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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Millionenstreit um Hallensanierung beigelegt
Zwischenüberschrift:
Bauherrin OBG und Ex-Generalplaner W+P schließen Vergleich
Artikel:
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Originaltext:
Der millionenschwere Honorarstreit wegen der Osnabrück-Hallen-Sanierung ist erledigt. Im zweiten Anlauf einigten sich die städtische Beteiligungsgesellschaft OBG und der frühere Generalplaner W+ P gütlich.

Osnabrück. Der bereits am 7. Juni vor dem Landgericht Osnabrück erzielte und mittlerweile bestandskräftige Vergleich sieht nach Informationen unserer Redaktion eine Bruttozahlung der OBG an W+ P in Höhe von 690 000 Euro vor. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was an offenen Honoraren eingeklagt worden war: Die W+ P Gesellschaft für Projektabwicklung (Essen/ Stuttgart) von Mai 2012 bis Januar 2014 mit der Osnabrück-Hallen-Sanierung und anschließend mit Dingen wie Objektbetreuung beauftragt hatte für angeblich erbrachte Architekten- und Ingenieurleistungen zuletzt 1, 42 Millionen Euro verlangt.

Mit der Anfang Juli erfolgten Überweisung seien alle relevanten Leistungen abgegolten, sagte OBG-Anwalt Rupert Holtkötter unserer Redaktion. Seit der Einigung nehme die Osnabrücker Beteiligungs- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft keine Dienste der zur Wolff-Gruppe gehörenden Firma mehr in Anspruch. Das Thema ist durch.″

Osnabrücks Finanzvorstand Thomas Fillep, zugleich OBG-Geschäftsführer, zeigte sich zufrieden mit dem Ende der jahrelangen Auseinandersetzung. Für uns ist es gut ausgegangen. Die Verhandlungen haben sich rentiert.″ Das Ergebnis spiegele die Interessen der Stadt wider. Auch die W+ P-Mutter kann mit dem Vergleich gut leben. Klaus Wolff, Geschäftsführer der Wolff-Gruppe: Dieser Vergleich setzt einen Schlusspunkt und bringt Ruhe in unser Tochterunternehmen, dessen Mitarbeiter mit hohem Einsatz für die Modernisierung der Osnabrück-Halle gearbeitet haben.″

Die einvernehmliche Lösung erspart der OBG und dem Projektabwickler einen möglicherweise zähen und teuren Gerichtsprozess. Dirk Willms, Vorsitzender Richter der zuständigen Kammer für Handelssachen, hatte bei einem ersten Gütetermin im Februar die Verfahrensdauer auf drei bis fünf Jahre geschätzt. Außerdem wäre mit Gutachterkosten in Höhe von zigtausend Euro zu rechnen gewesen das Ganze bei unabsehbarem Ausgang.

Öffentlich geworden war der Ärger um die Sanierung der Osnabrück-Halle im Mai 2014. Damals hatte Fillep in einem Bericht unserer Redaktion die Verschiebung der Hallen-Fertigstellung um ein Jahr auf 2016 bekannt gegeben und auf angeblich mangelhafte Umbauplanung und - ausführung hingewiesen, die sogar Veranstaltungsausfälle nach sich zogen. Ein Vorwurf, den W+ P nicht auf sich sitzen ließ.

Aus Sorge um den Ruf der Firma holte der abservierte Ex-Generalplaner postwendend zum Gegenschlag aus. Auf einer Pressekonferenz in Osnabrück stellte Konzernchef Wolff fest, dass sein Unternehmen unter Hinweis auf alle Folgen auch für das Budget stets jedem Wunsch der OBG gerecht geworden sei. Pläne hätten aber permanent geändert werden müssen. Doch selbst unter Zeitdruck seien im ersten Bauabschnitt von März bis Oktober 2013 Arbeiten verrichtet und Leistungen erbracht worden, die zum Teil erst viel später vorgesehen gewesen seien.

Bei dem Versuch, die OBG zur Begleichung offener Millionenrechnungen zu bewegen, schaltete W+ P im Herbst 2014 den niedersächsischen Innenminister ein, blitzte dort allerdings ab. Fillep wiederum bekam Rückendeckung aus der Osnabrücker Politik und Verwaltung, außerdem von maßgeblichen Aufsichtsräten. Mittlerweile bewerkstelligt das Georgsmarienhütter Unternehmen MBN im Auftrag der OBG die weitere Sanierung der Osnabrück-Halle.

Kommentar
Punktsieg für die OBG

Die Sanierung der Osnabrück-Halle hält so manche böse Überraschung bereit auf der Baustelle, aber auch abseits davon. Eine war die Auseinandersetzung mit dem ursprünglichen Generalplaner W+ P, in der es um offene Rechnungen in Millionenhöhe ging. Der jahrelange Streit geriet zur öffentlichen Schlammschlacht, wurde am Ende sogar ein Fall fürs Gericht. Rechtzeitig vor der Kommunalwahl 2016 ist die Sache aus der Welt.

Sie hatte das Zeug zum Politikum. Möglicherweise hätten einige Protagonisten vor dem Urnengang am 11. September ihre Geduld verloren mit Kämmerer Thomas Fillep, der als Geschäftsführer von Bauherrin OBG den Konflikt mit dem in Ungnade gefallenen Projektabwickler führte. Denn die Aussichten waren nicht gerade rosig: Der städtischen Beteiligungsgesellschaft immerhin eine Treuhänderin des Steuerzahlers drohte ein langer, kostspieliger und riskanter Prozess.

Mit einem aus Sicht der Stadt günstigen Vergleich steht Fillep nun aber als jemand da, der nicht nur Standfestigkeit, sondern auch Verhandlungsgeschick bewies. Punktsieg für den Finanzvorstand! Doch auch W+ P profitiert von der gütlichen Einigung: Das Unternehmen sieht zumindest einen Teil des geforderten Geldes, und zwar sofort. Außerdem ist es die negativen Schlagzeilen los, zu denen es selbst beigetragen hat.
Autor:
Sebastian Stricker


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