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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der Rohrstock lag meistens schon parat
Zwischenüberschrift:
150 Jahre Eversburger Schule
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Osnabrücker Schullandschaft ist immer in Bewegung. In den letzten Jahrzehnten haben Siedlungsentwicklung und Reformeifer ständig zu neuen Schulformen, - namen und - standorten geführt. Der Stadtteil Eversburg liefert Beispiele für eine besonders intensive Dynamik.
Osnabrück. Auf dem historischen Foto aus dem Jahr 1962 tanzen Schülerinnen und Lehrerinnen einen Ringelreihen um die Friedenseiche vor der katholischen Liebfrauenschule. Es dürfte ein gestelltes Bild sein, mit dem noch einmal die althergebrachte Gebäudesituation in Szene gesetzt werden sollte. Denn kurz darauf begann der Abriss dieser ältesten Eversburger Schule im sogenannten Schleizer′schen Haus. Auch die Eichen mussten weichen, um einem 1963 fertiggestellten Neubau mit Nähsaal, Film-, Werk- und Musikräumen Platz zu machen.
Vor gut 150 Jahren, am 25. Oktober 1865, weihte der Magistrat der Stadt mit einem Festakt die evangelische Schule in der Eversheide″ im Schleizer′schen Haus ein. Danach zog man zum Gasthaus Barenteich, um gemeinschaftlich Kaffee zu trinken. Das Bergmusikcorps vom Piesberg spielte, die Kinder bekamen Zuckerkuchen spendiert. Für die Evangelischen war es eine große Erleichterung, denn zuvor mussten die Kinder einen weiten Schulweg in die Nachbargemeinden Atter oder Haste-Hone bewältigen. Mit der Anwerbung von Harzer Bergleuten für den Kohlenabbau am Piesberg wuchs der evangelische Bevölkerungsanteil rasch. Bürgermeister Stüve ließ sich überzeugen, dass für die immerhin 30 schulpflichtigen evangelischen Kinder nun wohl die Einrichtung einer Schule angezeigt sei, wofür das Schleizer′sche Haus geeignet erschien.
Bei den Katholiken sah es ähnlich aus. Sie gehörten zur Domgemeinde und hätten die Kinder eigentlich zur Domschule schicken müssen, zogen aber die etwas kürzeren Wege nach Pye oder Haste vor. 1861 zählte man 20 Schulpflichtige. Das reichte, um pfarrlicherseits″ im Dieckmann′schen Hause in Eversburg einen Raum als Schulzimmer anzumieten und den Unterricht dem Vikar Mulder zu übertragen. Der Unterricht beschränkte sich auf Religion, Deutsch und Rechnen. 1874 wurde ein neues Gebäude an der Atter straße jenseits des Bahnübergangs, etwa gegenüber dem Anwesen Munsberg, bezogen. 1908 und 1925 erweiterte man das Raumangebot durch das Aufstellen von Baracken. Ab 1927 trug die katholische Schule den Namen Liebfrauenschule.
Auch die evangelische Schule auf dem Eckgrundstück Schulstraße/ Atterstraße stieß bald an Grenzen und bekam 1908 einen Neubau mit Front zur Atterstraße, dessen Ostflügel 1924/ 25 und Westflügel 1934 aufgestockt wurden. Jetzt endlich hatte jede Klasse einen eigenen Raum, daneben gab es einen Zeichensaal, eine Schulküche und einen Werkraum. Die Kinder benutzten ausgiebig das Brausebad eine Einrichtung, die die meisten von zu Hause nicht kannten. In der Chronik Eversburg″ von Folkert Klaaßen und Bernd Thober sind nicht nur die baulichen Entwicklungen präzise nachgezeichnet, sondern auch Zeitzeugenberichte festgehalten, in denen von Pädagogen berichtet wird, die den Gelben″ (Rohrstock) immer parat liegen hatten und sich nicht scheuten, ihn einzusetzen, oder von einem Musiklehrer, der einmal einem falsch singenden Schüler in einem Wutausbruch die Geige auf dem Kopf zertrümmerte.
Im Nationalsozialismus wurden die beiden Konfessionsschulen 1938 zur Deutschen Volksschule Eversburgschule″ vereinigt. Den Krieg überstanden die Schulgebäude mit nur geringen Beschädigungen. Ab Herbst 1945 fand wieder Unterricht statt zunächst noch gemeinschaftlich. Doch dann forderte insbesondere die katholische Geistlichkeit die Wiedereinführung von Bekenntnisschulen. Man ließ die Eltern abstimmen. 89 Prozent der Katholiken und 65 Prozent der Protestanten sprachen sich für die konfessionelle Trennung aus, die somit zum 1. September 1946 vollzogen wurde. Die Evangelische Schule und die Liebfrauenschule teilten sich den Standort Schulstraße/ Atter straße.
Die beengten Raumverhältnisse machten einen Neubau erforderlich. Nach langen Diskussionen bekam die Evangelische Schule einen Neubau am Grünen Weg (heute Teil des Schulzen trums) zugesprochen, der ab 1957 bezogen wurde. Die Liebfrauenschule blieb an der Schulstraße, erlebte dort aber eine ganze Reihe von Modernisierungen und Anbauten, so auch den Wechsel von dem ganz alten Schleizer′schen Schulgebäude zum Neubau von 1963, der auf den oberen beiden Fotos dargestellt ist.
Das war beileibe nicht die letzte Veränderung. Heute läutet an der zur Schwenkestraße gewordenen Schulstraße wieder die Schulglocke für eine vereinigte Grundschule, während das Schulzentrum nach dem Nebeneinander von Orientierungsstufe, Hauptschule, Realschule und Außenstelle des Ratsgymnasiums nun Osnabrücks erste Integrierte Gesamtschule beherbergt.

Bildtext:

Seit 1963 nimmt dieser Erweiterungsbau in etwa die Position der alten Schule ein. Foto: Joachim Dierks

Von der Atterstraße aus gesehen, bietet die Grundschule Eversburg heute diesen Anblick. Foto: Joachim Dierks

Ringelreichen um die Friedenseiche vor der Liebfrauenschule. Das Foto entstand kurz vor dem Abriss im April 1962. Am linken Bildrand verläuft die damalige Schul- und heutige Schwenkestraße auf die Gleisanlagen des Eversburger Bahnhofs zu.
Foto: Archiv NOZ
Autor:
Joachim Dierks


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