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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Nach Kasernenabriss nasse Keller
Zwischenüberschrift:
Wissenschaftspark: Grundwasserspiegel steigt zum Leidwesen der Nachbarn
Artikel:
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Originaltext:
Seit die Kasernengebäude an der Sedanstraße nicht mehr stehen, steigt dort der Grundwasserspiegel. In der Nachbarschaft macht Nässe Keller unbrauchbar, in Wohnungen breitet sich Schimmel aus. Von der Stadt fühlen sich die betroffenen Anwohner im Stich gelassen.

Osnabrück. Carsten Schlüter ist ein Mann, der nach eigenem Bekunden immer auf gutem Wege″ versucht, Lösungen zu finden. Aber nach fast drei Jahren ist der kaufmännische Leiter mit seiner Geduld am Ende. Wer bei ihm über die Schwelle tritt, hat sofort den aufdringlichen Geruch von Schimmelpilz in der Nase, vielleicht auch in der Kleidung. Das ist gesundheitsschädlich″, sagt der 50-Jährige mit einer Mischung aus Betroffenheit und Resignation.

Von seinem Balkon blickt er auf den Wohn- und Wissenschaftspark, der langsam Formen annimmt und auf den die Stadt große Hoffnungen setzt. Als jenseits des Gartens noch die Scharnhorstkaserne stand, waren die Kellerräume so trocken, dass problemlos Dokumente, Möbel oder Spielzeug aufbewahrt werden konnten. Ende 2012 da waren die Kasernengebäude gerade von der Bildfläche verschwunden entdeckte Schlüter die ersten Durchfeuchtungen.

Nasse Füße im Garten

Zunächst handelte es sich nur um unscheinbare Flecken in einer Kellerecke, doch mit jedem weiteren Winter wurden sie größer und bedrohlicher. Die Farbe platzte ab, und die Luft bekam eine muffige Note. Was als lästige Marginalie begann, entwickelte sich langsam, aber sicher zur gesundheitlichen Bedrohung für Carsten Schlüter und für seine Eltern, die das Haus an der Sudetenstraße 1976 gebaut haben.

Damals gehörte der Einbau einer Betonwanne noch nicht zum Standard, stattdessen begnügte man sich mit einem kniehohen Betonsockel. Der reichte auch 37 Jahre lang aus, um das Zweifamilienhaus trocken zu halten. Aber mit der großflächigen Entsiegelung des benachbarten Kasernengeländes ist der Grundwasserspiegel gestiegen, und nun sickert die Feuchtigkeit bei den Schlüters auf breiter Front durch das Mauerwerk.

Mit den gleichen Problemen kämpft Dieter Hanke im Haus nebenan. Bei ihm stand das eingedrungene Wasser schon einmal zehn Zentimeter hoch im Keller, und mit der permanenten Feuchte hat sich auch der Schimmel ausgebreitet. Nicht nur in den Häusern wird der Aufenthalt ungemütlicher, auch die Gärten sind betroffen. Wer bei Hanke oder Schlüter über den Rasen geht, bekommt selbst an trockenen Sommertagen nasse Füße. Auch in den Beeten ist Land unter; Eiben, Rhododendren und andere Pflanzen sterben ab. Unentwegt quillt das Wasser aus dem Wissenschaftspark nach und bahnt sich, nachdem es genug Schaden angerichtet hat, als Rinnsal den Weg über die Straße.

Die beiden Nachbarn sind am stärksten betroffen vom Grundwasseranstieg. An der Sudetenstraße, der Artilleriestraße und am Julius-Heywinkel-Weg kommt es jedoch auf etlichen weiteren Grundstücken zu Überflutungen, teilweise auch zu dauerhaften Durchfeuchtungen der Wände. In einem Brief an Oberbürgermeister Wolfgang Griesert beschwerten sich Ende Mai 46 betroffene Anwohner über die immensen Wassermengen, die nicht mehr sachgerecht von dem großen Areal abgeführt werden″. Von Verzweiflung und von verheerenden Schäden ist in dem Schreiben die Rede. Die Stadt wird aufgefordert, für eine wirksame Wasserhaltung und - ableitung zu sorgen.

Den Wohn- und Wissenschaftspark auf dem früheren Kasernengelände hat die Osnabrücker Beteiligungs- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (OBG) erschlossen, ein Tochterunternehmen der Stadt Osnabrück. Von Anfang an lehnte die OBG jegliche Verantwortung gegenüber den Anwohnern ab, da ihr ein rechtswidriges Verhalten nicht vorzuwerfen ist″, wie es in einem Schreiben an Carsten Schlüter heißt. Im Übrigen habe die Grundstücksgesellschaft Maßnahmen getroffen, den Zufluss zusätzlichen Wassers auf die unterhalb liegenden Grundstücke zu verhindern, indem Gräben gezogen und eine künstliche Wasserhaltung geschaffen wurde″.

Heizen auch im Sommer

Oberbürgermeister Griesert knüpft in seinem Antwortschreiben daran an. Wenn Flächen entsiegelt würden und als Folge mehr Regenwasser in den Boden eindringe, sei dies keine fehlerhafte Bauplanung. Bei der Neuordnung des Kasernengeländes habe man nach dem Stand der Technik gearbeitet, betont der OB. Die Anlieger müssten das Wasserproblem selbst lösen durch den Bau einer Drainage auf ihren Grundstücken. Weder die OBG noch die Stadt könnten die Kosten dafür übernehmen.

Dieter Hanke hat vor einigen Wochen eine solche Drainage legen lassen. 3500 Euro musste er für das Entwässerungssystem rund um das Haus bezahlen. Ob es hilft? Der 76-Jährige ist skeptisch. Sein Garten ist weiterhin nass, und für das Haus mag er keine Entwarnung geben. Mitten im Sommer läuft die Heizung, um den Schimmel zu vertreiben. Mit Sorge erwarten Hanke und seine Frau die nächsten Regenfälle, mit denen die ganze Leidensgeschichte wieder von vorn beginnen könnte. Die Betroffenen von der Sudetenstraße sind überzeugt: So einfach sind die Wassermassen aus dem Wissenschaftspark nicht zu bändigen.

Mehr zum Wissenschaftspark und weitere Fotos finden Sie im Internet auf www.noz.de

Bildtexte:
Der Grundwasserspiegel steigt, und der Keller wird zum Feuchtraum: Nicht nur bei Carsten Schlüter dringt das Wasser durch die Wände.
Was hier als harmloses Rinnsal über die Straße fließt, hat zuvor Schäden an Haus und Garten verursacht.
Foto:
Lahmann-Lammert, C. Schlüter

Feuchte Nebenwirkung

Wasser ist Leben, aber feuchte Wände machen krank. Jahrzehntelang blieb es trocken in den Häusern rund um die Scharnhorstkaserne. Dann kam der Wissenschaftspark, und seitdem wähnen sich die Anwohner in einem Sumpfgebiet. Die Stadt macht es sich zu leicht, wenn sie auf die Rechtslage verweist und die Betroffenen sich selbst überlässt.

Juristisch ist die Sache wohl klar. Die Verantwortung für dichte Wände trägt der Bauherr, auch wenn der Wasserspiegel nachträglich steigt. Es lässt sich aber nicht von der Hand weisen, dass die Stadt mit ihrem respektablen Konversionsprogramm Tatsachen geschaffen hat, zu deren Nebenwirkungen die nassen Keller an der Sudetenstraße gehören. Daraus lässt sich zumindest moralisch eine gewisse Fürsorgepflicht ableiten.

Angesichts der auftretenden Wassermassen ist es fraglich, ob eine Drainage auf jedem einzelnen Grundstück die Probleme löst. Vielleicht wäre eine groß angelegte Entwässerung an der Grundstücksgrenze die bessere Lösung, als Public-Private-Partnership auf unterer Ebene. Auf jeden Fall sollte die Stadt mehr tun, als auf die Rechtslage zu verweisen.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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