsführer Volker Hänsler offen ein. Die Auslastung ist nicht so, wie wir das erwartet haben″, sagt er. Wie viele Autofahrer genau pro Tag und pro Monat dort parken, kann Hänsler nicht sagen, weil die Auswertung der prozentualen Auslastung technisch nicht möglich″ sei. Nach der monatlichen Einfahrtstatistik sei aber festzustellen, dass die Anzahl der Einfahrten von Kurzparkern sehr niedrig″ sei. Es gebe zurzeit 76 Dauerparker, darüber hinaus aber fast keine Spontanparker, was einer Auslastung von knapp 50 Prozent entspricht. Ob sich das Parkhaus Lotter Straße dann überhaupt rentiert? Die betriebsinternen Wirtschaftsdaten für einzelne Häuser kann ich nicht nennen″, sagt Hänsler. Eine Fehlinvestition sei das Parkhaus aber nicht. Es gebe gewisse Anlaufzeiten″, bis es sich entwickelt und herumspricht. Die Hemmschwelle bei den Parkkunden sei noch da. Ein Parkhaus braucht drei bis fünf Jahre, bis es gut läuft″, sagt der OPG-Geschäftsführer. Auch bei der Altstadt-Garage habe es Startschwierigkeiten gegeben, aber mittlerweile werde sie sehr gut genutzt.
Zusammen mit der Werbegemeinschaft Lotter Straße hat die OPG vor einem Jahr eine Rabatt-Aktion gestartet, um das Parkhaus bekannter zu machen. 15 Geschäfte nehmen daran teil. Sie kauften der OPG über 1000 Wertcoupons à 1, 50 Euro, was der Parkgebühr für die erste Stunde entspricht, ab. Wer im Parkhaus parkt, kann sich beim Einkauf in den teilnehmenden Geschäften einen Coupon im Wert von 1, 50 Euro geben lassen, den er dann am Kassenautomaten verrechnen kann. Das Rabattsystem entpuppe sich jedoch als Flop. Wir haben noch keine Nachfragen erhalten″, sagt Jörg Buchweitz, der an der Lotter Straße das Geschäft Ibo Fashion″ betreibt. Buchweitz gibt der OPG die Schuld daran, dass das Parkhaus so schlecht angenommen wird. Es fehlten Vermarktung und eine stärkere Zusammenarbeit mit der Inte ressengemeinschaft Lotter Straße. Buchweitz habe sich mehrfach an die OPG gewandt und Vorschläge für Aktionen gemacht. Auf seine Idee, zum Lotter Straßenfest Werbung zu machen und kostenloses Parken anzubieten, sei nicht reagiert worden.
Preise senken?
Eine Anpassung der Tarife zu besonderen Zeiten sei eine Option, sagt OPG-Chef Hänsler. Nach der ersten Stunde für 1, 50 Euro bezahlt man bisher für jede weitere einen Euro. Für den Dauerstellplatz müssen Parker pro Monat 79 Euro hinlegen. Für kurze Zeit gab es einen monatlichen Einführungstarif von 69 Euro für Dauerparker. Hänsler vermutet, dass durch die Ausweitung des Anwohnerparkens an der nördlichen Lotter Straße zusätzlicher Parkdruck entstehen wird, der die Leute in sein Parkhaus treibt. Auch hält es Hänsler für nötig, dass die Geschäftsleute auf der Lotter Straße ihre Kunden noch stärker auf das Parkhaus aufmerksam machen.
Hans Klute, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Lotter Straße und Betreiber des Hotels Klute, macht das schon: Wir schicken Hotelgäste oft ins Parkhaus, weil die Plätze auf unserem Hof nicht immer ausreichen. Geschäftsreisende sind es gewohnt, fürs Parken zu bezahlen. Der Osnabrücker ist dagegen das kostenlose Parken gewohnt.″
Die Leute würden versuchen, lieber einen der wenigen freien Plätze rund um die Lotter Straße zu ergattern, als 300 Meter weiter im Parkhaus zu parken und dann laufen zu müssen. Die Bewohner am Westerberg wiederum nerve es, dass ihre Parkplätze von Besuchern, Angestellten der nahen Geschäfte und Einkaufenden besetzt würden. Wer nur kurz auf der Lotter Straße einkaufen wolle, fahre nicht gern ins Parkhaus, sagt Klute. Für Leute, die längere Aufenthalte zum Beispiel beim Steuerberater oder Arzt hätten, aber auch für die Bewohner des Mitte West″-Viertels mache das Parkhaus hingegen Sinn.
Jens Reinecke, Inhaber des Tattoostudios Damned Fashion″, erzählt: Unsere Kunden meckern immer, dass man an der Lotter Straße so schwer einen Parkplatz findet und dann immer die Parkscheibe nach nur einer Stunde weiterdrehen muss.″ Viele seiner Kunden blieben naturgemäß länger in seinem Studio, das Parkhaus sei ihnen dann zu teuer. Außerdem weiß ja kaum einer, dass es das gibt″, legt Reinecke nach.

Bildtext:

Das Parkhaus an der Lotter Straße entstand 2013 in dem Osnabrücker Neubauviertel Mitte-West″. Foto: Jörn Martens

Nicht so voll wie erwartet″: OPG-Geschäftsführer spricht von schlechter Auslastung des Parkhauses an der Lotter Straße. Foto: Jörn Martens

Osnabrück: Das neue Parkhaus an der Lotter Str. wird kaum genutzt. Foto: Jörn Martens

Das Viertel Mitte West″ mit Wohn- und Parkhaus an der Lotter Straße/ Ecke Am Kirchenkamp. Foto: Hermann Pentermann

Leerer Beton, wohin man blickt: Auf dem Parkdeck des Parkhauses Lotter Straße sind noch viele Plätze frei. Von den 156
Plätzen wird höchstens die Hälfte genutzt.
Foto: Jörn Martens

Kommentar:

Promotion

Das Parkhaus an der Lotter Straße hat mit zwei Problemen zu kämpfen: Erstens ist es vielen Einkaufenden unbekannt, und zweitens wird es von denen, die es flüchtig kennen, nicht angenommen. Obwohl das Gebäude nicht gerade klein ist, wird es von Autofahrern auf der Lotter Straße glatt übersehen, weil ein großes Hinweisschild fehlt, außerdem ist kaum zu überblicken, wo die Einfahrt ist: nämlich Am Kirchenkamp. Und die ist leider für große Autos nicht gerade komfortabel. Die Fahrbahnbreite liegt bei 2, 30 Metern, nachdem die OPG die Fahrbahn Anfang dieses Jahres vergrößert hatte. Dabei sind die meisten modernen SUVs und Vans breiter als 2, 10 Metern. Der ADAC hält eine Breite von 2, 50 Metern für angemessen. Aber das war der OPG beim Neubau anscheinend egal.

Für den Parkhausbetreiber heißt jetzt Promotion das Zauberwort. Wie jeder Geschäftstreibende auch, dessen Laden noch unbekannt ist, muss er für Aufmerksamkeit sorgen. Das klappt über temporäre Preissenkungen bei gleichzeitiger Werbung. Ein Parkhaus aufstellen und dann hoffen, dass die Kunden schon von allein kommen, wird nicht klappen. Von nix kommt nix.
Autor:
Claudia Scholz


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