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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadt hebt Baustopp am Belmer Bach auf
Zwischenüberschrift:
Investor zahlt für Hochwassermauer – Aus Überschwemmungsgebiet wird normales Wohngebiet
Artikel:
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Originaltext:
Die Stadt hat den Baustopp für ein Mehrfamilienhaus in Gretesch aufgehoben, weil die Siedlung aus dem Überschwemmungsgebiet he rausfällt. Eine Betonmauer am Belmer Bach macht es möglich. Den Bau der Mauer ermöglicht der betroffene Bauträger, weil er 100 000 Euro dazugibt.
Osnabrück. Der Baustopp geht auf einen Fehler der Stadtverwaltung zurück. Beim Bearbeiten des Bauantrags hatte ein Mitarbeiter des Fachbereichs Städtebau übersehen, dass der größte Teil der Siedlung an der Poststraße nachträglich ins Überschwemmungsgebiet aufgenommen worden ist. Nicht ohne Grund: Im August 2010 war der Belmer Bach über seine Ufer getreten und hatte Keller und Erdgeschosse geflutet.
Im Überschwemmungsgebiet ist das Bauen untersagt, aber Ugur Özalp von der der Terra Ingenieurgesellschaft konnte nicht wissen, dass sein Baugrundstück zu den gefährdeten Zonen gehört. Als die Stadtverwaltung den Fehler bemerkte, stand der Rohbau schon. Dieselbe Behörde, die kurz zuvor eine Genehmigung ausgesprochen hatte, verhängte nun den Baustopp. Das war am 24. Februar.
Für Ugur Özalp und sein Unternehmen war es ein schwerer Schlag, dass die Arbeiten an dem Haus mit den acht Eigentumswohnungen ruhen mussten. Ein finanzielles Fiasko bahnte sich an, weil Kredite bedient werden mussten und Vertragsstrafen drohten. Terra klagte gegen die Stadt und stellte sich auf einen komplizierten Rechtsstreit ein, aber zugleich wurde intensiv außergerichtlich verhandelt. Mit Erfolg: Am 19. September hob die Stadt den Baustopp auf. Der Unternehmer ist zuversichtlich, das Projekt im Sommer 2017 abschließen zu können.
An der Poststraße darf weitergearbeitet werden, weil eine Hochwasserschutzwand aus Beton dem Belmer Bach seinen Schrecken nehmen soll. Von der Mauer an seinem Südufer versprechen sich die Planer, dass die Siedlung östlich der Sandforter Straße in Zukunft ebenso hochwasserfrei bleibt wie die Sportanlage an der Helmut-Stockmeier-Straße.
350 000 Euro kalkuliert der Fachbereich Umwelt und Klimaschutz für die Mauer und für einen reibungslosen Durchfluss auf dem Weg zur Hase. Fachbereichsleiter Detlef Gerdts hofft, dass das Land Niedersachsen die Hälfte davon übernimmt. Die andere Hälfte wollte die Stadt Osnabrück aufbringen, aber angesichts der Haushaltsengpässe hätte ein solches Vorhaben wohl erst in mehreren Jahren realisiert werden können.
Um die Sache zu beschleunigen, beteiligt sich die Terra Ingenieurgesellschaft nun mit 100 000 Euro an der Hochwasserschutzmauer. Möglichst schon im ersten Quartal des kommenden Jahres soll mit dem Bau der Betonwand begonnen werden. Mit der Fertigstellung rechnet Gerdts im Herbst. Erst dann kann aus dem Überschwemmungsgebiet ein normales″ Wohngebiet werden. Und auf einzelnen Grundstücken dürften dann sogar weitere Häuser entstehen, wie Franz Schürings, der Leiter des Fachbereichs Städtebau, bestätigt.
Investor Ugur Özalp ist froh, dass der Baustopp für das Mehrfamilienhaus nach sieben Monaten beendet ist. Ein Rechtsstreit hätte wohl mehrere Jahre dauern können, sagt sein Rechtsanwalt Ralf Golembiewski, zumal das Verwaltungsgericht einen Eilantrag gegen den Baustopp abgelehnt hat. Da sollte man lieber kaufmännisch denken″, lautete sein Rat. Nach der Einigung mit der Stadt kann Terra den Rohbau nun winterfest machen und mit den Innenarbeiten beginnen. Inzwischen wird an der Außendämmung gearbeitet, und die Elektriker haben auch schon auf der Baustelle angefangen.
Dass Ugur Özalp so viel Geld aufwenden musste, um den Baustopp aus der Welt zu schaffen, nimmt er der Stadt nicht übel: Wir sind alle Menschen″, sagt der Unternehmer, und wir machen alle Fehler″. Im Endeffekt sei die Sache ja gut ausgegangen.

Wo in Osnabrück gebaut werden darf und wo nicht, lesen Sie im Internet auf noz.de

Bildtext

Baustopp aufgehoben: Das Wohngebiet in Gretesch gilt nicht mehr lange als Überschwemmungsgebiet.
Foto: Swaantje Hehmann

Kommentar:

Lauter Gewinner?

Es ist ja beinahe zu schön, um wahr zu sein: Die Stadtverwaltung begeht einen Fehler, der Schadenersatzforderungen in sechsstelliger Höhe nach sich ziehen könnte, der Investor rettet die Situation mit einem sechsstelligen Betrag, und am Ende gibt es nur Gewinner. Wie kann das sein?

Die Siedler an der Poststraße können sich freuen, denn ihr Wohngebiet dürfte künftig nicht mehr von Überschwemmungen behelligt werden. Die Stadt kann sich glücklich schätzen, dass sie beim Hochwasserschutz 100 000 Euro spart. Und der Bauträger ist zufrieden, dass er sich nicht auf einen jahrelangen Rechtsstreit einlassen muss.

Kaum zu glauben, dass ein Fauxpas am Ende so viel Gutes bewirkt. Oder sollten zu dieser schönen Geschichte weniger schöne Absprachen gehören? Ach was, die Stadt muss auch mal Glück haben!
Autor:
R. Lahmann-Lammert


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