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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Überschrift:
Wohin, wenn die Blase drückt?
Zwischenüberschrift:
Suche nach einer Toilette auf dem Nachtflohmarkt – Für „Wildpinkler″ kann es teuer werden
Artikel:
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Originaltext:
Beim Nachtflohmarkt heute Abend werden sich erneut Tausende Besucher auf die Suche nach einem WC begeben. Für Wildpinkler″ kann es teuer werden.

Osnabrück. Das Problem ist stets dasselbe, egal ob Nachtflohmarkt, Maiwoche oder Kulturnacht: Plötzlich drückt die Blase, und guter Rat ist teuer.

Teuer wird es aber nur für den, der sich in Büschen, an Kirchenmauern oder anderen Orten wild″ erleichtert. Der Stadt Osnabrück zufolge geschieht das selten oder wird zumindest selten von offizieller Seite beobachtet. Das Problem des Wildpinkelns′ hat sich bislang beim Nachtflohmarkt noch nicht gestellt″, sagt Sandra Solf, Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung, auf Anfrage unserer Redaktion. 15 mobile Toiletten seien rund um den Flohmarkt verteilt: am Theater, Jürgensort und an der Georgstraße.

Grundsätzlich werden bei Großveranstaltungen immer WC-Wagen oder Dixi-Klos aufgestellt″, sagt Solf. Ferner gebe es zwei öffentliche Toiletten, ergänzt sie. Diese befinden sich am Domhof und an der Johanniskirche.

Doch nicht alle Veranstaltungsbesucher nutzen diese Möglichkeiten. Bei der diesjährigen Maiwoche habe das OS-Team zwei Wildpinkler″ ertappt, sagt Solf. Deren Blase war zwar erleichtert ihre Geldbörse aber auch: Wildpinkeln″ ist mit 50 Euro im Vergleich zu 50 Cent in einigen Kneipen ein doch recht kostspieliges Erlebnis. Viele Menschen nutzen die Toiletten der Kneipen und Bars, auch wenn sie keine Gäste sind.

Das Café Extrablatt stellte während der Maiwoche kurzerhand einen Mitarbeiter vor seine Toiletten. Die Gäste mussten ihren Bon zeigen″, sagt der stellvertretende Betriebsleiter Pedro Barros. Diese Maßnahme habe das Café aber nur aufgrund der Länge der Maiwoche ergriffen. Beim Nachtflohmarkt machen wir das nicht, da haben wir kein Problem.″

Ähnlich gelassen sieht das Henrik Schrage, Betreiber des Bottled an der Osterberger Reihe. Zwar würden beim Nachtflohmarkt viele Nicht-Gäste seine Toiletten benutzen. Aber ich will da gar nicht zu sehr meckern″, sagt er. Schließlich sei der Tag des Nachtflohmarkts einer der umsatzstärksten Tage im Jahr. An viele WC-Gänger sei Schrage ohnehin gewohnt. Gerade im Sommer gibt es einen regelrechten Sandtrampelpfad bis zur Toilette.″ Sein Bottled grenzt an den beliebten Kogge-Spielplatz an. 50 Cent möchte er von Nicht-Kunden haben, einige würden diese auch zahlen. Und wenn nicht, dann ist das halt so″, auch wenn die Ausstattung koste.

McDonald′s am Nikolaiort setzt zum Nachtflohmarkt mehr Personal ein, das die Toiletten sauber halten soll. Kunden bekämen einen Stempel und dürften umsonst austreten Nicht-Gäste müssten 50 Cent zahlen, sagt Betreiber Christian Eckstein. Das Geld spenden wir dem Zoo″, ergänzt er. Das Zusatzpersonal sei nötig, um dem Ansturm″ gerecht zu werden – „ ansonsten ist es nach 20 Minuten ein Ort des Horrors.″ An normalen Tagen hat er nichts gegen Nicht-Gäste auf seinen Toiletten. Solange das im Rahmen bleibt, ist das kein Problem″, sagt Eckstein. Dann sei das Klo für alle umsonst.

Manche Betriebe wie die Filmpassage und Starbucks drucken auf ihre Bons Codes, mit denen sich die Toiletten öffnen lassen.

Ein Gerücht hält sich seit jeher hartnäckig: Wer dringend ein WC benötigt, darf nicht abgewiesen werden. Der Osnabrücker Anwalt Henning Bahr bestätigt: Das ist nur ein Gerücht. Auch ein noch so dringendes Bedürfnis nach einer Toilette stellt keine Notlage im Sinne des Strafgesetzbuches über die unterlassene Hilfeleistung dar″, sagt der Jurist. Es ist daher weder strafbar noch aus anderen rechtlichen Gründen verboten, jemanden wegen eines solchen Bedürfnisses abzuweisen ″, ergänzt er.

Das gelte für Gastronomen und sonstige Betriebe nur bedingt, sagt Bahr. Dem Niedersächsischen Gaststättengesetz zufolge dürfen Inhaber Nicht-Gäste für den Toilettengang zur Kasse bitten oder gar vom WC ausschließen, sagt er. Für Gäste gelte das nicht. In Niedersachsen ist es verboten, von Gästen für die Toilettenbenutzung wenn solche vorhanden sind ein Entgelt zu fordern″, sagt er. Man könne Gäste aber um eine Spende für das WC bitten. Ob Gäste-Toiletten eingerichtet werden müssen, richte sich nach dem Baurecht und hänge von der Größe des Betriebes ab.

Verweigert ein Gastwirt einem zahlenden Gast die Toilettennutzung, könne das eine Geldbuße von bis zu 5000 Euro zur Folge haben.

Einen Live-Blog, vom Nachtflohmarkt finden Sie auf www.noz.de / os

Bildtext:
Einige Gastronomen verlangen von Nicht-Gästen 50 Cent für den Toilettengang.
Foto:
Jörn Martens

Kommentar

Echt ätzend

Es könnte durchaus mehr öffentliche Toiletten in Osnabrück geben nicht nur für Veranstaltungen wie dem Nachtflohmarkt, sondern vor allem an gewöhnlichen Tagen wie am Kogge-Spielplatz. Dort halten sich bei gutem Wetter täglich zig Eltern mit ihren Kindern auf. Muss der oder die Kleine, muss es schnell gehen. Natürlich fällt die Wahl dann auf umliegende Kneipen wie dem Bottled oder Grünen Jäger.

50 Cent zur reinen Bedürfnisbefriedigung mögen für einige Menschen ein Ärgernis sein. Doch sollte die Sicht der Gastronomen nicht außer Acht gelassen werden egal, ob Nachtflohmarkt ist oder nicht. Für sie ist es ein Ärgernis, wenn zahlreiche nicht zahlende Menschen ihre Toiletten benutzen. Wer die 50 Cent nicht zahlen möchte, überlasst ihnen die Kosten. Das entspricht nicht gerade Kants Kategorischem Imperativ, der, vereinfacht formuliert, besagt: Handle so, wie du es auch von anderen wünschst. Und würden wir es als Gastronom nicht auch gutheißen, wenn sich Nicht-Kunden an den Kosten beteiligen?

Sprichwörtlich ätzend ist das Wildpinkeln″. Die im Urin enthaltenen Substanzen setzen Gebäuden zu, und es ist schlichtweg widerlich. 50 Euro Strafe sind da durchaus angebracht egal, ob es ausreichend mobile WCs gibt oder nicht.
Autor:
Jörg Sanders


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